Schlieren

Ein Rapper dirigiert die Legenden von morgen

Der Musikverein Harmonie Schlieren bot an seinem Jahreskonzert viele Überraschungen und kündigte Grosses an. Mit einer lang anhaltenden Standing Ovation wurden die Musiker nach ihrem Auftritt verabschiedet. Es war ein verdienter Lohn.

Denn der Musikverein Harmonie Schlieren (MHS) unter der Leitung von Thomas Mosimann hat bei seinem Jahreskonzert im Salmensaal in Schlieren viel gewagt - angefangen beim Auftakt. Einen Moment lang fühlte man sich da wie in einem alten römischen Kolosseum. Mit Fanfaren und einer Ansprache von MHS-Präsident Martin Bösch wurden die Festspiele eröffnet.

«Helden von heute sind Legenden von morgen und schaffen das Fundament für die nächste Generation», sagte Bösch zu Beginn des mit grossen Herausforderungen bestückten Liederabends. Bereits bei «Perseus», dem zweiten Stück, wurde dem Korps einiges abverlangt, wie Dirigent Mosimann zu berichten wusste: «Dieses gehaltvolle, kraftvolle mit ruhigen und schnellen Passagen gespickte Stück war eine besondere Herausforderung.» Damit aber nicht genug der Anstrengungen. Zum ersten Mal setzte sich der MSH in jedem Register auch gesanglich in Szene - und das bei einer extrem kurzen Vorbereitung.

Nur zehn Wochen Vorbereitung

Den sechzig Musikern aufgeteilt in neun Register, welche durchschnittlich 3-stimmig besetzt sind, blieb bis zur finalen Präsentation nur gerade eine Vorbereitungszeit von rund zehn Wochen. «Erst nach dem Schlierefäscht Mitte September begann für uns die entscheidende Phase», erklärte Mosimann. MHS-Präsident Bösch fügte an: «Es war ein strenges Programm. Doch das Lachen in den Gesichtern ist der beste Beweis, dass wir wieder etwas Grossartiges geschafft haben.»

Dies zeigte sich beispielsweise beim schwierigen General-Guisan-Marsch, der eine gute Überleitung zur Showeinlage der Tambouren-Gruppe der Knabenmusik Zürich bildete, welche den MHS jedes Jahr beim Sechseläuten als Musik der Zunft zum Widder begleitet. Zu überzeugen wusste auch E-Bassistin Beatrice Benz, die bei den Stücken «The Mask of Zorro», «Batman» und beim «James-BondSelection»-Medley in den tiefen Tonlagen eine grosse Unterstützung war.

Eine Überraschung wurde dann das sinnigerweise mit «Surprise» angekündigte letzte Stück im Programm. Dirigent Thomas Mosimann wagte tatsächlich einen Auftritt als Rapper. Nur gerade 72 Stunden hatte Mosimann, der letzten Dienstag stolzer Vater einer Tochter namens Moana wurde, Zeit, sich den Text zum Arrangement von Mario Bürki einzuprägen. «Es war sehr gewagt, aber in der Kürze liess sich kein valabler Ersatz beschaffen», schmunzelte Mosimann anschliessend. Denn beim Rappen gebe es nur eine Möglichkeit: «Top oder Flop».

Projekt mit dem Männerchor

Die zweite grosse Überraschung des Abends lieferten die Musiker. Der MHS spielte nämlich nicht in Galauniform, sondern ganz in Schwarz. «Unserer grauen Galauniform haben wir den Legenden-Stempel aufgedrückt und sie ausgemustert. Wir setzen auf die rote Strassenuniform und bei Konzerten auf ein bequemes einheitliches Tenü, welches vorgängig abgesprochen wird», erklärte Mosimann.

Austauschen muss Markus Höhn wohl auch sein altes Fernsehgerät, denn er war der Glückspilz bei der Nietenverlosung kurz vor Mitternacht. Tenor-Saxofonistin Carmen Leemann von der Jugendmusik Schlieren zog sein Los aus einem grossen, weissen Kubus und verschaffte ihm damit einen neuen Flachbild-Fernseher. Eine besondere Auszeichnung hat sich zudem Moderatorin Fiona Stiefel verdient. Sie führte charmant und elegant mit ihren Ansagen durch den Abend. Ein Abend, der mit einer grossen Ankündigung endete. Im Sommer 2012 werden der MSH und der Männerchor Schlieren, die beiden grössten Vereine der Stadt, für ein gemeinsames Projekt zusammenspannen. «Es wird in der reformierten Kirche ein Konzert geben, das man auf keinen Fall verpassen darf», sagte Dirigent Mosimann vielsagend.

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