Die Zeit der Staus, der Lärm- und Staub-Emissionen, der Beeinträchtigungen durch fehlende Parkplätze und problematische Zufahrten rückt näher. Bevor die Limmattalbahn (LTB) Ende 2022 durch die Stadt fahren wird, kommt erst noch eine längere Durststrecke, die für das Dietiker Gewerbe empfindliche finanzielle Einbussen mit sich bringen könnte. Um Verunsicherungen zu begegnen, setzt die Limmattalbahn AG gemeinsam mit der Stadt Dietikon auf transparente Kommunikation. Bei einem «Gwerbe Zmorge» im Hotel Sommerau-Ticino, einem ersten Info-Treff, dem weitere folgen werden, wurden am Mittwochmorgen rund 50 betroffene Dietiker Gewerbetreibende über den Planungsstand informiert.

Während Stadtpräsident Otto Müller, Verwaltungsratspräsident der LTB AG Hans Egloff und der Dietiker Stadtplaner Jürg Bösch die Vorteile hervorhoben, welche die Stadtbahn auch für das Gewerbe mit sich bringen wird, waren Daniel Issler, Gesamtprojektleiter LTB AG, und Stefan Oswald, Projektleitung Tiefbau, für die Fakten zum Planungsstand zuständig. Mehrfach wurde versichert, dass man die bestmögliche Lösung für alle Betroffenen anstrebe. Sie weibelten aber auch für Verständnis für die anspruchsvolle Bauplanung.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattalerzeitung sind die künftige Strecke schon einmal abgefahren, respektive abgelaufen.

Problemfall: Zu wenig Platz

In Dietikon gebe es in der Baustellen-Zeit mehrere herausfordernde Punkte, etwa am Bahnhof, im Zentrum, am Dreispitz (Bunkerkreuzung) und in der Zentral- und Badenerstrasse, meinte Oswald. Noch sei nichts entschieden, aber mögliche Varianten seien an bestimmten Stellen auch Teilsperrungen mit Einbahnregime sowie Vollsperrungen «in den Sommerferien plus».

Überhaupt seien vor allem an den Wochenenden und während der Schulferien mehrmalige grössere Behinderungen unvermeidbar, wenn ab Herbst 2019 mit dem Bau der Etappe 2, die durch Dietikon führt, begonnen wird. «Im Zentrum wird es aber doch wohl keine Vollsperrung geben, auch nicht in den Sommerferien?», fragte mit Nachdruck eine Gewerblerin von der Zürcherstrasse. Dazu gibt es laut Issler noch nichts Konkretes. Bauingenieur Tomas Karel gab aber zu bedenken, dass das auch eine Frage des vorhandenen Platzes sein könnte. «Wir müssen schauen, wie viel Platz die Baulogistik braucht und wie viel der Privatverkehr für die Zufahrten.» Und schliesslich bleibe dann noch Raum übrig für den allgemeinen Verkehr. Oder eben auch nicht.

Sehr bildhaft erklärte Alex Temperli, Projektleiter Dietikon, das Grossprojekt. Das Bauvorhaben könne man sich vorstellen, als ob eine neue Kanalisationsleitung eingezogen würde, «nur dass oben statt des Schwarzbelags ein paar Gleise hingelegt werden». Dazu «trage man den Rucksack», dass alle Zufahrten jederzeit offen zu halten sind. «Die Planung ist sehr sportlich. Es muss eine grosse Leistung in kurzer Zeit erbracht werden.» Und Oswald ergänzte: «Wir müssen alte Gas- und Wasserleitungen auf die Seite schieben, sie eventuell auch erneuern. Das braucht Zeit und Nerven.»

Der Dietiker Architekt und Gemeinderat der Grünen, Lucas Neff, regte an, dass etwa am Donnerstagnachmittag von 16 bis 20 Uhr der Baustellenbetrieb ruhen könnte, damit wenigstens in dieser Zeit die Geschäfte problemlos angefahren werden können. Issler bedankte sich für die Anregung; man werde das prüfen. Der Inhaber eines Schuhgeschäfts zeigte sich vor allem wenig begeistert von den Wochenendbelastungen: «Der Samstag ist unser Hauptverkaufstag. Wenn an diesem Tag intensiv gebaut würde, wäre das für uns ganz schlecht», klagte er.