Dietikon
Eine alte Dame feiert ihren 1. Geburtstag

Heute vor einem Jahr öffnete die Taverne zur Krone nach einer bewegten Geschichte und rund sechs Jahren Vorlaufzeit ihre Tore. Hat sich die Investition von gut 13 Millionen Franken für die Stadt gelohnt?

Bettina Hamilton-Irvine
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Limmattaler Zeitung

Wäre die «Krone» ein Hollywood-Star, so hätte sie alles richtig gemacht: Denn trotz ihres stolzen Alters sieht die alte Dame blendend aus. Doch – und das wissen auch gewisse Filmstars – Schönheit im hohen Alter hat seinen Preis. So musste die Stadt Dietikon, welche die «Kronen»-Liegenschaften im Jahr 2005 kaufte, viel investieren, bis das im Jahr 1703 erstellte Gebäude im heutigen Glanz erstrahlte. Rund 2,6 Millionen Franken kostete die Taverne, eine weitere Million steckte die Stadt in die Projektierung und für den Umbau wurden insgesamt fast 10 Millionen Franken bewilligt.

Dass man ursprünglich nicht mit derart hohen Auslagen gerechnet hat, zeigt eine Aussage von Hans Bohnenblust, damals Stadtpräsident: Allein die Renovation des Restaurants koste «bis zu 2 Millionen», sagte er in einer Parlamentssitzung im Juni 2005.

«Investition mit Langzeitcharakter»

Auch der Zeitplan wurde damals wohl etwas unterschätzt: Im Kaufvertrag war noch die Bedingung festgehalten, das Restaurant müsse innerhalb von zwei Jahren – also bis 2007 – wiedereröffnet sein. Dass dies nicht machbar war, merkte man jedoch relativ schnell und korrigierte den angestrebten Eröffnungstermin erst auf 2009 und dann auf 2010.

Hat sich die grosse Investition an Geld, Zeit und Energie gelohnt? Stadtpräsident Otto Müller beantwortet die Frage ohne Zögern: «Die Investition in den Erhalt der Taverne ist auf jeden Fall lohnend, da sie Langzeitcharakter hat.» Dass der Umbau so aufwendig gewesen sei, habe vor allem mit der historischen Bausubstanz zu tun, so Müller. Doch dies sei gleichzeitig das Kapital der «Krone»: «Das wertvolle Gebäude soll auch künftigen Generationen gesichert bleiben.»

Die «Krone» beschere Dietikon denn auch einen Standortvorteil, ist Müller überzeugt: «Sie hat eine grosse Ausstrahlung und wird auch von vielen auswärtigen Gästen punkto Gastronomie und Architektur sehr positiv wahrgenommen.» Davon habe er sich schon oft «mit Freude» an Anlässen überzeugen können, sagt Müller, der das Pächterpaar Schenkel und sein Team als «hervorragend» lobt.

Heinz Schenkel selber zieht nach einem Jahr Betrieb eine eher vorsichtige Bilanz: Es laufe «den Umständen entsprechend» gut, sagt der «Gault Millau»-Koch. Man habe die geplanten Vorgaben bisher erreicht, wünsche sich fürs nächste Jahr jedoch noch etwas mehr Gäste. «Es gibt noch Steigerungspotenzial», sagt Schenkel.

Geschäftsräume: Noch kein Vertrag

Für Müller ist dies nicht überraschend, wie er sagt: «Man darf nicht vergessen, dass der Restaurationsbetrieb über ein Jahrzehnt geschlossen war. Da braucht es eine gewisse Anlaufzeit.» Er sei jedoch überzeugt, dass sich die «Krone» «weiterhin positiv» entwickeln wird. Noch verbessern könnte sich jedoch die Belebung des Gebäudes und der Umgebung, so Müller. Er freue sich auf eine zusätzliche Aufwertung des Areals mit dem Bau der Liegenschaften rund um die «Krone», der Zehntenscheune als Kulturzentrum und einer neu gestalteten Fussgängerachse zwischen Kirchplatz und Kronenplatz: «Das Areal wird ein neues Gesicht erhalten.»

Sorgen macht der Stadt ausserdem schon seit einiger Zeit die Vermietung der Obergeschosse: Bisher konnte noch kein einziger Mietvertrag abgeschlossen werden. Im letzten Jahr entgingen der Stadt dadurch rund 150000 Franken. Müller führt die Schwierigkeiten auf das «Marktumfeld mit vielen Leerständen im ganzen Kanton» zurück. Da sich die Vermietung im Rohbau als Herausforderung erwiesen habe, prüfe man nun einen zusätzlichen Ausbau, so Müller. Damit schätze man die Chancen zur Vermietung «wesentlich höher» ein.