Tag der Mediation

Ein Weg aus der Ausweglosigkeit: Wie man sich im Konflikt wieder findet

Zwei Limmattaler Profis erzählen, wie sie Auswege aus verfahrenen Situationen aufzeigen.

Ein junger Mann und eine junge Frau lernen sich unverhofft in Italien kennen und verlieben sich. Die Frau ist Italienerin und zieht aus Liebe zu ihrem Mann mit ihm in seine Heimat, in die Schweiz. Dort wachsen auch die zwei gemeinsamen Kinder auf. Zehn Jahre später: Die Ehe ist zerrüttet. Eine Scheidung steht an. Da die Frau ursprünglich für ihren Mann und wegen der Ehe in die Schweiz gekommen ist, möchte sie nach einer Scheidung zurück in ihre Heimat – natürlich nicht ohne ihre Kinder. Der Mann ist fassungslos und möchte das verhindern. Verletzungen gibt es auf beiden Seiten, eine Einigung scheint in weiter Ferne.

Mediation ist generell freiwillig

Es ist ein Konflikt, der in bitterem Streit enden könnte, sehr wahrscheinlich auf Kosten der Kinder. Ein Urteil kann auch vor Gericht gefällt werden, jedoch gibt es dabei meist einen klaren Verlierer, die Verfahren sind langwierig und teuer und zudem wird den Betroffenen die Entscheidung letztlich aus der Hand genommen. Schwer zu lösende Konflikte treten häufig zwischen Familienmitgliedern auf, können aber auch am Arbeitsplatz entstehen oder in der Politik.

Solche scheinbar verfahrene Situationen, die von den Beteiligten nicht mehr alleine zu lösen sind, sind das Spezialgebiet der Mediation. Bei dieser geleiteten, aussergerichtlichen Konfliktregelung zwischen zwei oder mehreren Beteiligten nimmt ein neutraler Mediator eine Vermittlungsfunktion ein. Am Ende soll eine einvernehmliche Lösung stehen. Mediation gibt es in der Schweiz bereits seit 30 Jahren. Sie ist eine verbreitete Vorgehensweise der Konfliktbeilegung und in der Schweiz vom Bund anerkannt. Sie kann in Ausnahmefällen auch angeordnet werden. Jedoch entspricht das nicht der klassischen Form der Mediation. Die Idee beruht auf Freiwilligkeit. Die Mediationsverbände des deutschsprachigen Raums haben den heutigen Tag, den 18. Juni zum Tag der Mediation erklärt und laden ein, an diesem Tag mit Aktionen zur Förderung der Mediation beizutragen.

Viele Familienkonflikte

Die Limmattaler Mediatorinnen Beatrice Rinderknecht Bär und Christine Limacher-Bürgi sind erfahrene Expertinnen und arbeiten bereits seit Jahren in diesem Beruf. In ihrer Praxis in Schlieren empfangen sie vor allem Menschen mit familieninternen Problemen. Die Konflikte sind dabei so unterschiedlich wie die Personen selbst. Doch wie läuft eine Mediation ab und für welche Fälle ist sie sinnvoll? «Mediation wird vor allem von Personen in Anspruch genommen, die weiterhin in Kontakt sein müssen», sagt Beatrice Rinderknecht. Das können Nachbarn sein, in einem gekauften Haus, denn da ist ein Auszug meist keine Option. Vor allem aber von Eltern, da sie durch das Kind, auch nach einer Trennung noch miteinander verbunden bleiben. «Diese Verbindung endet nicht einfach, wenn das Kind achtzehn Jahre alt ist», so Rinderknecht. Als Mediator schlage man keine Lösung vor, sondern leite die Beteiligten dazu an, ein eigenes und gemeinsames Ziel zu formulieren.

«Bei einer ersten Sitzung verbringt man die meiste Zeit vor allem damit, zu klären, was überhaupt die Erwartungen sind», sagt Christine Limacher. Oft seien die Fronten wegen emotionaler Verletzungen und Enttäuschungen verhärtet. Dann helfe eine Aussprache und das gemeinsame Formulieren eines Ziels. «Es geht um das gegenseitige Prüfen der Bedürfnisse und in einem nächsten Schritt kann ein Mediator helfen, die verschiedenen Optionen auf den Tisch zu legen. Die Beteiligten treffen dann Abmachungen», so Rinderknecht.

Wichtig ist die Bereitschaft

Eine Abmachung kann so aussehen, dass die Mutter, die den Drang verspürt mit ihren Kindern nach Italien zurückzuziehen, zunächst einmal für lange Ferien dorthin fährt und sich die Schulen anschaut. Der Vater, der seine Kinder in der Nähe haben möchte, bleibt währenddessen mit den Kindern in der Schweiz. So kann Mediation helfen, Optionen ernsthaft zu prüfen, aber auch Perspektiven zu verändern und in diesem Fall die Bedürfnisse der Kinder in den Fokus rücken. «Ob eine Mediation erfolgreich verläuft, ist weniger abhängig vom Konflikt, sondern von der Bereitschaft der Beteiligten», sagt Limacher.

Je nach Konfliktsituation kann schon in wenigen Sitzungen eine Lösung gefunden werden oder erst durch einen langen Prozess. Wichtig sei, so Limacher, dass die Beteiligten einen eigenen Weg fänden und dieser nicht von einer Behörde diktiert werde.

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