Oberengstringen
Eine «echte Engstringerin» entdeckte mit 35 Jahren die Malerei

Danièle Schleiss wurde in der Westschweiz geboren und wuchs bilingue auf. Sie war Mitglied der Gesundheits- und Sozialbehörde, wo sie als Lebensmittelinspektorin tätig war.

Margret Stöcklin
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Danièle Schleiss kommt ursprünglich aus der Westschweiz.

Danièle Schleiss kommt ursprünglich aus der Westschweiz.

Margret Stöcklin

Wir begegnen Danièle Schleiss auf der Vernissage von Künstlerin Elsbeth Hophan, bei welcher sie einst Malkurse besuchte, um die Aquarelltechnik zu erlernen.

Die seit 56 Jahren im Limmattal Wohnhafte erblickte am 4. April 1957 in Vevey das Licht der Welt. Ihre Eltern hatten sich an der «Fête de Vignerons» kennen- und lieben gelernt.

Vater Max war Gärtner und wurde in der Westschweiz nicht gerade fürstlich bezahlt, warum er sich entschloss, mit seiner Familie in die Deutschschweiz zu ziehen, wo sein Beruf besser dotiert war.

«Ich durfte in einer grossen Gärtnerei in Oberengstringen aufwachsen, wo es Hasen, Hühner und Katzen gab und wir Kinder wunderbar herumtoben und spielen konnten», erzählt Schleiss.

Sie hat zwei Schwestern und einen Bruder. Die 10 Jahre jüngere Schwester war das Nesthäkchen der Familie. «Wir alle haben es genossen, mal wieder nach Herzenslust zu ‹bäbele›», erinnert sie sich.

Nach ihrer Schulzeit begann sie eine Ausbildung als Betriebs-Assistentin bei der Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT), weil ihr Vater zu dieser Zeit als Pöstler arbeitete und eine Stelle bei der PTT damals als sicherer Wert galt.

Nach geglücktem Lehrabschluss blieb sie drei weitere Jahre bei der PTT und wechselte dann in die Versicherungsbranche, wo sie bis heute arbeitet. Schleiss: «Ich war bei verschiedenen Gesellschaften in unterschiedlichsten Jobs beschäftigt, wobei ich meine Tätigkeit als EDV-Koordinatorin am spannendsten fand. Dass ich bilingue aufgewachsen bin, kam mir überall zugute.»

Eine «echte Engstringerin»

Schleiss fühlt sich als «echte Engstringerin» und engagierte sich auch politisch und sozial in der Gemeinde. Während 12 Jahren war sie Mitglied der Gesundheitsbehörde, davon acht Jahre als Lebensmittelinspektorin sowie vier Jahre als Vorsteherin des Ressorts Abfall.

Schleiss: «Als die Sozialbehörde anfragte, ob ich mich als Beiständin zur Verfügung stellen wolle, musste ich nicht lange überlegen. Über mehrere Jahre hinweg habe ich ältere Damen betreut und mich hauptsächlich um das Finanzielle gekümmert, weil sie es selbst nicht mehr konnten. Jedes Mal, wenn ich eine von ihnen im Altersheim oder in der Pflege besuchte, wurde ich mit grosser Freude empfangen.

Das war für mich eine wunderbare Erfahrung».

Mit 35 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Malerei, wobei am Anfang ein Bild stand, dass sie kaufen wollte, jedoch zu teuer war. «Ich dachte, das kannst du auch!».

Also nahm sie erste Kurse. Vollends begeisterten sie jedoch die Bilder der Unterengstringer Malerin Elsbeth Hophan, die sie an einer Ausstellung sah.

Da diese Kurse anbot, meldete sich die 56-Jährige sofort an. Schleiss: «Bei ihr habe ich viel gelernt. Aquarellfarben gefallen mir und die Technik ist faszinierend. Ich liebe es, nass zu malen, und wurde immer wieder vom Resultat überrascht. Alle Bilder sind in meinem Kopf entstanden, wobei Stimmungen und Farben mich leiteten».

2004 stellte die Hobbykünstlerin ihre Werke in der Galerie vom Spital Limmattal erstmals öffentlich aus. 2011 präsentierte sie am gleichen Ort eine zweite Ausstellung mit Acrylbildern.

Privat hat sich in den letzten zwei Jahren bei Danièle Schleiss viel bewegt. Nach längerem Dasein als Single fand sie den Mann ihres Lebens und zog mit ihm zusammen.

Und weil sie im letzten Jahr ihren Vater verlor, kümmert sie sich seitdem vermehrt um ihre im gleichen Gebäude wohnhafte Mutter Juliette.

Schleiss: «Dafür kam die Kunst zu kurz. Ich denke jedoch, dass ich mich demnächst wieder mit der Aquarellmalerei auseinandersetzen werde.»