Der Prix Walo gilt dank seiner langjährigen Geschichte als höchste Auszeichnung der Schweizer Showbranche. Organisiert vom Verein Show Szene Schweiz, stellt Präsidentin Monika Kälin für die jährliche Verleihung jeweils eine geballte Ladung an hiesiger Prominenz auf die Beine. Nominiert werden Personen und Produktionen aus TV, Musik und Bühnen. Vor einer Woche fand die 42. Prix-Walo-Gala statt, In der Sparte «Beste Bühnenproduktion» konnte das Musical «Io senza te» die Trophäe gewinnen – nach über 70 000 Besuchern im Zürcher Theater 11 die Krönung des Erfolgs.

Jubeln durfte auch Rolf Sommer, der im Musical, das komplett aus Liedern von Peter, Sue & Marc besteht, eine Hauptrolle spielt. Der in Schlieren lebende Darsteller freut sich mit seiner Bühnenfamilie über den Preis: «In einer Produktion von dieser Dimension mitzumachen, ist ein grosses Glück», sagt Sommer zur Schweiz am Sonntag. Zumal er, der ansonsten oft mit feinen oder lustigen Rollen bedacht wird, in «Io senza te» gegen sein Image anspielen darf: «Ich verkörpere einen versoffenen Loser, der sich für einen begnadeten Produzenten hält, aber weit davon entfernt ist».

Beinahe hätte Sommer diese für ihn wichtige Rolle nicht spielen können. Obwohl er mit dem Regisseur des Musicals, Stefan Huber, bereits erfolgreich zusammen arbeitete, fand dieser zunächst im Drehbuch keine geeignete Rolle für Sommer. Als Huber im letzten Jahr bei seiner Theaterproduktion «Achtung Schwiiz» im Casinotheater Winterthur in Windeseile die Rolle des Proleten neu besetzen musste, sprang Sommer kurzfristig ein. Weil er als unsympathischer Student glänzte und seine schauspielerische Vielfältigkeit unter Beweis stellte, engagierte ihn Huber nach einem Vorsprechen für die erwähnte Rolle in «Io senza te».

Gelassenheit zahlt sich aus

Zur Zeit läuft es rund für den in Altdorf im Kanton Uri geborenen Künstler. Seit seinem Abschluss an der Münchner Musical-Akademie Abraxas kann er finanziell von der Schauspielerei leben. «Sicher gab und gibt es immer wieder Situationen, in denen ich mir Gedanken über das Einkommen machen muss, aber bislang ging im richtigen Moment immer wieder eine Tür auf», sagt Sommer. Zumal er nach mehr als zehn Jahren im Geschäft gelassener geworden sei als früher und man als Schauspieler eben nicht mit regulären Ferien oder einem 13. Monatslohn rechnen dürfe. Er gibt auch zu, dass er keine Ahnung hätte, was er tun sollte, wenn es mit den Engagements nicht mehr klappt.

Diesbezüglich muss sich Sommer momentan keine Sorgen machen. Aufgrund des Grosserfolgs von «Io senza te» geht das Musical ab September in die zweite Runde. Das bedeutet für ihn: mindestens wieder zwei Monate Arbeit mit acht Aufführungen pro Woche. Ausserdem steckt Sommer derzeit auch mitten in den Proben für die Wiederaufnahme von «Bye Bye Bar – Reloaded» (siehe Kontext unten). In der musikalischen Satire ist er zusammen mit Adrian Sieber und Gigi Moto im Theater am Hechtplatz in Zürich den ganzen Juni hindurch zu sehen.
Hinzu kommen Auftritte im Theater Rigiblick. «Der Theaterleiter Daniel Rohr fragt mich immer wieder an, ob ich bei einer seiner Produktionen dabei sein kann. Das ist grossartig», freut sich Sommer.

Rolf Sommer - Kosmische Schöpfung aus "Sommer im Weltall"

Rolf Sommer - Kosmische Schöpfung aus "Sommer im Weltall"

Erst kürzlich war er dort bei der «4. Zürcher Kriminalnacht» mit am Start und las Passagen aus Krimis von lokalen Autoren. Nicht zu vergessen auch seine Solo-Programme. 2005 führte er erstmals Georg Kreislers «Heute Abend: Lola blau» auf. Eigentlich für eine Schauspielerin geschrieben, gab Regisseur Björn Bugiel ihm die Gelegenheit, die titelgebende Lola als Mann zu verkörpern. 2014 trat Sommer erstmals mit einem eigenen Soloprogramm auf die Bühne: Im Liederabend «Sommer im Weltall» sinniert und singt der Urner komisch wie kosmisch über das Universum.

Schlieren als Rückzugsort

Sommer ist auf der Bühne zu Hause; abseits von ihr hat er sich in Schlieren niedergelassen und lebt dort in einer Wohngemeinschaft. Seit sechs Jahren ist die Stadt an der Limmat sein Rückzugsort. Dabei stand Schlieren zunächst nicht oben auf der Liste. «Wir wohnten noch in Zürich, als der Mietvertrag auslief. Also machten wir uns auf die Suche nach einer neuen Bleibe». Er und seine Mitbewohner stiessen dabei auch auf ein Inserat aus Schlieren, in dem eine grosszügige Dachwohnung angepriesen wurde. Nach den guten Eindrücken von der Besichtigung hätten sie nicht mehr über Schlieren «geschnödet», erzählt Sommer schmunzelnd.

Es lebe sich überaus schön in Schlieren, findet der Schauspieler heute. Man entfliehe schnell dem Trubel der Stadt, ohne dabei weg vom Fenster zu sein. Allerdings wünscht sich Sommer eine Art «Grand Café» für Schlieren, einen Ort, wo man gerne länger verweilen würde; das würde zwischen Industrie- und Wohnquartieren doch gut passen, meint er. Sollten aber seine Engagements weiterhin so zahlreich sein, müsste auch ein perfekt auf ihn zugeschnittenes Lokal möglicherweise lange auf Sommer warten.