Dietikon
Eine Familie begräbt ihren Traum

Mit dem Dietiker Konzertlokal Sounddock 14 verschwindet eine mit Herzblut geführte kulturelle Institution. Es war eine schmerzhafte Entscheidung für die Crew vom Sounddock. Doch letztlich gab es keinen anderen Ausweg mehr.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Sounddock 14 – hier im April 2011 beim Die-Happy-Konzert – ist der einzige Live-Musikklub zwischen Zürich und Baden. ZVG

Das Sounddock 14 – hier im April 2011 beim Die-Happy-Konzert – ist der einzige Live-Musikklub zwischen Zürich und Baden. ZVG

Limmattaler Zeitung

Der Dietiker Livemusik-Klub Sounddock 14 wird Ende Juni 2012 endgültig seine Tore schliessen. Auch die lange, erfolglose Suche nach einem neuen Standort für das Konzertlokal ist sistiert worden. «Irgendwann hatten wir einfach keine Energie und Lust mehr, dauernd gegen eine Wand zu rennen», sagt Sarah Küng, die das Sounddock 14 gemeinsam mit ihrer Schwester Romina und den Eltern Jonas und Ruth Küng führt. Es sei «zu hoffnungslos» gewesen. «Jetzt ist es definitiv vorbei», sagt Romina Küng. «Ich habe damit abgeschlossen.» Es klingt wehmütig.

Doch so schwierig die Entscheidung auch war: Sie löst nicht nur Wehmut aus. «Irgendwie war es auch eine Erleichterung», sagt Sarah Küng. Denn die Ungewissheit sei zu einer grossen Belastung geworden.

Es begann mit einer Jam-Session unter Freunden

Kein Wunder. Denn bereits seit dem Sommer 2010 war die Zukunft des Konzertlokals unklar. Damals wurde der Familie Küng, die das Sounddock 14 vor sechs Jahren eröffnet und seither mit viel Herzblut zu einem professionell geführten Konzertlokal entwickelt hat, überraschend der Pachtvertrag gekündigt. Es war ein Schock für die Küngs, die in der Lagerhalle an der Limmatfeldstrasse tagsüber die Bauproduktefirma Burmak führten und abends das Sounddock 14. Was mit improvisierten Jam-Sessions unter Freunden angefangen hatte, entwickelte sich bald zu einem Konzertlokal, auf das Dietikon stolz sein konnte. Auf der Bühne standen nicht nur namhafte Schweizer Bands wie Polo Hofer, Krokus, Shakra, Stiller Has oder Adrian Stern, sondern auch internationale Grössen: Ten Years After, Dr. Feelgood, The Hooters oder Nazareth.

Dass der Standort an der Limmatfeldstrasse nicht für ewig war, das wussten die Küngs schon lange: Das um sie herum wachsende Quartier Limmatfeld würde das Sounddock 14 dereinst verdrängen. Doch waren sie stets davon ausgegangen, dass dies im Jahr 2016 der Fall sein würde. Die Kündigung per Herbst 2011 traf die Familie daher wie ein Blitz aus hellheiterem Himmel.

Danach folgte eine Zeit, die von Hoffnung, Chancen und Rückschlägen geprägt war. Monatelang legten sich die Küngs ins Zeug, um einen neuen Standort für ihr geliebtes Sounddock 14 zu finden. Doch vergeblich: Nichts fruchtete. «Jedes Mal, wenn eine Tür aufging, schlug sie kurz darauf auch wieder zu», sagt Romina Küng über diese Zeit. Für die Baufirma liess sich zwar ein neuer Standort in Bergdietikon finden, doch dieser war ungeeignet für die Zweitnutzung als Konzertlokal. Der Familie Küng wurde bald klar, dass der finanzielle Aufwand, um einen Livemusik-Klub ohne Unterstützung zu betreiben, ihre Möglichkeiten übersteigen wird.

Zu Spezialkonditionen eingemietet

So entstand schliesslich der Traum eines Kulturzentrums, den Jonas Küng mit viel Leidenschaft verfolgte. Nächtelang sei er damals wach gelegen, während sich die Ideen in seinem Kopf überschlugen, sagte er einst. Er hoffte auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt, wollte Dietikon zu einem Mekka der Live-Musik machen. In seiner Vorstellung sah er einen Raum, in dem gerockt wird, in dem man auch mal laut sein darf, in dem alle Platz haben: Ein Ort für «hemdsärmelige Kultur», vielleicht verbunden mit einem Jugendzentrum.

Doch auch dieser Traum ist unterdessen gestorben. Nachdem man sich ein halbes Jahr lang regelmässig mit Vertretern der Stadt getroffen habe, habe man einsehen müssen, dass man nicht die gleichen Vorstellungen von einer Zusammenarbeit habe, sagt Romina Küng. Die Stadt hätte sich pro Jahr für zehn Anlässe zu Spezialkonditionen im Sounddock 14 eingemietet. Aufwand- und Ertragsrechnung hätten aber gezeigt, dass dies das Lokal nicht unterstützt hätte, sagt Romina Küng. Ohne die Hilfe der Stadt könne man es sich jedoch nicht leisten, eine ganz Halle
zu mieten – abgesehen davon, dass sich auch kein Lokal finden liess. «Es fehlt an günstigem Kulturraum», so Sarah Küng.

«Das letzte Konzert wird sicher bitter werden»

Und obwohl das Sounddock 14 zwischenzeitlich eine Verlängerung bis Dezember 2012 bekommen hat, wird das Ende der soeben angelaufenen Saison im Juni 2012 den Schlusspunkt markieren. «Wir mussten einfach einen Entscheid treffen – für uns, aber auch für die Leute», sagt Sarah Küng. Nochmals eine Saison anzufangen, wäre zu viel Aufwand gewesen. Ausserdem brauche man Zeit, um das Inventar loszuwerden.

«Das letzte Konzert wird sicher bitter werden», sagt Sarah Küng. Doch daran wollen sie im Moment lieber noch nicht denken. «Jetzt wollen wir zuerst noch die letzte Saison geniessen», sagt Romina Küng. Wird es wirklich kein neues Projekt geben? Die beiden zögern, lächeln. «Grundsätzlich haben wir schon das Bedürfnis, wieder etwas zu machen», sagt Romina Küng: vielleicht «etwas Kleineres». Denn so ganz ohne Konzertlokal können sie sich ihr Leben kaum mehr vorstellen. Auch für Dietikon wäre ein Livemusik-Klub wichtig, sind die beiden überzeugt: «Wir hatten wirklich das Gefühl, wir haben etwas bewegt», sagt Romina Küng.