Der Vorstand beschloss daher, etwas Herausforderndes zu unternehmen.

Weil wir nach dem Rekognoszieren wussten, dass es wild werden würde, brachten wir Halterungen am Bootsboden an, damit wir nicht herausfallen. Neben den Schwimmwesten organisierten wir Eishockeyhelme zu unserem Schutz. Als wir im Engadin ankamen, erschraken wir dennoch – der Fluss führte dermassen viel Wasser. Eine Woche vorher war da ein Hochwasser durchgegangen, das Wasser war viel höher als gedacht. Es gab zwei Stellen, die wirklich heikel waren. Ein Reiseanbieter, der auf solche Trips spezialisiert war, bot keine Fahrten mehr an, es war ihm zu riskant.

Wir liessen zum Test eines von drei Booten starten. Es kam sehr gut durch die Wasserhaufen, obwohl man manchmal fast nichts mehr von Boot und Besatzung sah. Wir entschieden uns danach, alle Boote mit total 27 Mann einzusetzen.

Die erste Nacht verbrachten wir in einer Pension. Dort fragte uns eine Frau, wie wir dahingekommen waren. Wir erklärten ihr, dass wir den Inn heruntergefahren waren. Sie war schockiert und flehte uns an, nicht mehr weiterzufahren. Am nächsten Tag standen ihr die Haare zu Berge, als wir die Reise fortsetzten.

Du musst ein gutes Team sein, um das Boot zu steuern. Ein Steuermann muss das Kommando geben, die Mannschaft muss je nach gewünschter Richtung links oder rechts ziehen. Und wenn ein paar hundert Kilo Wasser im Boot sind, wird es extrem schwer. Mit paddelnden Schülern wäre man schlichtweg verloren. Es gab Stellen, die waren extrem. Einmal fuhren wir geradewegs auf eine Felswand zu. Wenige Meter vor dem Aufprall riss uns die Strömung gerade noch im rechten Winkel weg.

Zwei, drei Leute stiegen während der Reise aus, was verständlich war. Bis auf einen Ruderbruch bei einem Boot passierte glücklicherweise nichts. Aus heutiger Sicht hätten wir auch Neoprenanzüge organisieren sollen, denn die Wassertemperatur lag auch im August nur etwa bei acht Grad. Da hätte man nicht lang im Wasser durchgehalten.

Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr