Dietikon
Eine Arbeitswoche im Märchenparadies

Acht Menschen in Langzeittherapie helfen Künstler Bruno Weber bei seinem Lebenswerk. Sie packen während einer Woche mit an, um den Künstler tatkräftig zu unterstützen.

Fabian Korn
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Sorgfältig füllen Nick B. (links) und Fabian F. die Fugen des Mosaiks fabian korn

Sorgfältig füllen Nick B. (links) und Fabian F. die Fugen des Mosaiks fabian korn

Limmattaler Zeitung

Betritt man den Skulpturenpark von Bruno Weber in Dietikon, öffnet sich einem eine Traumwelt aus Stein und Glas. Mitten in der Märchenwelt aber herrscht reges Treiben.

Während einer Woche packen acht Menschen mit an, um den Künstler und sein Team tatkräftig zu unterstützen. Das Besondere dabei: Die ehemals Drogensüchtigen befinden sich in einer Langzeittherapie in der therapeutischen Gemeinschaft Neuthal. Auch an diesem Tag wird hart gearbeitet, aber auch gemeinsam gelacht.

Ein 130 Meter langer Graben

Ging es vor zwei Jahren dem Flügelhund mit seinen 36 Beinen an Bauch und Kragen, wird dieses Jahr unter anderem viel und weit gegraben. «Über 130 Meter Kabelschacht haben wir verlegt. Vom Haus bis unter den Flügelhund», sagt Hansjürgen Freier, einer von drei Betreuern vor Ort.

Als gelernter Landschaftsgärtner wisse er, wie solche Arbeiten zu verrichten seien. Jedoch versuche er, seine Schützlinge möglichst selbstständig arbeiten zu lassen, so Freier. «Man kann niemanden motivieren», sagt er. Man könne lediglich ein Umfeld schaffen, in dem sie sich möglichst selber motivieren können.

Die Arbeit sei zwar hart, führe aber zu einem Erfolgserlebnis, wenn man am Ende sehe, was man alles geschafft habe, sagen Dominique B.* und Anita H.*, die sich im Zuge der Kabelverlegung quer durch den gepflasterten Vorplatz des Hauses gegraben haben. Anschliessend haben sie die Pflastersteine wieder einzeln eingesetzt. Es ist auch ein Vorgeschmack auf die Zukunft, denn Dominique B. beginnt bald eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin. «Besonders bei diesem Wetter ist es ein Traum, in solch einer Umgebung arbeiten zu können», sagt Anita H.

Eine künstlerische Arbeit

Doch nicht nur der Kabelschacht wird erfolgreich verlegt, auch die Mosaike in den Toiletten des Neubaus gilt es fertigzustellen. Nick B.* und Fabian F.* füllen mit viel Sorgfalt die Fugen des Mosaiks. Für Fabian F. gäbe es keine bessere Arbeit, wie er sagt. Denn so lerne er eine neue Art der Kunst kennen. Der Kunstbegeisterte möchte in baldiger Zukunft den gestalterischen Vorkurs besuchen.

Auch Nick B. verrichtet seine Arbeit mit grösster Sorgfalt, füllt erst die Fugen und wischt anschliessend das überschüssige Material fein säuberlich von den kunstvoll angeordneten Plattenstücken. Diese wurden zuvor von Mitarbeitern des Parks nach Plänen von Bruno Weber angeordnet. Kunst sei aber weniger die Richtung, in die er gehen möchte, meint Nick B. «Ich möchte einmal im sozialen Bereich tätig sein, am liebsten mit Kindern oder Jugendlichen», sagt er. Er habe in diesem Bereich bereits ein Praktikum absolviert, welches ihm sehr gefallen habe.

Eine grosse Hilfe

Im Skulpturenpark sind alle froh um die Unterstützung. Auch Mariann Weber ist, wie sie sagt, sehr dankbar für die Arbeit, denn ohne die Helfer vom Neuthal würde alles viel länger dauern. Wenn es nach einem Parkmitarbeiter ginge, könnte die Truppe bereits nächste Woche wieder kommen.

Für einige der Neuthaler Helfer sind die Tage im Park hingegen eine Arbeit wie jede andere auch. Über die Frage, ob sie froh sind, wenn die Woche bald vorbei sei, herrscht geteilte Meinung. Ein unvergessliches Erlebnis ist es aber bestimmt für alle.

*Namen der Redaktion bekannt