Schulstart

Ein voller Start mit halben Klassen: Diese Schwierigkeiten erwartet die Schule und die Eltern

Am kommenden Montag gehen die Schulen wieder auf – vorerst mit Sonder-Stundenplänen und in Halbklassen. Trotz Mehraufwand für Lehrpersonen und Eltern ist die Vorfreude gross.

Am kommenden Montag gehen die Schulen wieder auf – vorerst mit Sonder-Stundenplänen und in Halbklassen. Trotz Mehraufwand für Lehrpersonen und Eltern ist die Vorfreude gross.

Nach acht Wochen kehren Schülerinnen und Schüler wieder in ihre Klassenzimmer zurück. Von Schulalltag kann noch keine Rede sein.

Ab Montag sind die Limmattaler Schulen wieder belebt; vorerst aber nur halb. Denn sie müssen nach sechs Wochen reinem Fernunterricht, der von zwei Wochen Frühlingsferien unterbrochen wurde, mit einem Sonder-Stundenplan starten.

Erlaubt sind gemäss den Coronavirus-Vorgaben der Bildungsdirektion vorerst nur Gruppen von maximal 15 Schülerinnen und Schülern. Die Schulpflegen und Schulleitungen haben deshalb in den vergangenen Tagen unter Hochdruck neue Stundenplan-Modelle mit einem durchgehenden Halbklassenunterricht erarbeitet.

Entstanden sind dabei verschiedene Systeme, wie eine Umfrage zeigt. Die meisten Schulen setzen auf ein Halbtages-Modell. Eine Halbklasse hält sich am Vormittag im Schulzimmer auf, die andere am Nachmittag. Am darauffolgenden Tag ist es umgekehrt. Mit diesem Modell starten unter anderem die Unterengstringer Primarschule und die Schule Dietikon. Einige Gemeinden – etwa die Primarschule Weiningen – haben sich für Zwei-Stunden-Blöcke entschieden.

Eine Halbklasse wird von ihrer Lehrperson am Vormittag gegen 8 Uhr sowie am Nachmittag unterrichtet; dazwischen, von etwa 10 bis 12 Uhr die andere. Am nächsten Tag tauschen die beiden Gruppen die Präsenzzeiten. Vereinzelt kommen auch Ganztages-Modelle – eine Halbklasse lernt einen Tag in der Schule und den nächsten zuhause – oder ganz individuell nach Schuleinheit und -stufe zusammengestellte Stundenpläne vor.

Allen Modellen gleich ist, dass die Schüler einer Halbklasse zuhause Aufgaben lösen oder lernen, während ihre Lehrperson die Mitglieder der anderen Gruppen in der Schule unterrichtet.

Trotz Aufgaben: Es ist kein Fernunterricht mehr

Dass sich die Primarschule Weiningen für das Zweistunden-Modell ausgesprochen hat, begründet Präsidentin Brigitte Schai mit pädagogischen Überlegungen. Es gelte nun nach dem langen Fernunterricht, alle Kinder möglichst rasch auf den selben Stand zu bringen. «Mit den kurzen Blöcken können wir die Kinder enger begleiten.» Denn so bleibe es beispielsweise bei zwei Stunden, in denen sie zuhause alleine lernen müssten.

Eine längere Zeitspanne – etwa ein gesamter Vormittag – sei gerade für die Jüngeren zu viel. Zumal es sich ja nicht mehr um einen Fernunterricht handle, sagt Schai. «Da die Lehrperson die andere Halbklasse unterrichtet, kann sie nicht mehr die Fragen beantworten, die zuhause beim Üben aufkommen.» Zudem könnten alle heilpädagogischen Lektionen wie Deutsch als Zweitsprache und Logopädie erteilt werden. «Wir arbeiten also mehr oder weniger bereits wieder auf dem Vor-Lockdown-Niveau, einfach mit reduzierter Lektionenzahl.»

Für die Unterengstringer Primarschule war ein Zweistunden-Modell insbesondere im Hinblick auf die Eltern zu unruhig, wie Präsident Beat Fries sagt. Ein Ziel sei, dass diese etwas entlastet würden. «Mit dem Halbtages-Modell ermöglichen wir es ihnen eher, dass sie ihre Arbeit nach dem Lockdown wieder aufnehmen können.» Fries ist sich bewusst, dass ein Ganztages-Modell berufstätigen Eltern noch mehr entgegenkommen würde. «Dies war bei uns aus pädagogischen Gründen aber nicht möglich.» Denn gewisse Fachpersonen – etwa Heilpädagoginnen – halten sich nur an einem bestimmten Wochentag in der Schule auf. «Von diesem Angebot könnten also nur die Schüler jener Halbklasse profitieren, die an diesem Tag Präsenzunterricht hätten, die anderen nicht.»

Während der Entscheid der Zürcher Bildungsdirektion, nur Halbklassenunterricht zuzulassen, im Kantonsrat auf breite Kritik gestossen war, begrüssen ihn die Limmattaler Schulverantwortlichen. «Die Lehrpersonen können die Kinder in den kleineren Gruppen unter anderem rasch sozial-emotional stabilisieren und sie nach den langen Wochen des Fernunterrichts wieder mit der Schule vertraut machen», sagt der Dietiker Schulpräsident Reto Siegrist.

Es bleibt herausfordernd für die Schule und die Eltern

Siegrist verweist darauf, dass gleichzeitig mit dem Halbklassenunterricht, egal in welchem Modell er nun angeboten wird, auch das Betreuungsangebot wieder leicht ausgebaut wird. Davon sollen unter anderem berufstätige Alleinerziehende profitieren können. «Die Schule will auch bei Halbklassenunterricht mithelfen, dass die Angestellten an ihre Arbeitsstellen in die wieder öffnenden Läden zurückkehren können.» Dies bestätigen auch Schai und Fries.

Einfach wird es trotz der anstehenden ersten Schulöffnung nicht, sind sich die Schulverantwortlichen bewusst: Die kommenden Wochen würden «für die Schule und vor allem auch für Sie als Eltern nochmals eine grosse Herausforderung» darstellen, heisst es beispielsweise in einem Elternbrief der Urdorfer Schule. Damit der Familienalltag dennoch gut organisiert werden könne, werde angestrebt, dass die Kinder einer Familie an denselben Tagen Präsenzunterricht haben und zu denselben Zeiten zuhause sein werden. Dieses Ziel haben alle Schulgemeinden verfolgt, als sie innert weniger Tage ihre Halbklassen-Modelle erarbeitet haben.

Trotz des Aufwandes und aller neuerlichen Umstellungen überwiegt bei den Schulen die Freude: «Wir sind erleichtert und froh, dass die Kinder und Jugendlichen wieder zur Schule kommen dürfen», heisst es im Urdorfer Elternbrief. Diesen Satz benutzen so oder ähnlich auch Schai, Fries und Siegrist sowie weitere Schulvertreter im Gespräch und in ihren Infoschreiben.

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