Dietikon

Eine strahlende Weihnachtsgeschichte mit Pauken und Trompeten

Die Thomaskantorei Zürich begeisterte das Publikum.

Die Thomaskantorei Zürich begeisterte das Publikum.

Das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach wurde in der Kirche St. Agatha aufgeführt. Ein Gottesdienst der speziellen Art.

«Jauchzet, frohlocket» jubelt der Chor. Pauken und Trompeten geben ihrer Freude über die Geburt Christi feierlichen Ausdruck. Sie versetzen die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Kirche St.Agatha in Dietikon von der ersten Minute an in Weihnachtsstimmung. Viele sind gekommen, um das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zu hören, denn es gehört zu Weihnachten wie die Mailänderli und der Christbaum. Die Thomaskantorei Zürich bescherte den Anwesenden eine zauberhafte Aufführung.

Wunderbare Solisten

In sechs Teilen stellt Johann Sebastian Bach das Weihnachtsgeschehen in einer fortlaufenden Folge von Erzählung, Betrachtungen und Gebet dar. Drei davon kamen am vergangenen Samstag zur Aufführung: die Geburt Jesu, dann die Nachricht der frohen Botschaft an die Hirten und im dritten Teil schliesslich die eigentliche Geschichte der Weihnachtsnacht mit der Anbetung durch die Hirten im Stall von Bethlehem. Geigen und Flöten jubilieren, stehen für die himmlische Engelsmusik. Oboen imitieren den Klang der Schalmeien, festlich preist der Chor den «Herrscher des Himmels», wunderbar die Arien der Solisten: Salome Zwicky, Sopran, Anja Muth, Alt, Holger Marks, Tenor und René Koch, Bass.

«Das Weihnachtsoratorium gehört für mich ganz einfach zu Weihnachten», so eine Besucherin. Sie habe den ganzen Tag gearbeitet, da sei der Besuch eines solches Konzerts wunderbar. «Das Weihnachtsoratorium ist auch zuhause, am Radio, wunderschön. Hier in der Kirche ist es aber noch viel erhabener», schwärmt sie. Und ein überzeugter Bach-Verehrer meint, für ihn sei dieser einer der allergrössten Komponisten, und er fügt an: «Seine Musik ist für mich eine Form von Gottesdienst.»

Tiefsinnig und gefühlsbetont

Für Conrad Zwicky ist dieses Werk etwas vom Strahlendsten, das es gibt, eine Musik, die niemanden kalt lässt. «Sie geht direkt ins Herz», schwärmt der Dirigent und Gesamtleiter der Thomaskantorei Zürich. Diese Musik sei unglaublich tiefsinnig und gefühlsbetont und stehe damit im Gegensatz zu mancher fast mathematischen Komposition von Bach. Aber, so Zwicky: «Für den Chor und die Instrumentalisten ist es auch ein sehr anspruchsvolles Werk.» Trotzdem haben eine grosse Probe und drei Chorproben genügt. Musiker und Sänger, so Zwicky, seien erfahrene Leute und manche von ihnen kenne er noch aus seiner Zeit bei der Zürcher Tonhalle.

Die Uraufführung des Weihnachtsoratoriums fand 1734/35 in der Thomaskirche in Leipzig statt. In sechs Gottesdiensten, zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag und dem Epiphaniefest, kamen die einzelnen Teile zur Aufführung, das erste und einzige Mal zu Lebzeiten von Bach, wird überliefert.

Albert Schweizer warnte einst davor, das ganze Oratorium an einem Abend aufzuführen, da ansonsten «der ermüdete Hörer die Schönheiten des zweiten Teils nicht mehr zu fassen vermag». Den Musikern der Thomaskantorei Zürich hätte man – jenseits vom Jubel und Trubel der Weihnachtszeit – gerne noch eine Weile zugehört.

Meistgesehen

Artboard 1