Bezirk Dietikon
Einbürgerungsboom: Auch das Limmattal verzeichnet markant mehr Gesuche

Nicht nur der Kanton verzeichnet ein Hoch bei den Einbürgergungsgesuchen. Die Gemeinden im Bezirk Dietikon erleben Ähnliches.

Leo Eiholzer
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Zurzeit erlebt der Kanton Zürich einen regelrechten Einbürgerungsboom. Grund dafür ist die neue Regelung, die ab dem 1. Januar 2018 in Kraft tritt. (Symbolbild)

Zurzeit erlebt der Kanton Zürich einen regelrechten Einbürgerungsboom. Grund dafür ist die neue Regelung, die ab dem 1. Januar 2018 in Kraft tritt. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Dieses Jahr wollen sich im Bezirk Dietikon wesentlich mehr Ausländer einbürgern lassen als in anderen Jahren. Denn ab dem 1. Januar wird nur noch eingebürgert, wer über eine C-Bewilligung verfügt. Also eine Niederlassungs- und nicht nur eine Aufenthaltsbewilligung hat. In der Stadt Schlieren haben mit 106 bereits jetzt im November mehr Personen als im gesamten Vorjahr (104) ein Einbürgergungsgesuch eingereicht. Demzufolge wird sich die Zahl bis zum Ende des Jahres wohl noch steigern. Mit 46,2 Prozent hat Schlieren den höchsten Ausländeranteil im Bezirk.
Am zweitmeisten Ausländer hat Dietikon mit 44,4 Prozent. Auch dort erlebt man Ähnliches: «Wir stellen einen Anstieg an Gesuchen und Auskünften fest», sagt Stadtschreiberin Karin Hauser. Genauer beziffern könne man dies aber nicht, da die Zahlen nicht erhoben werden. Klar ist aber: «Das Kanzleiteam wird überdurchschnittlich gefordert.» Noch stärker gefordert ist der Kanton, der sogar temporäre Mitarbeiter einstellen musste, um den Gesuchsanstieg zu bewältigen. Um 86 Prozent ist die Gesuchszahl im Kanton Zürich diesen Sommer angestiegen.

Urdorf: kein Ausnahmejahr

Ganz anders in Urdorf: Die drittgrösste Limmattaler Gemeinde stellt keinen solchen Boom fest. «Bei uns findet kein markanter Anstieg statt. Die Gesuchszahlen bewegen sich im Rahmen der Erfahrungswerte der bisherigen Jahre», sagt Martin Büchi, Bereichsleiter Verwaltung und Gesellschaft bei der Gemeinde Urdorf. «Es geht immer wieder auf und ab bei den Zahlen. Dieses Jahr ist da keine Ausnahme.»
Auch Uitikon spürt noch keinen Trend: «In den letzten zwei Monaten haben sich vielleicht fünf Leute die Broschüren abgeholt», sagt Erlinda Krasniqi, Mitarbeiterin der Abteilung Einwohnerdienste.
Von den meisten angefragten Gemeinden ist aber zu vernehmen, dass die Zahlen nach oben gehen. So zum Beispiel in Oetwil. «Wir haben jetzt mit 11 Einbürgerungen schon den Vorjahresstand erreicht und haben noch sechs Gesuche pendent», sagt Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini. Man könne zwar noch keine seriösen Zahlen für das gesamte Jahr mitteilen, «doch wenn man das hochrechnet, kommt man auf ähnlich hohe Steigerungsraten wie der Kanton», so Chiodini.

Weitere Steigerung wahrscheinlich

Es ist wahrscheinlich, dass die Zahlen im gesamten Bezirk in den nächsten Monaten noch ansteigen. Wer das Gesuch bis Ende Jahr bei seiner Gemeinde einreicht, für den gilt noch das alte Recht. Typischerweise dauert es zwischen drei und sechs Monaten bis das Gesuch nach einer ersten Prüfung wieder zurück bei der Gemeinde ist. «Das gibt einen Rückstau, bis die Gesuche dann bei uns sind», sagt Chiodini. Demzufolge stammen die Gesuche der jetzt Eingebürgerten aus dem Frühling und Sommer. Nachzügler könnten also noch dazu kommen.

Doch nicht nur das neue Bürgerrechtsgesetz lässt die Gesuchszahlen ansteigen. Ende April sorgte die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch für Aufsehen. Sie liess 40 000 Briefe an Stadtzürcher Ausländer, die von der Gesetzesänderung betroffen sind, verschicken. Die Leiterin der kantonalen Einbürgerungsabteilung, Sarah Notter, stellt einen direkten Zusammenhang zwischen den hohen Zahlen und dem Brief her, weil vor allem in der Stadt Zürich die Zahlen hoch sind. Dass der Brief auch für den Anstieg im Limmattal massgeblich war, glaubt keiner der angefragten Gemeindevertreter. Obwohl der Brief zu einem grossen Medienecho geführt hat, sehen sie die Gesetzesänderung selbst und nicht den Brief als Hauptgrund für den Anstieg.