Dietikon
Eine Jungschützin und ein Veteran geben einen Einblick in die Welt des Schiesssports

Für Stadtpräsident Otto Müller hat der vor 150 Jahren gegründete Schiessverein stets eine wichtige Rolle im Vereinsleben der Stadt gespielt. Ein Veteran und eine Jungschützin erzählen, anlässlich der Jubiläumsfeier, was ihnen der Verein bedeutet.

David Hunziker
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Der Titelverteidiger von der Zunft Meise gewann das Stechen erneut – diesmal allerdings per Losentscheid.

Der Titelverteidiger von der Zunft Meise gewann das Stechen erneut – diesmal allerdings per Losentscheid.

David Hunziker

Der Veteran: Viktor Keller blickt auf eine 57-jährige Karriere als Schütze zurück

Viktor Keller war immer ein guter Schütze. Er erinnert sich noch genau ans Eidgenössische Schützenfest von Thun im Jahr 1969, als er den fünffachen Kranz holte - die bestmögliche Auszeichnung.

Immer wieder war er an Wettkämpfen in dieser Zeit unter den besten platziert. «Mit der Zeit liess dann das Augenlicht nach», erzählt der heute 79-jährige. Weil er auf einem Auge mittlerweile fast nichts mehr sieht, lässt Keller das Gewehr seit drei Jahren ruhen. «Die Motivation wäre auch nicht mehr da, denn viele meiner früheren Kollegen sind mittlerweile gestorben.»

Keller ist in Bergdietikon aufgewachsen und lebte in Spreitenbach, als er 1960 dem Schiessverein Dietikon beitrat. Das Schiesswesen sah damals noch ganz anders aus. «Nur ganz wenige hatten ein Auto», erzählt Keller.

«Für Wettkämpfe in der Nähe mussten wir also zu Fuss gehen. Wir haben unser Gewehr geschultert, eine kleine Tasche umgehängt und für einen Wettkampf zum Beispiel einen zweieinhalbstündigen Fussmarsch über den Heitersberg nach Remetschwil unter die Füsse genommen.»

Bis 2009 gab es in Dietikon einen weiteren Schiessverein, die Standschützengesellschaft Dietikon. «Diese galt damals als Verein für die ‚Mehrbesseren’», erzählt Keller. Als Arbeiter - Keller war viele Jahre lang als Materialkontrolleur in einem Industriebetrieb tätig - war es für ihn klar, dem Schiessverein Dietikon beizutreten, dem traditionellerweise die Arbeiter angehörten.

Die Faszination fürs Schiessen hat für Keller nichts mit dem Militär zu tun. «Mir ging es um die Kameradschaft, darum, mich mit anderen in einem Wettkampf zu messen, aber auch um die technischen Aspekte des Schiessens», sagt er.

Sein Gewehr hat Keller nie als Waffe angeschaut, eher als Sportgerät. Daher konnte er sich mit dem Militärdienst nur teilweise anfreunden. «Wenn wir an einem 300-Meter-Stand auf Scheiben geschossen haben, hat mir das gefallen. Übungen im Feld draussen haben mich dagegen nie interessiert.»

Auch wenn er nicht mehr schiessen kann, pflegt Keller die Kameradschaft im Verein weiter. Dass er weiterhin mithilft, ist für ihn selbstverständlich. Wenn im Schützenhaus Reppischtal ein Obligatorisches Schiessen stattfindet, steht er daher ab und zu noch als Standchef im Einsatz.
Die Jungschützin: Seit vier Jahren ist Schiessen für Doris Auerswald das ideale Hobby

Mit dem Schiesssport anzufangen war für Doris Auerswald eher eine spontane Entscheidung. «Ich und mein Freund haben ein Hobby gesucht, das wir zusammen betreiben können», erzählt die 24-Jährige.

Beide hätten sie zuvor schon ein Gewehr in der Hand gehabt - sie am Knabenschiessen, er im Militär - doch naheliegend sei die Wahl nicht gewesen. «Infrage kam auch eine Guggenmusik, aber das Schiessen hat uns sofort Spass gemacht und man ist ausserdem relativ frei, wie viele Schiesstage man absolviert.»

Dennoch lässt Auerswald nur wenige Zielscheiben aus. Dieses Jahr hat sie erst einen oder zwei Schiesstag ausgelassen - «das hat aber nie damit zu tun, dass ich keine Lust hätte», fügt sie lachend an. Auch im Verein engagiert sie sich. Mittlerweile hat sie etwa einen Schützenmeisterkurs absolviert, der sie dazu berechtigt, Eingangskontrollen im Schützenhaus durchzuführen.

Mitglied im Schiessverein Dietikon ist Auerswald seit vier Jahren - und ihre Begeisterung für den Schiesssport ist ungebrochen. «Nach einem Schiesstag kann ich mit meinem Freund noch tagelang über kleinste Details diskutieren», erzählt sie, «das Thema ist bei uns allgegenwärtig.»

Es sei einerseits die unglaubliche Präzision beim Schiessen, die sie fasziniere: «dieses kleine Projektil über 300 Meter so genau auf dieser kleinen Scheibe zu platzieren.»
Andererseits sei Schiessen auch ein sehr sozialer Sport, betont Auerswald: «An einem Schiesstag verbringe ich vielleicht acht Minuten alleine am Schiessstand - davor und danach bleibt dann viel Zeit für die Gemeinschaft, die in unserem Verein sehr wichtig ist.»

Wenn Auerswald einmal nicht schiessen kann, weil ihr etwa die Schulter schmerzt, kommt sie daher dennoch ins Schützenhaus. «Ich habe hier viele Freunde getroffen, die ich auch ausserhalb des Vereins viel sehe», sagt sie.

Die meisten Mitglieder des Schützenvereins sind ältere Herren. Das macht Auerswald aber nichts aus. «Ich bin es gewohnt, mich an Orten zu bewegen, wo vor allem Männer sind - ich habe ja auch Metallbauerin gelernt.» Wenn man beobachtet, wie locker und ungezwungen der Umgang der Generationen hier ist, glaubt man ihr das sofort.