Spiel des Lebens

Eine Wand von Menschen - «das berührte mich enorm»

Handballtorhüter Simon Schelling erzählt vom grössten Erlebnis seiner Karriere.

Handballtorhüter Simon Schelling erzählt vom grössten Erlebnis seiner Karriere.

Der Dietiker Handballtorhüter Simon Schelling über eine grosse Überraschung an der Jugendolympiade in Trabzon.

Es wurde im Vorfeld ein Geheimnis daraus gemacht, was genau uns erwartet. Wir wussten zwar, dass es eine Eröffnungszeremonie gibt, und wir vermuteten, dass es ein Fussballstadion hat in der Stadt. Aber wie viele Menschen da sein würden? 500, vielleicht 1000 Zuschauer?

Wir stiegen aus dem Teambus und blickten auf einen Riesenplatz. Dort sahen wir eine Schweizer Fahne, zu der hin wir stehen sollten. Als «Switzerland» waren wir die letzte Nation vor dem Gastgeber Türkei. Schliesslich bewegte sich die riesige Menge von Athleten in Richtung Stadion. Jeder von uns erhielt ein Schweizer Fähnchen.

Wir betraten dann das Stadion durch einen Hintereingang, der uns in einen riesigen Gang führte. Es war eng und stickig dort. Es hiess, im Stadion würde gerade die Zeremonie eröffnet werden, mit Tanzeinlagen und so. Wir warteten scheinbar ewig und es ging nur sehr langsam vorwärts.

Etwas weiter vorn angekommen, sahen wir das Licht im Stadion. Die Scheinwerfer schienen grell in unsere Richtung, deshalb konnte man kaum etwas erkennen. Wir erahnten ein paar Ränge mit Zuschauern. Wir merkten, wie die vor uns stehenden Athleten, die schon mehr sahen, etwas nervös wurden. Beim Betreten des Stadions tat sich am andern Ende eine Wand auf — eine Wand aus Menschen. Das ganze Fussballstadion war voll, es hiess, es hätte 40 000 Leute drin.

Man kann sich nicht vorstellen, wie laut es wurde, nachdem wir eingelaufen waren. Wir waren erst etwas irritiert, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass das wegen uns war. Die Annahme war richtig: Hinter uns wurde die türkische Fahne hereingetragen. Es war ein tolles Erlebnis, ein Glück für uns, dass die Schweiz so spät im Alphabet kommt. Als das Feuerwerk anfing, erwachte ich aus diesem traumähnlichen Zustand. Ich vergegenwärtigte mir, dass all diese Leute wegen uns Sportlern gekommen waren. Das berührte mich enorm. Ich hoffe sehr, das wieder einmal erleben zu dürfen.

Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr

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