Im Sommer 1998 stieg Albert Schweizer erstmals beim Schlieremer Bahnhof aus dem Zug. Er schaute sich um und als Erstes stachen ihm die eingeschossigen Postbaracken ins Auge. Dass gleich neben dem Bahnhof, sieben Minuten vom pulsierenden Zürich entfernt, ein solch perfekt erschlossenes Stück Land für etwas Derartiges verwendet wurde, das verstand er nicht.

Er zog weiter in Richtung Stadthaus zum Bewerbungsgespräch für die Stelle als Bereichsleiter Liegenschaften. Dies ist nun 15 Jahre her - 15 Jahre, in denen Schlieren sich rasant entwickelt hat. Eine Entwicklung, an der Albert Schweizer - seit 13 Jahren auch als Standortförderer - massgeblich beteiligt war.

Schlierens Perlensammler

Fragt man ihn nach einem Karrierehöhepunkt, findet er keine richtige Antwort. Er leiste viel Arbeit im Hintergrund; die Früchte seines Schaffens würden erst viel später geerntet, erklärt er. Dabei gäbe es eine Auswahl an Projekten, die er ermöglicht hat.

Gemeinsam mit der ehemaligen Stadtpräsidentin Rita Geistlich war er im Jahr 2003 Mitbegründer des Vereins Biotech Center Zürich Schlieren. Dieser sollte die Attraktivität des Biotech-Standortes Schlieren stärken.

Mit Schweizer wurde auch das Ende des Autoareals an der Badenerstrasse eingeläutet. Bald wird dort die letzte Etappe des Stadtteils Schlieren West aus dem Boden gestampft.

Nach genauerem Überlegen nach seinem Highlight erwähnt Schweizer die starke Reduktion von leerstehenden Büroflächen. «Das ist schön und wichtig», sagt er und erstmals schwingt ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit.

Renovationen von Schulanlagen oder Firmenansiedlungen finden ebenfalls Erwähnung. Manuela Stiefel, Liegenschaftsvorsteherin, verortet Schweizers grösste Leistung für Schlieren im Branding der Stadt.

«Dadurch, dass er die Perlen Schlierens sammelte und an die Öffentlichkeit trug, entstand eine starke Marke», sagt sie. Er habe Schlieren mit viel Herz neu positioniert.

Gut möglich, dass ihm dabei, neben seinem Master in Immobilienökonomie, seine politische Vergangenheit zugute kam. Schweizer weiss, wie man Projekte initiiert, begleitet und abschliesst.

Im Alter von 28 Jahren zog er für die Christdemokraten in den Wiler Gemeinderat ein, präsidierte die dortige Baukommission und verhalf verschiedenen Bauprojekten zur Realisierung. Das Legislativmandat legte er, als ihm die Anstellung in Schlieren sicher war, nieder. Seither bezeichnet er sich als unpolitisch.

Dass das politische Geschick jedoch nicht verblasst ist, zeigt sich bei der Frage nach seinen Schwächen. Er mag nur versteckte Stärken nennen. «Ich sage sehr oft Ja zu Projekten. Dies scheint mir wichtig, denn ich will kein Verhinderer sein. Aber es führt dazu, dass ich mich nie über zu wenig Arbeit beklagen kann.»

Marktkenntnis und Netzwerk

Was Schweizer von seinen Kollegen in der öffentlichen Verwaltung unterscheidet, ist, dass er beinahe nie kritisiert wird. Ob man sich an Veranstaltungen nach ihm erkundigt oder Kollegen über ihn befragt, er wird mit Lob überschüttet. «Dies könnte daran liegen, dass wir Standortförderer nicht Macher oder Gestalter sind, sondern Ermöglicher», sagt er bescheiden.

Seine Kollegin aus Dietikon, Jasmina Ritz, bestätigt dies und ergänzt: «Er ist manchmal auch ein unkonventioneller Ermöglicher, dem der Amtsweg zu lang ist, wenn er ein Ziel vor Augen hat.» Seine Chefin Manuela Stiefel pflichtet dem bei, auch wenn sie eine andere Formulierung bevorzugt. «Er arbeitet lösungsorientiert und ist dadurch auch für kreative Umwege bereit.»

«Das Zusammensitzen ist wichtig»

Ein weiterer Eckpfeiler seines Erfolgs ist sein Netzwerk. Schweizer ist im Vorstand von sechs Vereinen, präsidiert deren zwei. Einer davon ist der Verein der Ehemaligen der Fachhochschule St. Gallen, an der er seinen Master abschloss. «Das Zusammensitzen mit Berufskollegen ist wichtig. Dabei entstehen Ideen, wie man welches Problem angehen könnte», sagt er.

Aber auch bei sich zu Hause in Wil nimmt er rege am gesellschaftlichen Leben teil. So ist er Präsident des Quartiervereins und schaffte es mit der Gründung einer IG, eine neue Sportstätte durch die Volksabstimmung zu bringen.

Angesichts des Arbeitspensums in Schlieren und der langen Liste seiner ehrenamtlichen Aktivitäten könnte man beinahe meinen, dass er zwei Leben hat. Seine eiserene Disziplin hat er zu verdanken, dass es auch mit einem klappt. Jeden Morgen steigt er gewissenhaft um 5.30 Uhr in den Zug, um zwischen 6.30 und 7.00 Uhr seinen 9- bis 10-Stunden-Tag zu beginnen.

«Andere üben diesen Beruf ein paar Jahre aus und dann wechseln sie die Stelle. Damit bringen sie sich um die Möglichkeit, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten», sagt Schweizer. Man merkt: Es gefällt ihm, Schlieren mitzugestalten und Immobilien mit Leben zu füllen.

Nicht nur wenn er erzählt, dass es ihn freute, der Schweizer Post das Land, auf dem die Baracken standen, abzukaufen und eine neue Nutzung zu ermöglichen. Die Überbauung Parkside steht heute darauf.