2017 hatte das Bezirksgericht Dietikon den Rentner der fahrlässigen Tierquälerei schuldig gesprochen. Dieser zog danach die bedingte Geldstrafe von 500 Franken weiter an die zweite Instanz.

In Jeans und kariertem Sommerhemd stand der inzwischen 66-jährige gestern vor Obergericht. Gründlich vorbereitet und eindringlich legte er seine Sicht der Dinge in einer Art und Weise dar, wie sie einem 1.-August-Redner gut anstehen würde. Nur, dass es hier nicht um die Werte der Schweiz, sondern um die Rechthaberei eines Hündelers ging.

Im Februar 2016 war er mit seinem als Kampfhund gelisteten Staffordshire Terrier auf dem Urdorfer Geren-Feldweg unterwegs. «Ich hatte den Hund an der Leine, weil er wegen Schwerhörigkeit nicht mehr abrufbar ist. Als ich bei der Brücke über die A3 angelangt war, habe ich auf der anderen Seite einen im Gebüsch freilaufenden Flat Coated Retriever gesehen, zu dem sich wenig später ein zweiter solcher gesellte.»

Kein Pfefferspray, kein Terrier

Der Halter der Retriever habe seinen Aufruf, die Hunde an die Leine zu nehmen, nicht beachtet. «Mir war sofort klar, dass die zwei nicht abrufbar waren. Als dann der eine mit grossem Tempo zielgerichtet auf mich zu rannte, war das für mich eine Stresssituation, weil mein Hund schon sechs Mal von Hunden gebissen worden war.» Zunächst habe er seine Abwehrstellung eingenommen. Und dann den Pfefferspray eingesetzt. Er habe Angst um sich selber und um seinen Hund gehabt.

Die Frage von Oberrichter Franz Bollinger, ob der Retriever Anzeichen von Aggressionen wie etwa Zähnefletschen gezeigt hatte, verneinte der Rentner. Allein dessen Tempo habe ihn in Angst versetzt. «In der Hundeschule haben wir die Erfahrung gemacht, dass bisweilen auch ohne Vorzeichen gebissen wird. Zudem haben mir beim Retriever Anzeichen von Friedfertigkeit gefehlt.» Was den Pfefferspray betrifft, so sei dieser vom Gesundheitsamt zugelassen. Nur einmal habe er ihn davor eingesetzt gehabt. «Bei einer wilden Beisserei. Und in der Hundeschule haben wir uns selbst einmal gegenseitig besprüht.» Die Folgen seien unangenehm, aber nicht schlimm gewesen. «Der Retriever nahm ja auch keinen lang anhaltenden Schaden davon.» Einen Pfefferspray habe er seither nicht mehr. Der Staffordshire Terrier sei verstorben. Jetzt habe er eine Rottweilerhündin.

Nachdem der Retriever-Halter ihm «gewaltsam» den Spray entrissen und die Polizei gerufen hatte, war der Vorfall zum Gerichtsfall geworden. Vor Obergericht forderte die Anwältin des Rentners erneut einen Freispruch – vergeblich. Die drei Oberrichter bestätigten das erstinstanzliche Urteil. «Es besteht kein Zweifel, dass ein Pfefferspray als Abwehr nicht geeignet ist», sagte Franz Bollinger. «Selbst eine schwierige Situation rechtfertigt nicht, präventiv zum Pfefferspray zu greifen.»

Zu den Verfahrens- und Gerichtskosten von 3500 Franken aus dem ersten Verfahren, gesellen sich nun mehrere tausend Franken Obergerichtskosten und Anwaltskosten.