«S’ chlinä Gruseli» sei ein Singspiel und kein Musical, sagt Simone Gysel. Von einem Musical erwarte man nämlich, dass es «hip und cool» sei, so die Juristin aus Uitikon, die heute in Zürich lebt. Und das sei ihr Singspiel nicht: «Dazu hätte ich mich verbiegen müssen.» Vielmehr sei es ein Märchen, ein bodenständiges und urtümliches. Die Musik dazu sei eher klassisch.

Seit vielen Jahren schreibt die 43-Jährige Kindergeschichten. Mit dem Stück «S’ chlinä Gruseli» kommt es zum ersten Mal zur Aufführung eines von ihr komponierten Stücks vor grossem Publikum.

«Mobbing beschäftigt Kinder»

Die eigentliche Geschichte des Singspiels hat Gysel vor rund neun Jahren für ihren Neffen geschrieben, der damals sechs Jahre alt war. Die Geschichte der Grusel aus dem Gruselwald, die mit ihren grünen Haaren und den roten Augen gerne Menschen erschrecken, spielt in einem Fantasiedorf. Im Mittelpunkt des Singspiels steht das kleine Gruseli, das von den anderen Gruseln sowie den Gruselkindern gehänselt und ausgeschlossen wird, weil es anders aussieht und sich anders benimmt als die anderen.

«Mobbing ist ein Thema, mit dem Kinder immer wieder konfrontiert werden und das sie beschäftigt», sagt Gysel. «Das Singspiel zeigt, dass es oft schief herauskommt, wenn man es den anderen immer nur recht machen will.»

Ein Stück für Gross und Klein

Durch die Kostüme, das Bühnenbild und die Musik ziehe die Geschichte in ihren Bann und verzaubere damit vor allem Kinder. Für die Erwachsenen seien die Themen Beziehung und Erziehung interessant, die im Stück aufgegriffen werden, so Gysel. Am Beispiel der beiden Figuren Fresshexe und Dumpfdödel wird ein ungleiches Paar in die Geschichte eingeführt. Der Dumpfdödel ist seiner Frau unterworfen und lässt sich sogar von ihr schlagen. Wie sehr er sich von der Fresshexe herumkommandieren lässt, wird im Verlaufe des Singspiels klar.

Für Gysel ist zudem das Thema, inneren Impulsen zu folgen und nicht immer alles im Leben kontrollieren zu wollen, wichtig. «Des Weiteren können sich Eltern fragen: Wie sehr beschütze ich mein Kind, wie soll ich mich als Elternteil verhalten?», so Gysel. Denn das kleine Gruseli wird von seiner Mutter überbehütet, womit sie seiner Entwicklung im Weg steht.

Gysel ist für die gesamte Organisation des Singspiels zuständig und bildet die Schnittstelle zwischen der Regie und der Musik. Sei es ein Requisit, das ausgetauscht werden muss oder eine ganze Liedpassage, die einen neuen Text erhält – Gysel springt überall ein.

Profitieren kann die Komponistin dabei von ihrer langjährigen musikalischen Erfahrung. Sie hat Cello studiert, trat während etlicher Jahre in einer A-cappella-Gruppe auf und spielt Klavier. «Ich habe einen breiten musikalischen Erfahrungshintergrund», sagt sie. Das vereine sich mit ihrem Interesse an Kindern. Momentan absolviert sie eine einjährige musisch-pädagogische Ausbildung.

«Geschichte geht unter die Haut»

Das zweistündige Singspiel, das von Kindern ab fünf Jahren in Begleitung von Erwachsenen besucht werden kann, besteht zu gut zwei Dritteln aus Musik. 20 Kinder aus verschiedenen Chören und elf Erwachsene werden von einem kleinen Orchester begleitet.

Obwohl das Singspiel einen enormen Aufwand bedeute, könne sie sich vorstellen, noch weiter in diese Richtung zu gehen und weniger als Juristin tätig zu sein. Wichtig ist Gysel dabei, dass alle Beteiligten Spass an der Sache haben. «Ich wollte dieses Stück nicht schreiben, damit es gut ankommt», sagt sie. Entweder es gefalle oder es gefalle nicht. Die Zuschauer erwarte aber ein Märchen, dessen Geschichte und Musik unter die Haut gehen.

Das Singspiel «S’chlinä Gruseli» wird am Sonntag, den 18. November, um 15 Uhr im Üdiker-Huus in Uitikon aufgeführt. Weitere Aufführungen finden am 23. November und 25. November in Zürich statt. Der Eintritt ist frei.