Dietikon
Eine Slam-Poetin leitet den Dirigenten an

Die Sinfonietta Schaffhausen gestaltete zusammen mit der Slam-Poetin Lara Stoll das Neujahrskonzert in Dietikon. Neben Stoll und der Sinfonietta hatte auch Stadtpräsident Otto Müller seinen Auftritt.

Christian Murer
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Neujahrskonzert Dietikon
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Limmattaler Zeitung

Klassik trifft Slam-Poesie - das diesjährige Dietiker Neujahrskonzert wartete mit einer speziellen musikalischen Kombination auf. Als Gast der Sinfonietta Schaffhausen war Slam-Poetin Lara Stoll geladen. Sie hatte gestern ihren grossen Auftritt, als sie sich spontan und unkompliziert dazu bereit erklärte, als Solistin bei Leroy Andersons «Typewriter» mitzuwirken.

Gemeinsam mit dem Dirigenten der Sinfonietta, Paul K. Haug, interpretierte sie das Stück des amerikanischen Komponisten und sorgte unfreiwillig für einen Lacher. «Früher haben die älteren Herren den jungen Damen diktiert. Heute ist es eben - wie so manches - genau umgekehrt», sagte Haug, nachdem das Stück beendet war.
Französische Werke
Eröffnet wurde das Neujahrskonzert in der Stadthalle mit der Ouvertüre zur Oper «Der Kalif in Bagdad» von François-Adrien Boieldieu und dem dazugehörigen Oboensolo. Es folgten weitere Werke von vorwiegend französischen Komponisten.

So unter anderem die berühmte Ouvertüre zur Oper «Orpheus in der Unterwelt» von Jacques Offenbach, die er allerdings nicht selbst geschrieben hatte. «Er hatte keine Zeit, eine Ouvertüre zu schreiben. Denn als richtiger Theatermann wollte er so schnell wie möglich zur Handlung kommen», kommentierte Dirigent Haug das Stück. So hätten nämlich die zwei Kapellmeister Busch und Binder die heute noch gebräuchliche Ouvertüre aus den besten Melodien zusammengezimmert.
Erste Freudentränen vergossen
Wer auch immer die Ouvertüre verfasste, den Zuhörern gefiel das Gezeigte. «Die Texte von Lara Stoll fand ich total lustig», sagte der 14-jährige Sohn des Dirigenten, Tobias Haug. Auch seine 16-jährige Schwester Nina war voll des Lobes: «Mir hat das abwechslungsreiche Konzert sehr gut gefallen.»
Das galt ebenfalls für den Künstler und Musiker René Gubelmann. «Ich habe bereits zum ersten Mal im neuen Jahr Freudentränen vergossen. Das besinnliche Programm hat mir sehr viel Spass bereitet.» Zudem habe er sich köstlich an der Slam-Poetin Lara Stoll amüsiert. «Gefreut hat mich natürlich, dass diese Künstlerin auch Perkussionistin ist», so der Dietiker Kulturpreisträger von 2007.
Neben Stoll und der Sinfonietta hatte auch Stadtpräsident Otto Müller seinen Auftritt. «Die wunderschöne, leichte klassische Musik soll Sie beschwingt und fröhlich ins neue Jahr begleiten. Ein Jahr, das gerade erst angefangen hat und noch wie ein Buch mit weissen, leeren Blättern vor uns liegt», sagte Müller in sei- ner Neujahrsansprache. Er richte seine Neujahrswünsche auch an Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stünden, die zu den weniger Begünstigten, aber ebenso zur Gesellschaft gehörten. Dabei erwähnte er die Kranken, Einsamen, Betagten, Arbeitslosen - Menschen also, die Schicksalsschläge erlitten und Enttäuschungen erfahren hätten. So würden viele einer ungewissen Zukunft entgegengehen. Gerade diese Menschen brauchten Quellen der Kraft, Zuversicht, Mut und Hoffnung.
Optimismus und Zuversicht

«Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden», zitierte Müller den Dichter Hermann Hesse. Ob 2012 ein gutes Jahr werde, könne er nicht voraussagen. «Beantworten Sie die Frage für sich selber, so sind Gesundheit, Wohlergehen, Wohlstand vermutlich Gradmesser, ob ein Jahr gut oder weniger gut wird», so der Stadtpräsident. Alles in allem gehe es uns aber in der Schweiz nach wie vor hervorragend. So seien Optimismus und Zuversicht auch fürs neue Jahr angezeigt.