Ideen für Ratschläge an seine Kolleginnen und Kollegen im Dietiker Gemeinderat hätte er genügend gehabt, sagte der gestern frisch gewählte Gemeinderatspräsident Markus Erni (SVP) in seiner ersten Rede im neuen Amt. Doch dann hätten sich die Ereignisse überschlagen, meinte er mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Dietiker und Spreitenbacher Jugendlichen am letzten Samstag. Deshalb habe er seine Rede nochmals umgeschrieben.

Eine Stadt mit Herz

«In den 61 Jahren seit Bestehen des Dietiker Parlaments haben sich hier unzählige Einwohnerinnen und Einwohner für diese Stadt eingesetzt. Wir alle hier im Saal setzen uns nicht für die krasseste Gemeinde in der Schweiz ein, sondern engagieren uns für eine unterschätzte und lebenswerte Stadt mit vielen versteckten Perlen», sagte Erni. Dietikon sei eine Stadt mit Ecken und Kanten. «Sie ist bestimmt nicht fehlerfrei, aber unsere Heimat», hielt er fest. Und so forderte Erni seine Ratskollegen dazu auf, sich weiter für Dietikon einzusetzen. «Setzt ein Zeichen nach aussen, dass Dietikon ein Ort ist mit Verstand, Freude und Herz.»

Erni, dessen Grossvater und Vater bereits im Dietiker Gemeinderat politisierten, trat die Nachfolge von Esther Sonderegger (SP) an. Der SVP-Politiker, der zuvor als 1. Vizepräsident wirkte, erhielt bei der Wahl von den 32 anwesenden Gemeinderäten 30 Stimmen. Auf den Posten des 1. Vizepräsidenten rückte der bisherige 2. Vizepräsident Gabriele Olivieri (CVP) nach. Auch er erhielt 30 von 32 abgegebenen Stimmen. Neu im Präsidium des Gemeinderates ist Catherine Peer (SP). Ihr gaben 29 Kolleginnen und Kollegen ihre Stimme.

Doppelter Abschied

Für Sonderegger war der gestrige Abend in doppelter Hinsicht ein besonderer. Zum einen endete ihre Amtszeit als höchste Dietikerin, zum anderen war es auch ihre letzte Sitzung im Gemeinderat, da sie ihren Rücktritt eingereicht hat. Auch sie wandte sich mit einer kurzen Rede an ihre Kollegen. Als Highlight ihres Jahres als Gemeinderatspräsidentin strich sie die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des Dietiker Parlaments heraus, die anlässlich des Stadtfestes über die Bühne gingen. «Das Stadtfest hat uns als Parlament weitergebracht, weil wir auch ausserhalb des Ratsbetriebs zusammengearbeitet haben. Den Gemeinderat erlebe ich als weniger streitlustig», sagte Sonderegger. Sie sei überzeugt, dass in der jetzigen Zusammensetzung des Stadtparlaments mehr fairen Kompromissen zugestimmt werde. «Faire Kompromisse führen zu guten Lösungen, die Dietikon weiterbringen», hielt sie fest.

Ihr Engagement anlässlich der Feierlichkeiten zum 60-Jahr-Jubiläum des Parlaments – Sonderegger verfasste eine Chronik und war OK-Präsidentin des Gemeinderatszelts – wurde von ihrem Nachfolger dann nochmals besonders verdankt. «Sie hat ein riesiges Pensum geleistet», sagte Erni, ehe es für alle ins Foyer des Stadthauses ging, wo die Stadtmusik zu Ehren des neuen höchsten Dietikers aufspielte.