Unterengstringen

«Eine Schande fürs Limmattal»: Littering an der Limmat löst heftige Reaktion aus

Unterengstringen wird für zugemüllte Limmatuferwege kritisiert. Gemeindepräsident Simon Wirth (FDP) kennt das Problem schon lange, einfache Lösungen gebe es aber nicht. Er appelliert an die Selbstverantwortung aller Erholungssuchenden an der Limmat.

Die Aufnahmen entlang der Limmat sind stossend. Meterweit verteilt sich der Abfall neben den vollgestopften Mülleimern auf dem Boden. Entstanden sind sie in der Nähe der Engstringerbrücke am vergangenen sowie am Osterwochenende auf Unterengstringer Gemeindegebiet. Diese Woche wandte sich Urheber Thomas Grädel in einem wütenden E-Mail, das auch der «Limmattaler Zeitung» und Statthalter Simon Hoffmann zugeschickt wurde, an den Unterengstringer Gemeindepräsidenten Simon Wirth (FDP).

Darin kritisiert Grädel, der für die SVP im Schlieremer Gemeinderat politisiert, die «riesige Sauerei» um die Abfalleimer an der Limmat an jedem Aprilwochenende und spricht von «einer Schande fürs Limmattal». Es könne nicht sein, dass die Gemeinde ihre Pflichten nicht erfülle, schreibt Grädel weiter und schliesst mit: «Sollten am nächsten Wochenende wieder solche Ausmasse anzutreffen sein, behalte ich mir vor, eine Anzeige wegen Verstoss gegen das Abfallgesetz zu prüfen.» Grädel war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch Gemeindepräsident hat schon Littering beobachtet

Auf das Schreiben wolle er nicht eingehen, sagt Simon Wirth auf Anfrage. Überbordender Abfall im Erholungsgebiet sei leider nicht neu und auch kein spezifisches Problem von Unterengstringen. Littering ärgere auch ihn sehr. Er habe selbst schon von Weitem gesehen, wie Menschen ihren Müll einfach sorglos aus dem Autofenster geworfen haben.

Die vergangenen Wochenenden seien wegen des tollen Wetters und den eingeschränkten Ausflugsmöglichkeiten extrem gewesen. «Der Parkplatz an der Engstringerbrücke war meist gerammelt voll», sagt Wirth. Die Gemeindearbeiter würden den liegengelassenen Abfall von den Wochenenden jeweils am Montag entfernen. «An Wochenenden können wir unsere Gemeindeangestellten nicht zusätzlich aufbieten, um verantwortungslos liegengelassenen Abfall zu entsorgen», sagt Wirth.

Und wie sieht es mit grösseren Kübeln aus, damit diese nicht so schnell voll sind und mehr Müll im Kübel statt daneben landen würde? «Das würde nur den Abfalltourismus fördern», entgegnet Wirth. Auf dem Kiesplatz an der Chlosterstrasse sei genau dies passiert. Nachdem die Gemeinde zwischenzeitlich einen grossen Container aufstellte, sei dort einfach viel mehr Müll – auch normaler Haushaltsabfall – entsorgt worden und immer noch ähnlich viel neben dem Eimer gelandet.

Alle Gemeinden an der Limmat betroffen

Für Wirth ist der viele liegengelassene Abfall vor allem ein Problem der zunehmenden gesellschaftlichen Individualisierung und fehlender Solidarität. «Leider denken zu viele Menschen, dass sie ihren Abfall einfach überall liegen lassen können und sich dann schon jemand darum kümmert», sagt der Gemeindepräsident. Deshalb appelliert er an die Selbstverantwortung der Einzelnen. Zudem gibt er zu Bedenken, dass Littering nicht an der Gemeindegrenze halt mache, sondern generell in den Erholungsbieten entlang der Limmat und am Waldrand ein verbreitetes Problem sei.

Deshalb möchte Wirth im Rahmen der Regionalen Projektschau Limmattal (kurz: Regionale 2025), welche die Identität und Bekanntheit des Limmattals mit kreativen Projekten stärken will, selbst ein Projekt einbringen. Dazu sagt er: «Es braucht eine Zusammenarbeit aller Limmatgemeinden, um den Erholungsraum an der Limmat besser sauber halten zu können.»

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