Birmensdorf
Ein weiser Vogel soll es dieses Jahr richten

Der Natur- und Vogelschutzverein Birmensdorf bot letzten Freitag die Gelegenheit, Interessantes über die Waldohreule zu erfahren. Der Schweizer Vogelschutz hat die nachtaktive Jägerin zum Vogel des Jahres ernannt.

Franziska Schädel
Drucken
Teilen

Wer hat nicht schon einmal sprichwörtlich Eulen nach Athen getragen? Die Eule war die Begleiterin Athenes, der griechischen Göttin der Weisheit. Im Kinderlied der Vogelhochzeit nimmt die Eule Abschied mit Geheule und bei Shakespeare kündigt ihr Schrei den Mord an Julius Cäsar an.

Wilhelm Busch und Theodor Storm widmeten der Eule ihre Verse. Bei Harry Potter dient der Vogel den Zauberern als Überbringer von Nachrichten und im Märchen verwandelt sich des Teufels Grossmutter in eine Eule. Fabeln und Aberglaube ranken sich um diesen Vogel mit seinen auffällig grossen Augen, seinem lautlosen Flug in dunkler Nacht und seinem unheimlichen «HuHu». Er ist Unglücksbote oder Vogel der Weisheit zugleich, er verkündet den nahen Tod oder die glückliche Geburt.

Alle Weisheit hilft der Eule nicht im Kampf ums Überleben in einer zunehmend industrialisierten und verbauten Landschaft. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz hat die Waldohreule daher zum Vogel des Jahres 2014 erkoren. Sie soll als Botschafterin das öffentliche Augenmerk auf die Erhaltung ihres Lebensraums lenken, den sie mit dem Goldammer, der Nachtigall, mit Orchideen und Hasen sowie unzähligen Käferarten und Faltern teilt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die nachtaktive Jägerin liebt fliessende Übergänge zwischen Wald und Kulturland mit lichten Waldpartien, Magerwiesen, Hecken und extensiv genutztem Wiesland. Monokulturen, aufgeräumte Waldränder und dichte Nutzwälder erschweren ihr das Überleben. Hochspannungsleitungen, Zäune und der Strassenverkehr fordern jedes Jahr Opfer und auch Pestizide in der Nahrungskette – die Waldohreule ernährt sich zu 80 Prozent von Feldmäusen – dezimieren den Bestand. Lediglich etwa 3000 Paare sollen derzeit in der Schweiz noch brüten.

Christa Glauser vom SVS/Birdlife Schweiz brachte den Zuhörern den Vogel des Jahres auf spannende Weise näher. So erzählte sie, dass die Eule ihren Kopf um 270 Grad drehen kann, weil sie über 14 Halswirbel verfügt. Sie demonstrierte mit einer Eulenfeder, warum dieser Vogel lautlos fliegen kann und sie erklärte die unterschiedliche Mimik der Eule, die mit ihren grossen Augen und den Federohren fast menschliche Züge annehmen kann.

In Dietikon höre man den Ruf der Waldohreule nicht mehr, erzählte Christa Glauser. Aber im Reppischtal oder auf dem Hafnerberg könne man sie noch finden, im Winter mit etwas Glück sogar auf Bäumen in geselliger Schlafgemeinschaft. Eindringlich rief Christa Glauser dazu auf, den Lebensraum dieses Vogels zu schützen. Sie plädierte für eine Lockerung der heutigen Trennung von Wald und Weide. Totholz und Altgras sollten wieder vermehrt stehen bleiben und Weidewälder wieder möglich werden.

Im Gebiet Altberg und Lägern, so Glauser, habe man bereits Auflichtungsversuche unternommen. Gut geeignet dafür wäre auch das Wiesental oberhalb von Weiningen und Geroldswil. Durch die Klimaerwärmung rechne man mit einem Rückgang von Fichten und einem grösseren Eichenbestand im Mittelland.

«In 100 bis 150 Jahren werden wir ein anderes Waldbild haben als heute und damit hoffentlich auch wieder mehr Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten», sagt Christa Glauser und fügt an: «Auch Stürme wie der Lothar sind aus ökologischer Sicht ein Gewinn für die Natur.» Christa Glauser wünscht sich auch wieder mehr einheimische Bäume und Naturwiesen. Da setzt sie auf die Biodiversitätsstrategie des Bundes, welche auch die Kantone und Gemeinden in die Pflicht nimmt.