Dietikon

Eine Warteschlange für sein Autogramm: Heinz Lüthis Vernissage füllte das Stadthaus

An der Vernissage für Heinz Lüthis neues Buch «Strömungen» gab es Einblicke in die gute alte Zeit. Und Heinz Lüthi erklärte, wieso in seinem Buch keine Bösewichte vorkommen.

Heinz Lüthi liest aus seinem neuen Buch «Strömungen»

Heinz Lüthi liest aus seinem neuen Buch «Strömungen»

«Im ganzen Buch kommt kein Bösewicht vor», sagte die Dietiker Journalistin und Autorin Helene Arnet gestern zu Heinz Lüthi, im Rahmen der Vernissage zu seinem neuen Buch «Strömungen». Und landete einen Treffer. Denn Lüthi entgegnete, dass ihn ein Freund auch darauf angesprochen habe. «Kommt in diesem Buch denn kein Schafseckel vor?», habe dieser zu ihm gesagt.

Die Episode zeigt, dass Lüthis neues Buch «Strömungen» zwar konkret von der Zeit von 1909 bis 1929, ganz allgemein aber auch von der guten alten Zeit überhaupt handelt. Aber nicht etwa, weil Lüthi das unbedingt so wollte; hat er doch historische Recherchen getätigt. «Ein Mord ist in dieser Zeit nicht passiert», liess er das zahlreiche Publikum im Dietiker Gemeinderatssaal wissen. Und lieferte sogleich eine Erklärung dafür: «Die Leute hatten damals noch Auslauf und Platz, sie arbeiteten mit den Händen und konnten so ihre Aggressionen rauslassen.» Das habe sich dann Ende der 1940er-Jahre geändert, sagte Lüthi, der derzeit an der Fortsetzung von «Strömungen» arbeitet. Der zweite Band soll sich um die Zeit von 1929 bis 1950 drehen. «Ich bin bereits im Jahr 1940 angelangt. Die Hälfte ist also schon gemacht», sagte der 77-Jährige, der einst im Alter von 20 Jahren als Lehrer nach Weiningen zog und dort jahrzehntelang blieb. «Damals standen in Weiningen jeweils noch 30 Bauern vor dem Milch-Hüsli», erinnerte sich Lüthi.

«Es war mir damals vögeliwohl in Weiningen»

Für ihn als Kind des Zürcher Seefelds war auch die Lokalpolitik faszinierend. «Die dörfliche Selbstverwaltung habe ich als sehr prägend erlebt. An der Gemeindeversammlung konnte man wirklich etwas bewegen», so Lüthi, der früher Mitglied im Cabaret Rotstift war. Schon mit 22 Jahren wurde er dann Aktuar der Weininger Schulpflege. «Es war mir damals wirklich vögeliwohl in Weiningen», machte er klar. Das katholische Dietikon sei damals noch «ennet dem Jordan» gewesen. Als Weininger – und damit als Reformierte – habe man sich eher nach Schlieren oder Oetwil orientiert, sagte der heutige Richterswiler.

«Damit man spürt, dass ausserhalb der Landesgrenzen Schlimmes passiert»

Während manche Figuren im Buch der damaligen Realität entnommen sind, hat Lüthi andere neu erschaffen. Die Schwäbin etwa, die der Weininger Fuhrmann Emil alias Miggel Ehrsam heiratete, ist einer Mitarbeiterin eines Richterswiler Blumenladens nachempfunden. «Ich sah sie und dachte: ‹Das ist sie!›», erzählte Lüthi. Die für damals eher unrealistische Ehe eines Weiningers mit einer Schwäbin, hatte einen Grund. «Das Grauen des Ersten Weltkrieges sollte mit ihr in die Grundierung des Buches eindringen», sagte Lüthi, «damit man spürt, dass ausserhalb der Landesgrenzen Schlimmes passiert.»

Nach der spannenden Vernissage mit Lesung strömten die Zuhörer ins Foyer des Stadthauses und standen Schlange, um das Buch zu kaufen und von Lüthi signieren zu lassen. Begleitet wurde die Lesung von Daniela Jordi und Alain Schmutz an der Klarinette. Die Begrüssung hatte Stadtpräsident Otto Müller im Namen der Kulturkommission gehalten. Die Idee zur Vernissage sei auf dem Üetliberg entstanden, als er mit Lüthi Znacht ass, liess Müller das Publikum wissen.

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