Dietikon

Ein Umbau lässt das Altersheim «Ruggacker» alt aussehen

Der Dietiker Ruggacker während seines Umbaus. In dieser Zeit wurden auch die Zahlen für den Altersheim-Vergleich erhoben.

Der Dietiker Ruggacker während seines Umbaus. In dieser Zeit wurden auch die Zahlen für den Altersheim-Vergleich erhoben.

Die Kostenverhältnisse in Alters- und Pflegeheimen sind zum Teil schwer nachzuvollziehen. Ein Alterszentrum-Vergleich zeigt: Das «Ruggacker» ist teuer. Der Stadtrat kann dies jedoch erklären.

Eine Website gibt Einblicke in die teils undurchsichtigen Kostenverhältnisse in der Welt der Betagtenpflege. Wie schwierig ein Vergleich der Institutionen trotz der nackten Zahlen noch immer ist, erfuhr der Dietiker Stadtrat. Mittels einer Interpellation wurde er dazu aufgefordert, zu erklären, warum das Alters- und Gesundheitszentrum (AGZ) im Vergleich zu anderen Institutionen der Region weniger gut abschneidet.

Auf der Website www.altersheim-atlas.ch sind die rund 1500 Schweizer Altersheime auf einer Landkarte eingezeichnet. Mit einem Klick erhält der Nutzer mehrere Kennzahlen der jeweiligen Institution, wie Pflegepersonal pro Platz, Pflegeintensität und Kosten pro Tag. So ist die Pflegeintensität in Dietikon auf einer 12-Punkte-Skala mit 3 bewertet, diejenige in Weiningen und Schlieren mit 4, beziehungsweise 5.

Das Verhältnis zwischen Anzahl Personal und Anzahl Plätzen ist in Dietikon mit 0,66 am höchsten. In Weiningen sind durchschnittlich pro Pflegeplatz 0,34 Personen angestellt, in Schlieren sind es deren 0,4. Der Dietiker DP-Gemeinderat Martin Müller wollte mittels einer Interpellation von der Exekutive wissen, warum in Dietikon trotz niedriger Pflegeintensität deutlich mehr Personal pro Pflegeplatz benötigt wird.

Zusätzliche Arbeiten bei Umbau

In der kürzlich publizierten Antwort des Stadtrates verweist dieser auf den in den Jahren 2008 bis 2012 durchgeführten Um- und Neubau des Altersheims Ruggacker. So hätten wegen des reduzierten Platzangebots weniger Senioren betreut werden können.

Trotzdem wurden in dieser Zeit keine Stellen reduziert, da während des Umbaus zusätzliche Arbeiten angefallen seien. So hätten beispielsweise Mahlzeiten vom Küchenprovisorium in das Altersheim Oberdorf gebracht werden müssen, schreibt die Exekutive. Auch eine zusätzliche Nachtwache habe es im Altersheim Oberdorf gebraucht, da der Durchgang zum Ruggacker während der Bauzeit nicht passierbar war.

Nach Fertigstellung Mitte 2012 habe die Exekutive 25 zusätzliche Stellen für die rund 50 neuen Bewohner gesprochen. Der Einzug der Bewohner sei ab September desselben Jahres gestaffelt vonstattengegangen. Die Daten des Altersheim-Atlasses würden auf dem Stichtag 31. Dezember 2012 gründen.

Die Auslastung im gesamten Jahr 2012 sei tiefer gewesen als in einem normalen Betriebsjahr ohne Umbau. «Ein Vergleich mit anderen Institutionen auf Basis dieser Angaben ist nicht möglich», so der Stadtrat.

Doch auch bei einem weiteren Vergleichswert schneidet Dietikon weniger gut ab als seine Nachbarn: bei den Gesamtkosten pro Tag. 262 Franken kostet ein Tag in der Dietiker Institution. In Weiningen sind es 196 Franken, in Schlieren 249 Franken, in Urdorf 313 Franken und im Pflegezentrum des Spitals Limmattal 362 Franken, wobei die Pflegeintensität bei allen benachbarten Pflegeinstitutionen höher ist.
Vergleich ist schwierig

Die Dietiker Exekutive verweist darauf, dass die Handhabung der Anlagekosten wie Abschreibungen und Kapitalverzinsung eine zentrale Rolle spielt. «Die Bandbreite der täglichen Gesamtkosten in Schweizer Alters- und Pflegeheimen ist sehr gross, da die Kostenrechnungen nicht einheitlich geführt werden», schreibt sie. So würde nicht bei allen Heimen die Anlagenutzung korrekt in die Kostenrechnung einfliessen, was erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten habe.

Dies bestätige auch Curaviva, der Heimverband des Kantons Zürich, der regelmässig die Kostenrechnungen der Zürcher Heime überprüft. In einem Schreiben vom Januar dieses Jahres an die Zürcher Heime habe Curaviva mitgeteilt, dass die Qualität der Kostenrechnungen erhöht werden müsse, damit ein objektiver Vergleich möglich sei. Auch für das Alters- und Gesundheitszentrum Ruggacker könne die Kostenrechnung noch nicht abschliessend erstellt werden, da die Bauabrechnung erst im ersten Quartal dieses Jahres vorliegen werde. Erst danach könne die Anlagenutzung umfänglich ausgewiesen werden.

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