Limmattal/ Aesch

Eine Scheune füllt sich bald mit Büchern

Das älteste Gebäude in Aesch wird zur neuen Gemeindebibliothek umgebaut.

Das älteste Gebäude in Aesch wird zur neuen Gemeindebibliothek umgebaut.

Ende Jahr soll die Gemeindebibliothek umziehen – in die älteste Scheune im Dorf. Diese wird derzeit saniert.

Noch fällt die Vorstellung schwer, dass dieses Gebäude dereinst die Aescher Gemeindebibliothek beherbergen soll: Die Aussenfassade aus alten Holzbrettern fehlt an vielen Stellen und lässt den Blick auf die Ziegelmauer dahinter zu, vor dem offenen Scheunentor liegen grosse Steinbrocken und im Innern stapeln sich Bretter und andere Baumaterialien neben Wasserpfützen. Kurz: Der Umbau der Scheune an der Haldenstrasse neben dem Volg sind im vollen Gange.

Eigentlich hätten die Arbeiten noch in diesem Monat abgeschlossen werden sollen. So zumindest wurde es in den aktuellen Aescher Gemeindemitteilungen angekündigt. Daraus wird aber nichts. «Wir haben im Verlauf der Arbeiten viel faules Gebälk gefunden», sagt Eigentümer Urs Räbsamen, der das Gebäude 2001 kaufte und so vor dem Abbruch rettete. Damals hob der Kanton den Denkmalschutz für die Scheune und das daran angebaute Bauernhaus auf. Räbsamen erwarb es. Denn: «Es ist das älteste, weitgehend noch erhaltene Bauernhaus im Dorf.» Dessen Geschichte lasse sich bis ins Jahr 1450 zurückverfolgen. Meistens wurde die Scheune in den letzten knapp 600 Jahren für die Landwirtschaft genutzt, zwischenzeitlich aber auch als Pferdeschmiede. «Und die nächsten 200 Jahre als Bibliothek», sagt Räbsamen und lacht. Seine Augen leuchten, als er durch die Scheune und das seit längerem umgebaute Haus mit nun zwei Wohnungen führt. Diese führen vor Augen, was sich der Eigentümer vorstellt, wenn er sagt, dass man der Scheune auch nach dem Umbau ihre 560-jährige Geschichte ansehen soll: Die ursprüngliche Grundkonstruktion mit ihren wurmstichigen Balken und tiefliegenden Decken wurde geschickt mit modernen Elementen kombiniert.

Der Erhalt des Alten ist Bauingenieur Räbsamen ein Anliegen, nicht nur was die Scheune selbst betrifft. «Es ist mir wichtig, das Ortsbild zu bewahren.» Gleichzeitig werde der Ortskern aufgewertet. Denn Räbsamen saniert nicht nur die Scheune, er hat auch zwei Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft auf Vordermann gebracht. Im einen eröffnet nach den Sommerferien eine neue Kinderkrippe. Urs Räbsamen hofft, dass dadurch der Dorfteil belebt und der Volg noch stärker frequentiert wird.

Einzug schon länger geplant

Parallel zu den Bauarbeiten plant Bibliotheksleiterin Brigitte Holliger mit ihrem Team derzeit den Einzug in die Scheune und deren Einrichtung. «Ich kann mich dabei an der Vorarbeit von Sigrid Graf orientieren», sagt Holliger. Die vorherige Bibliotheksleiterin hatte bereits 2012 den Umzug in die Scheune geplant. Denn schon damals hatte die Gemeinde mit Räbsamen einen Mietvertrag abgeschlossen. «Das Projekt war schon vor drei Jahren ziemlich konkret», sagt die Aescher Gemeinderätin und Sozialvorsteherin Janine Vannaz. Das Projekt sei aber durch Änderungen sowie die Regelung von Erschliessungs- und Parkplatzfragen verzögert worden.

Bibliotheksleiterin Holliger freut sich nun «auf viel Platz und damit die Möglichkeit, die Bücher schön präsentieren zu können.» In der alten Bibliothek seien die Regale zugestellt gewesen. «Das ist für die Besucher nicht ansprechend.» In der Scheune dagegen wird der Bibliothek genügend Platz auf zwei Stockwerken zur Verfügung stehen. Deshalb soll nicht nur der Bestand von 3600 Medien mit dem Umzug erweitert werden, sondern auch ein Kaffee-Ecke am neuen Standort entstehen. «Die Bibliothek soll zum Begegnungszentrum werden», erklärt Holliger das Ziel. Zunächst muss aber erst noch die gesamte Inneneinrichtung und Infrastruktur geplant und später eingebaut werden. Die Aescher Gemeindeversammlung dafür einen Betrag von 80 000 Franken gesprochen. «Damit zu haushalten wird eine grosse Herausforderung», sagt Gemeinderätin Vannaz. So müsse das Mobiliar teilweise massgeschneidert werden. Eine weitere Herausforderung werde auch die Integration der alten Scheunenelemente, wie etwa der Futtertrog, in die künftige Bibliothek sein.

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