Dietikon
Ein «Schnüggel» lockte in den Gemeinderatssaal

Der Singer-Songwriter Adrian Stern begeisterte mit seinem Solo-Programm das 190-köpfige Publikum. Dabei liess er sich vom Limmattal, von seinem Publikum und von US-Präsidenten inspirieren.

Ly Vuong
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Singer- Songwriter Adrian Stern in Dietikon
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Adrian Stern singt seinen Hit «Das wünsch i dir».
Die Dietiker Kulturbeauftragte Irene Brioschi sagte, sie hoffe, dass einige Klänge im Gemeinderatssaal hängen bleiben und den Gemeinderäten plötzlich wieder im Ohr erklingen.
Nach dem Konzert signierte Adrian Stern CDs und war für die Besucher da.

Singer- Songwriter Adrian Stern in Dietikon

Ly Vuong

Die Türen zum Dietiker Stadthaus blieben lange geschlossen. Um einen Platz in der vordersten Reihe im Gemeinderatssaal zu ergattern, nahmen einige Fans des Mundartsängers Adrian Stern am Freitagabend etwas Wartezeit vor der Türöffnung gerne in Kauf. Dann war es so weit.

Der Badener Singer-Songwriter ist bekannt und beliebt für seine herzerfrischenden Liebeslieder. Spontan liess er aber auch einigen Lokalkolorit in seine Ohrwürmer einfliessen. Sich und sein Image nahm er indes auch etwas hoch: «Meine Garderobe ist gerade neben dem Standesamt, so etwas hatte ich bisher noch nicht.»

Zum Einstieg spielte der Sänger, solo mit Gitarre und Loop-Gerät ausgerüstet, eine jazzige Version von «Lieber Lieder». Im Stück «Alles was du wotsch» improvisierte Stern und nahm Bezug auf die Lokalität: «Dumm isch gloffe, du hesch mi de ganzi Weg bis zum Stadthussaal mitgnooo.» Sein Hit «Amerika» aus dem Jahr 2010 sang er aus Gründen der Aktualität leicht verändert: «Wenn dir der Präsident nid passt, denn verschwindet mr halt uf Kanada.»

Es begann mit Chris der Burgh

Dass der 43-jährige Liedermacher in seinen Songs Geschichten erzählt, verdankt er nicht zuletzt dem Walkman seiner Schwester, auf dem damals Chris de Burghs «Crusader» lief. Dieses Lied sei der Wendepunkt gewesen, bei dem Stern von gitarrenlastiger Musik zu Liedern wechselte, in denen die Gitarre Worte mitträgt.

Getragen von der verträumten Stimmung, die zuweilen auch mit Gitarrenloops betont wurde, sangen einige Fans in passenden Momenten mit. Stern sagte: «Ich weiss, dass nicht alle Besucher freiwillig an meine Konzerte kommen, deshalb könnt ihr in der Pause Lieder an die Tafel notieren, die ihr euch wünscht, aber nicht von mir sind.» Neben Elvis Presleys «Can’t help falling in love» oder Ed Sheerans «Perfect» war auch das Lied «Grace Kelly» von Mika darunter. Stern wählte und spielte den Mika-Song, weil der Wunsch zeige, dass diese Person gerne an einem anderen Konzert wäre.

«Sehr authentisch»

Dass dies höchst wahrscheinlich nicht der Fall war, zeigte sich in den Reaktionen der Zuhörerinnen und Zuhörer. «Adrian Stern hat das Publikum gleich mitgerissen», fand Claudia Eggenschwiler aus Olten. Ihre Kollegin Andrea Bürgi ergänzte: «Sehr authentisch.» Auch der Dietiker Fredi Giger, dessen Grosskinder Adrian Stern mögen, lobte: «Es war super, tolle Improvisationen, sehr sympathisch.» Hinter vorgehaltener Hand sagte eine Besucherin: «Er ist ein Schnüggel.»