Wie kommt ein derart bekannter Schweizer Trainer wie Uli Forte dazu, in einer Veranstaltung des FC Uitikons Frage und Antwort zu stehen? «Ganz einfach», sagt Martin Cincera, Präsident des «Üdiker» Fussballclubs. «Als er hierher zog, luden wir ihn ein. Es war ganz unkompliziert: Zwei bis drei Telefonate, ein paar Whatsapp-Nachrichten und schon war die Sache geritzt.»

Uli Forte wohnt seit rund zwei Jahren in Uitikon, kein Wunder also, dass er viele Leute kennt. Als er fünf Minuten vor Beginn in den Saal kommt, ändert sich die Stimmung kaum: Es wirkt immer noch familiär und keineswegs so, als würde ein «Star» mitmischen. Der 44-Jährige wird mit seinem Vornamen angesprochen und plaudert ausgelassen mit den anwesenden Dorfbewohnern. Fünf Minuten nach offiziellem Beginn bittet Mitorganisator Sergio Pulitano das Publikum, sich hinzusetzen – und Uli Forte, sich auf die Bühne zu begeben.

Zuerst stellte der Präsident des FC Uitikons Forte vor. Als er erwähnte, dass er auch schon den amtierenden Meisterclub YB trainierte, rief jemand zur Belustigung der Anwesenden: «Darum ist YB jetzt auch so gut!»

Was denn der Unterschied eines breiten Sportfussballclubs und einer ambitionierten Nati-A Mannschaft sei, fragte Cincera zu Beginn. Uli Forte beantwortete die Frage simpel: Der grösste Unterschied sei, dass bei den Dorfclubs immer der Spass im Vordergrund stehen sollte. «Wenn ich Juniorenspiele schauen gehe, sehe ich manchmal Trainer, die mit ihrer Mannschaft umgehen, als wären sie in der Champions League. Das verstehe ich nicht, denn die Kinder sollen den Spass am Sport behalten und nicht wegen eines zu ehrgeizigen Trainers mit unrealistischen Zielen aufhören, Fussball zu spielen.»

Es sei wie bei einem Berg: Ohne den Boden gebe es auch keine Spitze. Und wenn man den Boden verliert, breche alles zusammen.

Vorbildliche Schweiz

Es wurde auch über die verlorene Menschlichkeit in der Nachwuchsförderung gesprochen. Die sogenannte Stromlinienförderung sei vor allem für junge Stürmer später ein Problem. «Wenn die jungen Stürmertalente auf eine Spielweise hin gezüchtet werden, fehlt ihnen später das gewisse Etwas. Die Intuition ist eine wichtige Eigenschaft, die so verloren geht», erklärt Forte.

Der Schweizer Nationalmannschaft mangle es nicht an guten Verteidigern oder Mittelfeldspielern, doch einen wirklich guten Stürmer habe es schon lange nicht mehr gegeben, einer, der sich im internationalen Fussball etabliert.

Auch «Strassenfussball», also das Kicken mit Freunden auf der Strasse oder dem Pausenplatz, fehle heutzutage. «Früher gingen wir oft mit unseren Kollegen Fussballspielen. Das Netz im Goal des roten Platzes war unser Heiligtum. Wenn jemand mit dem Feuerzeug am Netz rumwedelte, sprangen wir ihm an den Hals», sagt Forte schmunzelnd.

Darauf streckte ein Junge aus dem Publikum die Hand in die Höhe und fragte den Ex-FCZ Trainer, wie er das denn genau meine: «Also meinen Sie damit, dass Sie sie geschlagen haben? Oder wie ‹an den Hals springen?›» Die Frage löste im Publikum und beim Gast ein Kichern aus. Forte klärte den Jungen auf, dass er es nicht wörtlich gemeint habe. Sie hätten damals einfach das Netz verteidigt.

Nichtsdestotrotz stellt Uli Forte auch klar, dass die Schweiz «top» sei, was die Nachwuchsförderung anbelangt. Die Schweiz fördere ihre jungen Spielerinnen und Spieler stark, was man auch an internationalen Erfolgen wie der U17 Weltmeisterschaft aus dem Jahr 2009 sehen könne.

Der Familienvater suchte häufig den Kontakt zum Publikum. Vor allem zu den kleinsten Fans, die sich alle in der ersten und zweiten Reihe platziert hatten. Aufgeregt tuschelten die jüngsten Mitglieder des FC Uitikons miteinander und stellten Trainer Forte viele Fragen.

Ein anderer fragte ihn, wer sein Lieblingsspieler der kroatischen Nationalmannschaft sei. «Ivan Rakitic, ganz klar. Schade nur, dass er nicht für unser Kader spielt», lautete die Antwort. Die jungen Besucher wollten alles wissen und fragten ihn auch die üblichsten aller Fussballerfragen: Messi oder Ronaldo? GC oder FCZ?

Die Frage, auf die alle gespannt waren, wurde bis zum Schluss aufgehoben: Was macht Uli Forte jetzt? Denn seit seiner Entlassung als Trainer beim FCZ ist es ruhig um den ehemaligen Profitrainer geworden. «Eigentlich wäre ich für diese Saison als Trainer der Nationalmannschaft unserer U21 engagiert gewesen. Doch die Zusammenarbeit kam aus verschiedenen Gründen schliesslich nicht zustande», sagt er dem neugierigen Publikum. Was für Gründe das waren, lässt er offen.

Überraschenderweise war der FC Uitikon, abgesehen von den kleinen Fans, kaum vertreten. Lediglich ein einziger Spieler und der Trainer der Erstmannschaft waren anwesend. «Ich hätte mir schon ein wenig mehr Präsenz der Spieler erhofft. Eine Erklärung habe ich dafür nicht», sagte der Trainer Stefan Lerchmüller nach der Veranstaltung.

Dennoch war der Abend für die Organisatoren des FC Uitikons ein voller Erfolg: Es kamen Menschen zusammen, tauschten sich aus, plauderten und schauten gemeinsam noch ein Fussballspiel. «Genau solche Events tun der Gemeinde gut», sagt Cincera.