In Urdorf spukt es. Ein Phantom hat sich in die Zentrumshalle geschlichen und treibt nun seinen Schabernack. Derart frech tritt es auf, dass selbst Pfarrer Max Kroiss mit seinem Latein am Ende ist – seine Weihrauch-Offensive fruchtet nicht. In einer Videoeinspielung gibt sich auch Kantonsrätin Sonja Gehrig ratlos. Alle Bemühungen, das Phantom zu integrieren, seien gescheitert. Nicht einmal in den FC Urdorf wollte es sich aufnehmen lassen.

Schulpräsident Stefan Zehnder, der ebenfalls in einer Einspielung zum Publikum spricht, verwirft die Hände. Nichts sei mehr, wie es früher war. Während dem Turnunterricht verrückten sich die Bänke und die Bälle flögen Zickzack. Die Schulpsychologen seien völlig überlastet. Wenn das so weitergehe, müsse er seinen Job an den Nagel hängen. Ist nun also das Phantom daran schuld, dass Zehnder bei den Wahlen am 4. März nicht wieder antritt?

Eine stimmige Geschichte gewebt

Ein bisschen fürchtete man sich schon ob all dieser Schreckensnachrichten. Doch war das Phantom am Samstag in guter Absicht da. Nachdem es sich vom Musical Häxefüür 2014 hatte berauschen lassen, zwang es nun den Limmichor und die Harmonie Urdorf, ein Musical aufzuführen. Als Solisten des Jahreskonzerts durften dabei Anja Haeseli und Jochen Schaible figurieren.

«Casting – die Musical Show» ist ein Gemeinschaftsprojekt des Dirigenten Pascal Müller und des Limmichor-Leiters Patrik Elsaid. Ihnen gelang das Kunststück, Songs aus verschiedenen Musicals zusammenzubringen und daraus eine stimmige Geschichte zu weben. Zusammengehalten wurde sie durch das Phantom: Neckisch-keck meldete es sich immer wieder zu Wort und moderierte von einem Stück ins nächste.

Schon nach den ersten Takten wusste man: Die langen Proben, die ihren Anfang im Juni genommen hatten, haben sich gelohnt. Das Blasorchester und der Chor boten den Solisten mehr als nur einen würdigen Klangteppich. Sie schwangen sich über diese Begleitrolle hinaus und verzauberten auch für sich alleine genommen. Einzig schade war, dass der Limmichor über weite Strecken etwas leise wirkte – aber man spitzte die Ohren gerne für ihn.

Hämisch und überirdisch

Eine bei Anja Haeseli zu Beginn noch spürbare Zurückhaltung löste sich schnell in pure Gesangsfreude auf. Scheinbar spielend meisterte sie die schwierigsten Passagen – dabei hatte sie stets ein unwiderstehliches Lächeln auf den Lippen. Jochen Schaible war in der Rolle des Phantoms grossartig. Gesang, Mimik und Körpersprache schienen alle gleichermassen von einem hämischen überirdischen Wesen beseelt zu sein.

Das Publikum hatte fast nur lobende Worte übrig: «Ich finde es mutig, wie sich Chor und Orchester immer wieder auf neue Projekte einlassen», sagte etwa Schulpfleger René Eberle. Auch Stefan Zehnder fühlte sich bestens unterhalten: «Es ist kurzweilig, die Stücke folgen Schlag auf Schlag», sagte er.

Nach zweieinhalb Stunden war das unterhaltsame Musical zu Ende. Möge das Phantom bald weiterspuken!