In der 5. Klasse in Schlieren war ich mit einem etwas korpulenteren Spanier gut befreundet. Er wohnte in der Nähe vom Vitis Sport Center, das ich selbst nicht kannte. Eines Tages schlug er vor, dort squashen zu gehen. Am Mittwochnachmittag konnte man für 5 Franken Squash spielen, Racket und Bälle inbegriffen, in der Pause gab es gratis Eistee.

Ich hatte das Gefühl, ich würde ihn locker schlagen. Er war allerdings technisch und taktisch so gut, dass ich verlor. Das war für mich völlig unverständlich: Ich, der super Fussballer vom FC Altstetten, körperlich zwäg, hatte keine Chance gegen einen wie ihn.

Wir gingen in der Folge immer wieder squashen. Mit der SBG-Silberkarte konnte man sogar für nur 2 Franken spielen. Manchmal fehlten mir die – aber ich wollte unbedingt spielen gehen. Weil meine Mutter am Mittwochnachmittag arbeitete, konnte ich sie nicht nach dem Geld fragen. Aber ich wusste, dass sie in einer Manteltasche jeweils einen Zweifränkler für den Einkaufswagen der Migros hatte. Ich durchsuchte die Taschen, und wenn ich ihn fand, war das der grösste Moment für mich.

Dank meinem Vater, der Schweizer Meister im Landhockey war, hatte ich ein gutes Handling mit Schlägern und Rackets. Es dauerte nicht lang, bis ich gegen den Spanier gewann. Wichtiger für mein Leben ist aber die Niederlage im allerersten Spiel, als Ursprung von so vielem. Ich lernte, dass man mit Köpfchen etwas erreichen kann. Und ich lernte viele Freunde kennen, darunter unseren Trauzeugen und Götti eines unserer beiden Söhne. Letztlich lässt sich fast mein ganzes näheres Umfeld, das sich teilweise seit 25 Jahren hält, irgendwie auf dieses verlorene Spiel damals zurückführen. Ich gewann Freunde fürs Leben dank dem Spiel des Lebens.

Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr