Alles begann 2010 in einem alten Kuhstall in Urdorf. Metallbauer Martin Hoppler hatte darin seine Werkstatt eingerichtet, als er sich um einen Ausführungsauftrag für eine Skulptur des weltbekannten Pop-Art-Künstlers Olaf Breuning für das «Baur au Lac» in Zürich bewarb. Hopplers Umsetzungsvorschlag überzeugte den gebürtigen Schaffhauser, der vor 13 Jahren nach New York übergesiedelt ist, und so erhielt er den Zuschlag. Seither arbeitete der Schlieremer immer wieder für Breuning; seine Arbeiten führten ihn nach Paris und vergangenes Jahr sogar nach Toronto. Der Weg dorthin war von Euphorie, Rückschlägen und viel Arbeit geprägt.

«Ursprünglich sollte in Toronto eine Achterbahn-Skulptur mit dem Titel ‹Life is a Rollercoaster› entstehen», weiss Hoppler. Bei der Montage zweier Skulpturen in Paris vor drei Jahren sprach der Künstler mit dem Kunsthandwerker erstmals über den Wettbewerb, den die Stadt Toronto für ein Kunstprojekt ausgeschrieben hatte.

Auf den Sieg folgte Ernüchterung

Nach ihrer Rückkehr aus Frankreich machten sich die beiden daran, ein Modell nach Breunings Vorstellungen zu bauen. Drei Monate später flog der Künstler nach Kanada, um seine Arbeit zu präsentieren. Er selbst rechnete sich kaum Chancen aus, den Wettbewerb zu gewinnen. Und dies, obwohl er seine Fotografien, Installationen und Skulpturen bereits in allen grossen Galerien und Museen der Welt ausstellen konnte.

Doch dann klingelte eines Nachts bei Hoppler das Telefon: Sie hatten den Auftrag. «Die Freude war für beide riesig», sagt er. Doch bald folgte die Ernüchterung: Die Wettbewerbskommission teilte Breuning mit, dass seine Achterbahn wegen ihrer Höhe von 12 Metern nicht umgesetzt werden könne. Kurzerhand entwarf er mit den «Guardians» – den Wächtern – ein neues Projekt mit fünf Figuren, die an Steinmännchen in den Bergen erinnern.

Die Skizze schickte er umgehend an Hoppler, der sich in der Folge überlegte, wie er die Skulpturen möglichst elegant umsetzen könnte. «Für mich war klar, dass an diesen Figuren keine einzige Schraube sichtbar sein soll», sagt er. Im Schlieremer Gasi-Areal, wo Hoppler in der Zwischenzeit seine Firma Metall & Holz GmbH eingerichtet hatte, begann der Metallbauer, zu tüfteln und 3-D-Modelle zu entwickeln. «Ich arbeitete nächtelang und glich die Pläne immer wieder mit Olaf ab, um seiner Vorstellung möglichst gerecht zu werden», sagt der Metallbauer. Allein die Planungsarbeit dauerte rund 1000 Stunden.

Darauf folgte die Produktionsarbeit in der Werkstatt. Aus rund 10 000 Einzelteilen, 1,5 Tonnen Aluminium und 4,5 Tonnen Stahl fertigte Hoppler mit fünf Mitarbeitern zunächst die Innenkonstruktion und anschliessend die Skulpturen an. Vergangenen August wurden die fertigen Metallkörper von Schlieren über Antwerpen und Montreal nach Toronto verschifft. Darauf folgte die Montage in Übersee. Zusammen mit seinen Brüdern Adrian und Stefan sowie einem befreundeten Metallbauer stülpte der Schlieremer die Aussenhüllen aus Aluminium in Präzisionsarbeit über die Stahlträger. Dann endlich stand das Werk.

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Metallbauer

3000 E-Mails geschrieben

Alle Beteiligten waren mit dem Ergebnis hochzufrieden, wie Hoppler sagt. Das Nervenaufreibende am Projekt seien aber nicht der Transport und die Montage der Skulpturen gewesen, sondern der Spiessrutenlauf durch die kanadischen Behörden. «Um alle Rechtsfragen zu klären, schrieb ich über 3000 E-Mails», so Hoppler. Während des zweieinhalbwöchigen Aufenthalts in Toronto habe sein Team aber dafür eine unglaubliche Gastfreundschaft erfahren.

Mit Breuning entwickelte sich im Verlauf der jahrelangen Zusammenarbeit gar ein freundschaftliches Verhältnis. «Olaf bittet mich auch bei Projekten, die nicht ich für ihn umsetze, um Rat», so Hoppler. Und das Projekt in Toronto dürfte nicht das letzte gewesen sein, das er für den Pop-Art-Künstler realisiert: Breuning wird an der nächsten Art Basel ausstellen.

«Ich hoffe, dass die Kuratoren auf seine Metallskulpturen setzen. Dann wäre ich wohl wieder mit von der Partie», sagt Hoppler. Doch ist es nicht frustrierend, wenn man Tausende Stunden Arbeit in die Umsetzung eines Kunstobjekts steckt und am Ende nur der Name des Künstlers daruntersteht? «Überhaupt nicht», sagt der Schlieremer, «für mich ist es eine Riesenehre, für einen Künstler dieses Formats zu arbeiten. Ich sehe mich als seine ausführende rechte Hand.»