sich am Sonntag mit 53,8 Prozent Ja-Stimmen für den Bau eines Fussballstadions auf dem Hardturmareal entschieden. Doch bevor über Tore in der neuen Arena gejubelt werden kann, rücken zwei Hochhäuser in den Fokus: die beiden 137-Meter-Wohntürme, deren Vermietung den Stadionbau querfinanzieren soll.

So sieht es das Projekt «Ensemble» der Baufirma HRS vor, das erst im städtischen Investorenwettbewerb und nun in der Volksabstimmung obsiegte. Klar ist: Der Weg zum Stadion bleibt hürdenreich, und die Hürden sind hochhaushoch. Mit Rekursen ist zu rechnen. Vielleicht auch mit Erkenntnissen zur Frage, wie Zürich wachsen soll.

Das «Komitee gegen den Höhenwahn» kündigte schon vor der Abstimmung an, notfalls bis vor Bundesgericht gegen den Bau der Türme zu kämpfen. Gleichzeitig betonte es stets, dass ein Kompromiss mit weniger wuchtigen Bauten möglich wäre.

Nun sind Gesprächen hinter den Kulissen angesagt. Für HRS geht es darum, Rekurse abzuwenden, die das Gesamtprojekt jahrelang verzögern könnten. Doch auch für das «Komitee gegen den Höhenwahn», hinter dem sich Freisinnige aus dem Stadtteil Höngg verbergen, steht einiges auf dem Spiel.

Komitee-Wortführer Marcel Knörr, der früher FDP-Gemeinderat und Zürcher Heimatschutz-Präsident war, kämpfte schon öfters gegen grosse Bauprojekte – mal mit, öfter ohne Erfolg. Das Volks-Nein zum Kongresshaus-Neubau im Jahr 2008 zählte zu seinen Erfolgen. Nicht verhindern konnte er den derzeit entstehenden Kunsthaus-Erweiterungsbau und den
118 Meter hohen Swissmilltower. Als Verhinderer wolle er nicht dastehen, erklärte der heute 69-jährige Höngger Architekt schon vor Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch es gehe ihm darum, in einer Zeit rasanten Wachstums Zürichs Identität zu wahren.

Ähnlich äusserte sich dieser Tage Knörrs Mitstreiter Felix E. Müller. Der frühere Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» misst darüber hinaus dem Projekt «Ensemble» eine für Städte in der ganzen Schweiz wegweisende Bedeutung zu: Bislang seien die höchsten Wohnbauten hierzulande gegen 90 Meter hoch. Mit «Ensemble» stehe die Frage im Raum, ob auch künftig in Dimensionen gebaut werden solle, wie man sie aus New York oder Shanghai kenne, schrieb Müller in der Zeitung «Sonntag». Diese Debatte sei bisher zu wenig geführt worden.

Städtewachstum und Verdichtung prägten allerdings schon so manchen Abstimmungskampf, auch jenen um die Limmattalbahn. Dabei obsiegten zuletzt jeweils die Modernisierer. Die Erkenntnis, dass im Raum Zürich eine Grossstadt wächst, zu der auch Hochhäuser passen, setzt sich durch. Was aber nicht heisst, dass alles in Butter wäre: Die Frage nach qualitätsvollem, nachhaltigem Wachstum muss immer wieder gestellt werden. Und wenn ein Projekt wie jenes der Ensemble-Wohntürme städtebaulich zu verbessern ist, sollte dies getan werden.

Bleibt die Frage nach der rechtlichen Haltbarkeit der Ensemble-Wohntürme. Der Schattenwurf entspreche den gesetzlichen Vorgaben, betonte der Zürcher Stadtrat stets. Das kantonale Planungs- und Baugesetz enthält indes auch einen Passus, wonach Hochhäuser «ortsbaulich einen Gewinn bringen» müssen. Und: Sie seien architektonisch besonders sorgfältig zu gestalten. Ob dies mit dem Hardturm-Ensemble gelingt, ist fraglich.

Bereits die Jury des städtischen Stadion-Investorenwettbewerbs hatte Vorbehalte. So schrieb sie zum Siegerprojekt «Ensemble»: «Die beiden Hochhäuser erhalten hinsichtlich ihrer Grösse nicht denselben ungeteilten Zuspruch wie die beiden anderen Bauten» – gemeint sind das Stadion und die ebenfalls zum Ensemble gehörende Genossenschaftssiedlung. «Man wünschte sie sich schlanker mit einer weniger gewichtigen Erscheinung.»

Und weiter: «Dies betrifft vor allem die Fernsicht, also ihre Gestalt in Bezug auf die Gesamtstadt, aber auch aus Sicht der angrenzenden Quartiere. Gleichwohl sind sie grundsätzlich an der richtigen Stelle gesetzt.» Punkto Lärmschutz für die Hochhauswohnungen müsse allenfalls noch nachgebessert werden, schrieb die Jury zudem.

Das «Komitee gegen den Höhenwahn» ist mit seiner Kritik am Ensemble nicht allein. Dem Koordinationsausschuss «Nein zum Hardturm-Bschiss», der bereits mit einer Stimmrechtsbeschwerde gegen das Projekt kämpft, gehören auch Vertreter der rekurserprobten IG Hardturmquartier an. Nachbessern könnte also eine gute Idee sein, wenn es darum geht, den Volkswillen möglichst ohne Verzögerungen umzusetzen.

Handkehrum sollten die Ensemble-Kritiker auch Respekt vor demokratischen Entscheiden zeigen: Ein städtisch finanziertes Stadion lehnte das Stimmvolk 2013 ab. Dem privat finanzierten Investorenprojekt «Ensemble» stimmte es am Sonntag zu. Und, auch das zeigte der Jurybericht auf: Ohne grossformatige Renditebauten ist das Stadion privatwirtschaftlich nicht finanzierbar.