Urdorf
Eine Ode an den Cervelat: Bildungsdirektorin Silvia Steiner stellte die Wurst ins Zentrum ihrer 1.-August-Rede

Fleischbohne, Klöpfer, Stumpen oder Kotelett des kleinen Mannes: An der Bundesfeier in Urdorf sprach die Regierungsrätin Sivila Steiner (CVP) über die Schweizer Wurst.

Sibylle Egloff
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Hoher Gast: An der Bundesfeier in Urdorf sprach Regierungsrätin Silvia Steiner über Schweizer Werte.

Hoher Gast: An der Bundesfeier in Urdorf sprach Regierungsrätin Silvia Steiner über Schweizer Werte.

Limmattaler Zeitung

Raclette-Geruch, Fackelspiess balancierende Kinder und Klänge der Harmonie Urdorf. Die Urdorferinnen und Urdorfer feierten den Nationalfeiertag traditionell auf dem Embri-Areal. Während die meisten umliegenden Gemeinden auf lokale Politiker als Festredner setzten, schaffte es Urdorf, eine weit über die Region hinaus bekannte Persönlichkeit zu verpflichten. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) hielt die 1.-August-Rede. Und auch wenn es für die 60-jährige Regierungsrätin nicht die einzige Ansprache an diesem Tag war – sie sprach zuvor bereits als Festrednerin in Meilen und gleich im Anschluss in Oberrieden – freute sie sich, in Urdorf zu sein. «Herzlichen Dank für die Einladung an diesen wunderbaren Ort. Ich komme gerne ins Limmattal. Es ist eine aufstrebende Region.»

Kotelett des kleinen Mannes

Die Bildungsdirektorin verblüffte mit ihrer Rede die versammelte Menge auf dem Festplatz. Sie sprach nicht etwa vom Rütlischwur oder von Wilhelm Tell, nein, sie machte den Cervelat zum Protagonisten ihres Vortrags. Dabei setzte sie die Wurst gleich mit den typischen Schweizer Werten Freiheit, Bescheidenheit und Traditionsbewusstsein. «Mit dem Cervelat verbinden viele von uns ein Stück Freiheit. Jede und jeder von uns kann ihn essen, wie er will.» Regional heisse er überall etwas anders. Fleischbohne, Klöpfer, Stumpen oder Kotelett des kleinen Mannes. «Schon die Namen sind Ausdruck einer föderalistischen Lebensform.» So bodenständig die Schweizer seien, so einfach sei auch die Zusammensetzung der National-Wurst. «Rindfleisch, eventuell ein bisschen Schweinefleisch, Eiswasser und Gewürze. Mehr braucht es nicht für einen Cervelat», sagte Steiner. Der Cervelat vereinige aber auch Tradition und Offenheit. Steiner verwies auf den Darm der Wurst, der vom brasilianischen Zeburind stammt.

Trotz kulinarischem Exkurs schaffte es die Politikerin, ihr Kernthema anzuschneiden: die Bildung. Nicht nur Dinge wie der Cervelat würden das Gefühl von Heimat vermitteln und die Schweizer miteinander verbinden. Es seien viel mehr die Erlebnisse. «Das wichtigste Erlebnis meiner Meinung nach ist der erste Schultag.» Die Schule trage viel zu dem bei, was man als typisch schweizerisch empfinde. Die Volksschule leiste viel, um die Gesellschaft zusammenzuhalten. «Darum müssen wir der Schule Sorge tragen», schlussfolgerte die Bildungsdirektorin.

Und zum Abschluss ihrer Ansprache kam sie wieder auf die Wurst zu sprechen. «Wenn Sie das nächste Mal einen Cervelat essen, dann denken Sie an die Werte, die uns über die Jahre so erfolgreich gemacht haben.» Bei der Vermittlung dieser Werte leiste das Bildungssystem einen wichtigen Beitrag. «Ich habe irgendwo gelesen, dass eine 1.-August-Rede nicht länger dauern sollte, als man genüsslich einen Cervelat essen kann.» Daher komme sie nun zu einem Ende und wünsche allen einen herzhaften Biss in den nächsten Cervelat. Den Vegetariern, die bei ihrer wurstlastigen Rede zu kurz gekommen seien, versprach sie: «Nächstes Jahr spreche ich über Blumenkohl!»