Die Gegner der Limmattalbahn haben genügend Unterschriften gesammelt für ihre Initiative, welche die zweite Etappe der Bahn noch bodigen soll. Obwohl die Abstimmung über den Kredit für die Bahn im November 2015 mit 64,5 Prozent Ja-Stimmen deutlich angenommen wurde, soll nun nochmals abgestimmt werden. Der Kanton dürfe dem Bezirk, in welchem 54 Prozent der Stimmberechtigten Nein sagten, diese Bahn nicht gegen seinen Willen aufzwingen, argumentieren die Gegner.

Das erinnert stark an die 1980er-Jahre, als der Bezirk Dietikon geschaffen wurde. Nachdem der Regierungsrat 1983 ein Konzept verabschiedet hatte, welches unter anderem vorsah, die Limmattaler Gemeinden als eigenen Bezirk von Zürich zu lösen, kam die Vorlage 1984 in den Kantonsrat. Dieser sagte – wie auch rund 30 Jahre später bei der Abstimmung über die Limmattalbahn – Ja dazu. Im März 1985 wurde die Vorlage dem Zürcher Stimmvolk unterbreitet. Dieses gab dem neuen Bezirk seinen Segen: Rund 155 000 Stimmberechtigte sagten Ja, während nur knapp 115 000 gegen die Abspaltung waren. In allen elf Gemeinden des geplanten Bezirks Dietikon waren die Gegner in der Mehrheit.

Die «Bemutterung» des Limmattals

Gründe dafür dürfte es diverse gegeben haben: Uitikon, Birmensdorf und Aesch fühlten sich wenig mit dem Limmattal verbunden, während man in Dietikon möglicherweise Angst vor einem eigenen Bezirksgefängnis hatte. Keine gemeinsame Haltung vertraten die Limmattaler Gemeindepräsidenten. Während man in Aesch argumentierte, es spiele keine Rolle, ob sich die Bezirksverwaltung in Dietikon oder in Zürich befinde, sprach Unterengstringen von einer «Bemutterung» des Limmattals durch die Stadt Zürich und das Oberengstringer Gemeindeoberhaupt fand, es sei «ein Akt der politischen Gerechtigkeit», wenn das Limmattal seinen eigenen Bezirk bekomme.

Die Ablehnung in der eigenen Region beflügelte die Gegner des Bezirks Dietikon, weiter gegen das Projekt zu kämpfen. Die beiden Kantonsräte Hans Wiederkehr (SVP, Dietikon) und Werner Dörig (CVP, Uitikon) lancierten eine parlamentarische Initiative, um den beschlossenen Bezirk wieder aufzuheben. Die beiden Limmattaler Politiker vertraten die Ansicht, es sei unnötig, Geld auszugeben für die Schaffung eines neuen Bezirks.

Im Kantonsrat wurde der Initiative von Dörig und Wiederkehr die Unterstützung verwehrt. Dass dies auch mit der Initiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» geschieht, ist gut vorstellbar. Denn im März 2015 sagte der Kantonsrat mit 162 zu 4 Stimmen Ja zum Kredit für die zweite Etappe der Limmattalbahn. Weigert sich der Kantonsrat, den Volksentscheid aufzuheben, wird die Initiative automatisch dem Volk weitergereicht.

Als es um den Bezirk ging, mussten die Gegner, die immer noch nicht aufgeben wollten, zuerst eine Volksinitiative starten. «Das Argument, ein Volksentscheid sei auch in diesem Fall zu akzeptieren, ist nicht stichhaltig, da es hier ausschliesslich um die betroffene Region geht», hielt das Initiativkomitee fest, dem unter anderem auch Christoph Blocher angehörte. Über die sogenannte «Abschaffungsinitiative» befand das Stimmvolk im März 1988. Wieder sagte es deutlich Ja zur Schaffung des neuen Bezirks. Das Limmattal selber war mit 54 Prozent nach wie vor dagegen. Mittlerweile befürworteten aber mit Dietikon, Geroldswil und Weiningen immerhin drei Gemeinden den eigenen Bezirk. Dieser nahm mit dem Beginn der ersten Amtsdauer am 1. Juli 1989 offiziell die Arbeit auf.

Ja zur Limmattalbahn

Ja zur Limmattalbahn

64.5 Prozent der Zürcher sagen Ja zur Limmattalbahn. Die Bahn führt voraussichtlich ab 2022 von Altstetten in die Gemeinde Killwangen.