Dietikon
Eine Ode an die Kindheit: gelungener Kurzfilm in der Theateria

Heute Sonntag wird in der Theateria in Dietikon erneut der Kurzfilm «L’enfance est morte – es lebe das Kind» gezeigt. Am Freitag fand die Premiere statt - ein geschichtsträchtiges Ereginis.

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Coco vergisst später, dass er ein Clown werden wollte.

Coco vergisst später, dass er ein Clown werden wollte.

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Bereits 18 Theater-Aufführungen in 18 Jahren studierten Stefan Baier und Heidi Christen in der Theateria ein, an ein Filmprojekt aber wagten sie sich, zusammen mit dem Filmemacher Marcos Ramirez, dieses Jahr zum ersten Mal. Seit Frühling haben die drei daran gearbeitet und im Sommer kamen die Schauspielerinnen und Schauspieler
dazu – Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren.

«Wir wollen sein ein einig Volk von Kindern», so die Kernaussage von «L'enfance est morte - es lebe das Kind.»

«Wir wollen sein ein einig Volk von Kindern», so die Kernaussage von «L'enfance est morte - es lebe das Kind.»

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Im Gespräch mit Stefan Baier kommen die Unterschiede zwischen Theaterund Filmproduktion zum Vorschein: «Die Herausforderung bestand in der völlig unterschiedlichen Arbeitsweise bei Filmprojekten. Die Kinder waren zum Teil noch zu klein, um ihnen ein Verständnis für die Arbeitsweise bei Filmproduktionen zu vermitteln, deswegen
wurden viele Szenen mit den Kindern als Theaterszenen einstudiert, die im Nachhinein filmisch zusammengeschnitten wurden.»

Ein spannendes Experiment und eine grosse Herausforderung, sowohl für die Kinder als auch für die Filmproduzenten. Am Freitag war es endlich so weit, der Film mit dem Titel «L’enfance est morte – es lebe das Kind» war fertiggestellt und wurde zum ersten Mal gezeigt.

Vorher präsentierte das Trio Baier, Christen, Lutz einige Geschichten und Lieder, passend zum Thema Kindheit und Wahrheiten. Es fing alles ganz harmlos an mit im Thunersee versenkten Autoschlüsseln, heldenhaft motivierten Ausrutschern in den «Stinkibach» und Frau Hugentobler, die Klein Heidi zur Blumenmörderin machte. Jede Geschichte mit einem Schwur versehen, damit auch alle sicher sein konnten, dass man bei der Wahrheit blieb.

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Dann wurde es immer fantasievoller und glorioser, Stefan Baier erzählte von zufälligen Mondlandungen, mysteriösen Haifischbezwingungen und glücklichen Schatzkistenfunden – es wurde schnell klar, dass auf diese Geschichten niemand mehr einen Wahrheitseid leistenwürde.

Die Lieder handelten von Nasen, die länger werden, von Lügen, die kurze Beine haben, manchmal aber auch von Fröschen, Igeln und Haifischen, die in einer WG im Kreis 4 von Zürich wohnen und ein furchtbares Durcheinander veranstalten.

So etwas geht schneller, als man denkt. Den Kindern konnte es aber irgendwann gar nicht mehr schnell genug gehen, sie fingen schon an, auf ihren Hosenböden rumzurutschen und ihre Köpfe zusammenzustecken, als der erste Teil des Programms langsam sein Ende nahm. Es wurde Zeit für den zweiten Teil.

Als der Film begann, sassen alle ganz gebannt auf ihren Stühlen. Und schon nach einigen Minuten erschloss sich einem die Brücke zwischen dem ersten Teil des Abends und dem Film: Die Kinder auf der Leinwand legen einen Schwur ab, sie wollen «sein ein einig Volk von Kindern» und sie schwören sich gegenseitig, Kinder zu bleiben.

Die Kinder und Jugendlichen, die mitspielten, waren zwischen 5 und 18 Jahren alt

Die Kinder und Jugendlichen, die mitspielten, waren zwischen 5 und 18 Jahren alt

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Ein Schwur so gewichtig wie der Rütlischwur, so scheint es. Coco, die Hauptfigur im Film, wird immer wieder von den Kindern dazu angehalten, sich seiner Kindheit zu erinnern, doch er ist unbelehrbar. Er tritt ein in die Welt der Erwachsenen und vergisst seine Träume. Daraufhin wird er des Verrats gegen die Kindheit angeklagt. Wir wissen, wie es ausgeht: Coco erinnert sich an seine Träume, an seinen Schwur und wird doch noch Clown. Er macht, was ihn glücklich macht, und am Schluss erhält
er dafür die Anerkennung von seinem schärfsten Kritiker – seinem Vater.

Die Mitwirkenden waren sichtlich stolz auf ihr Werk – und das zu Recht. Der Film ist eine Ode an die Kindheit und ein Versprechen aller Erwachsenen sich selbst gegenüber, das Kind in sich niemals zu vergessen.

Der Kurzfilm wird heute Sonntag um 11 und um 17 Uhr in der Theateria in Dietikon gezeigt.