Sechs Meter hoch, eine Tonne schwer und ganz aus Chromstahl gefertigt – die Plastik «Joy» wird das Zeug dazu haben, alle Blicke auf sich zu ziehen. Wenn die Probleme beseitigt sind, die ihrer Verwirklichung noch im Weg stehen, wird sie in zwei Jahren als Attraktion auf dem Dietiker Rapidplatz ihren Standort gefunden haben.

Bei dem Kunstwerk handelt es sich um ein Werk des 2006 verstorbenen Dietiker Künstlers Josef Staub, nach dem im Limmatfeld bereits eine Strasse benannt ist. Der in Baar im Kanton Zug geborene Maler und Bildhauer hatte in den 1960er Jahren Dietikon zu seiner Wahlheimat erkoren. Der gelernte Maurer und Bauführer konstruierte ab den 1970er Jahren die ersten für ihn typischen, geometrisch-abstrakten Figuren aus geschliffenem und poliertem Stahlblech. Eine davon ist die «Joy». Das Projekt befindet sich zwar noch in der Vorbereitungsphase; speziell die Finanzierung sowie die Platzierung sind noch ungeklärt. Dennoch sind die Planungen bereits in einem interessanten Stadium.

Die Geburtshelfer

Die Urheber der Idee, den Rapidplatz mit der Staub-Plastik aufzuwerten, sind Stadtpräsident Otto Müller zusammen mit dem Stadtrat, der Sohn des Künstlers, Fredi Staub, und Jörg Bracher, der in Dietikon eine Kunstschlosserei betreibt. In seinem Betrieb entstanden alle Staub-Plastiken aus Chromstahl: etwa 850 verschiedene Werke. Sie befinden sich in öffentlichem Besitz und in Privatsammlungen im In- und Ausland. «Josef Staub und ich haben 40 Jahre lang zusammengearbeitet», so Bracher. Auch die Fertigung der kleinen «Joy» mit 45 Zentimetern Höhe hat Staub 1998 bei Bracher in Auftrag gegeben. 2500 Franken hat sie gekostet.

«Irgendwann vor ein paar Jahren meinte ich zu Otto Müller, wenn es schon eine Josef-Staub-Strasse gibt, sollte es doch in deren Nähe auch eine Plastik geben», erinnert sich Bracher. Bisher gibt es in Staubs Heimatstadt Dietikon lediglich eine öffentlich aufgestellte Plastik aus Chromstahl. Die «Frido» auf dem Gemeinschaftsgrab des Friedhofs, war eine Auftragsarbeit der Stadt, als noch Hans Bohnenblust Stadtpräsident war. Dieser Standort regte Staubs Sohn Fredi an, auch an Müller heranzutreten. «Ich bin der Ansicht, dass es doch schön wäre, wenn auch in der Stadt der Lebenden, der Akropolis, ein Werk meines Vaters stehen würde und nicht nur in der Stadt der Toten, der Nekropolis», meinte der offensichtlich humanistisch gebildete Fredi Staub, der das Werk seines Vaters verwaltet.

Das Kunstwerk

Otto Müller musste nicht überredet werden – im Gegenteil. Schon 2012 dachte er in seiner Ansprache anlässlich der Eröffnung des Rapidplatzes laut über die künstlerische Aufwertung des Platzes nach, eine Idee, die laut Esther Pioppini, der Medienbeauftragten der Stadt, auch vom Stadtrat getragen wurde. Bei einem Besuch in Staubs altem Dietiker Atelier im Jahr 2014 liess Müller sich von Fredi Staub verschiedene mögliche Modelle zeigen. Staub: «Nicht alle sind in der Grösse technisch realisierbar und mit vernünftigem Aufwand herzustellen.» «Joy» fand spontan den Gefallen von Müller. «Sie hat viel positive Energie und Dynamik», so Staub. Kein Wunder, kann man doch mit etwas Fantasie in den zwei aufstrebenden Flächen auch zwei sich aufschwingende Flügel sehen.

Bevor die Plastik gefertigt werden kann, muss ein sogenanntes Zwischenmodell erstellt werden, zwei Meter gross und im Idealfall auch bereits aus Chromstahl. Je nach technischer Realisierung wird es 6300 bis 12 800 Franken kosten. Erst anhand dieses Modells können wichtige Fertigungsfragen geklärt werden. «Es würde sich wunderbar eignen, um beim Stadtfest 2018 auf den Rapidplatz gestellt zu werden, damit die Leute schon einmal einen Eindruck erhalten», so Bracher. Und später würde sich bestimmt ein passender Ort in der Stadt finden. Ursprünglich war geplant, die Grossplastik zum Fest fertig zu haben; dieser Termin ist allerdings nicht mehr zu schaffen.

Der Standort

Derzeit favorisiert: Etwas westlich des Rondells, das sich in der Nähe vom Migros befindet. Eine mittige Platzierung auf dem Rapidplatz kommt aus technischen wie ästhetischen Gründen wohl nicht infrage, und eine Platzierung etwa auf Höhe von Lidl ist keine Option, weil sich dieser Teil des Platzes noch immer nicht im Besitz der Stadt befindet.

Die Kosten

Die Plastik selbst wird um einiges teurer als das Zwischenmodell. Bracher rechnet mit Kosten bis zu 250 000 Franken, die teils von der Stadt, teils von Sponsoren getragen werden sollen. «Ob das Projekt realisiert werden kann, hängt auch davon ab, ob noch Sponsoringpartner gefunden werden», so Pioppini. Der Künstlersohn Staub will nach eigener Aussage nichts an dem Projekt verdienen. Ihm sei lediglich wichtig, dass auch in Dietikon eine Grossplastik seines Vaters aufgestellt werde. «Sie soll keine Dekoration, keine ‹Aufhübschung› sein. ‹Joy› soll dem Rapidplatz eine Seele einhauchen, ihn beleben und eine Identität schaffen.»