Dietikon
Ein Schulhaus Limmatfeld gibt es frühstens 2022 – wenn überhaupt

Bis weitere Details zur Flachmoor-Schutzverordnung bekannt sind, setzt die Stadt auf Provisorien auf dem Areal des «Steinmürli». Die Konsequenz wird sein: Länger Schulwege. Aber auch so wird die Raumsituation in der Schule zunehmend prekär.

Sophie Rüesch
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Auf diesem Rasenstück beim Schulhaus Steinmürli sollen bis 2017 zwei Provisorien stehen.

Auf diesem Rasenstück beim Schulhaus Steinmürli sollen bis 2017 zwei Provisorien stehen.

Limmattaler Zeitung

Dietiker Schulkinder müssen sich in den kommenden Jahren auf längere Schulwege gefasst machen. Denn ein Schulhausneubau im Limmatfeld ist vorerst nun definitiv auf Eis gelegt: Erst der in frühestens zwei Jahren erwartete Bericht des Regierungsrates zur überfälligen Umsetzung des Moorschutzes im Gebiet Silbern/Lerzen/Stierenmatt (SLS) kann Aufschluss darüber geben, ob ein Neubau auf der stadteigenen Parzelle im Gebiet Stierenmatt realisierbar ist.

«Vor dem Jahr 2022 wird im Limmatfeld ganz sicher kein neues Schulhaus stehen», sagte Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani gestern – und auch das nur, wenn ein Neubau mit den heute noch unklaren Naturschutzbestimmungen vereinbaren lässt. Auch Verhandlungen mit privaten Eigentümern führten bisher zu keinem Ergebnis.

Das versetzt die Schule Dietikon in eine missliche Lage. Denn die Bevölkerung wächst munter weiter, und mit ihr ein steigender Bedarf nach Schulraum (siehe Box unten). Diesem hätte eigentlich das geplante Mietschulhaus im Limmatfeld Rechnung tragen sollen; doch das Stimmvolk verwarf die Vorlage im November 2012 klar.

Seither müht sich die Stadt mit der Suche nach Alternativen ab, bisher mit geringem Erfolg. «Wir haben alle denkbaren Möglichkeiten minutiös geprüft», sagt Balbiani. Doch im neuen Stadtteil, der 2017 fertig gebaut sein soll, wird der Platz bereits knapp: Die meisten Flächen im Limmatfeld sind mittlerweile vergeben. Auch eine Mietlösung kommt für die Stadt nicht mehr infrage: «Das wäre nach dem Nein zum Mietschulhaus ziemlich ungeschickt», sagt Balbiani.

Provisorien sollen bis 2017 stehen

Tatenlosigkeit kann sich die Schule angesichts des bereits heute knappen Schulraums allerdings nicht leisten. Das sieht auch Balbiani so: «Die Kinder sind da, weitere werden kommen. Es geht nun nicht darum, zu klagen, sondern aus der Situation das Beste zu machen.»

Und als das Beste erachtet der Stadtrat nun eine Überbrückung mit Provisorien auf dem Areal der Schule Steinmürli. Bis zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 sollen diese auf dem grossen Rasenstück hinter der Schule stehen; geplant sind zwei Einheiten mit je vier Klassenzimmern sowie Gruppen- und Nebenräumen. Auch ein gestaffelter Aufbau sei eine Option, sagt Balbiani: «Wir wollen nicht auf Vorrat bauen.»

Der Vorteil des Standorts Steinmürli: Ein Grossteil der Grundinfrastruktur steht bereits, das Gelände gehört der Stadt, die Anlage liegt relativ zentral. Trotzdem dürfte die neue Schulraumstrategie, die der Stadtrat Ende Mai absegnete und die das Parlament letzte Woche zur Kenntnis nahm, nicht nur für Begeisterung sorgen. Denn die Provisorienlösung zieht eine Zuteilungs-Rochade unter den bestehenden Schulhäusern nach sich.

Das bedeutet: längere Schulwege. So dürften etwa Schüler aus dem Limmatfeld das Schulhaus Zentral besuchen, während Schüler aus dem Einzugsgebiet des Zentrals wie auch des Fondlis und dereinst des Niderfelds ins Steinmürli umgeteilt werden könnten. Bestehende Klassen auseinanderzureissen, versuche man aber zu verhindern, so Balbiani.

Zudem dürfte auch der durch die Provisorien geschaffene Platz nur den dringendsten Bedarf auffangen. «Eine temporäre Vergrösserung der Klassen wird als Notlösung wohl unumgänglich sein», räumt Schulvorstand Balbiani ein. «Es werden aber keine überdurchschnittlich grossen Klassen entstehen.»

Kosten werden die Provisorien die Stadt nach ersten groben Schätzungen rund 4 Millionen Franken, wobei diese Zahl je nach Möglichkeit von Occasionskäufen oder günstigeren Containern noch sinken könnte. Wahrscheinlich ist, dass der Kredit für die Provisorien an die Urne gelangt.

Worst case: gar kein Schulhaus

Ungeklärt bleibt, was passiert, wenn der regierungsrätliche Bericht über den Moorschutz zutage führt, dass ein Schulhaus im SLS nicht realisierbar ist. Dies liegt je nach Schärfe der Schutzbestimmungen durchaus im Bereich des Möglichen. «Der Worst Case liegt auf der Hand», sagt Balbiani: «Gar kein Schulhaus im Limmatfeld.»

Nicht prioritär behandelt wird in der verabschiedeten Schulraumstrategie übrigens ein Neubau im noch zu entwickelnden Gebiet Niderfeld. Der Stadtrat hatte im Dezember zwar die Absicht erklärt, im Gebiet Blächen rund 7000 Quadratmeter für eine Schulanlage auszuscheiden. Ein entsprechender Grundsatzentscheid des Stadtrats steht jedoch noch aus.

Schulraum: wachsender Bedarf, schwindende Möglichkeiten

Was bisher geschah: Dass der Schulraum in Dietikon knapper wird, liegt angesichts des anhaltend starken Bevölkerungswachstums auf der Hand. Im neuen Stadtteil Limmatfeld, der bis 2017 fertig gebaut sein soll, ist der Bedarf besonders dringlich. Die Vorlage des Stadtrats, Schulzimmer in einem Gebäude der Firma Halter am Rapidplatz anzumieten, verwarf das Stimmvolk im Herbst 2012 mit 68 Prozent Nein-Stimmen-Anteil jedoch klar. Die jährlich wiederkehrenden Mietkosten von 1,3 Millionen sowie einmalige Investitionskosten von 2 Millionen Franken waren den Dietikern zu teuer.

Was die Stadt erwartet: Die Stadt wächst weiter: Wenn das Limmatfeld fertig ist, geht es bald an die Planung des nächsten Entwicklungsgebiets, dem Niderfeld. Bis zum Schuljahr 2018/19 prognostiziert das von der Stadt beauftragte Planungsbüro Wüest & Partner einen Bedarf von insgesamt sechs zusätzlichen Klassen, bis 2023/24 braucht es voraussichtlich deren 13.

Was die Stadt prüfte: Nach dem Nein zum Mietschulhaus musste die Stadt noch einmal zurück auf Feld eins in der Schulraumplanung; ein Plan B war nicht vorhanden. Eine eigens gegründete Arbeitsgruppe Schulraum Limmatfeld prüfte Varianten von Stockwerkeigentum über einen Ausbau bestehender Schulanlagen bis hin zu Neubauten auf stadteigenen oder zu erwerbenden Privatgrundstücken. Keine dieser Optionen führte bisher zum gewünschten Ergebnis. Die bevorzugte Lösung eines Neubaus auf der stadteigenen Parzelle neben dem Werkhof wird nun durch die ausstehende Flachmoorschutzverordnung blockiert.

Was die Stadt nun macht: Ende Mai verabschiedete der Stadtrat eine Schulraumstrategie für die kommenden Jahre. Bis die Details der Moorschutzverordnung bekannt sind, setzt die Stadt auf Provisorien auf dem Steinmürli-Areal (siehe Artikel oben). Diese sollen im Schuljahr 2017/18 bezogen werden können. Parallel dazu will die Stadt eine Sanierung und Erweiterung des in die Jahre gekommenen Schulhauses Wolfsmatt an die Hand nehmen. Zweite Priorität kommt - nebst punktuellen Verbesserungen an bestehenden Schulanlagen - der Planung im Niderfeld zu. Die Exekutive hat zwar die Absicht erklärt, dort rechtzeitig Boden für ein Schulhaus auszuscheiden. Ein definitiver Grundsatzentscheid wurde aber noch nicht gefällt. (rue)