Dietikon

Ein paar hundert mehr - Die Dietiker Stadthalle will grössere Anlässe

Die runderneuerte Technik solle neue Mieter anziehen, hofft Präsident Jürg Meier.

Wenn er wollte, dann könnte Jürg Meier das Licht in der Dietiker Stadthalle von seinem Bett aus ein- und ausschalten. Auf seinem Smartphone hat der Genossenschaftspräsident der Halle eine App, mit der er sämtliche Lichter des Gebäudes bedienen kann. Sogar die Farben der LED-Beleuchtung im Foyer lassen sich ganz einfach per Knopfdruck wechseln, wie Meier bei einem Gespräch in der Halle nicht ohne Stolz vorführt. Die sogenannte KNX-Steuerung ist eine der Investitionen in seinem ersten Jahr als Präsident der Hallengenossenschaft. Eine Zeit, die er als «spannend und lehrreich» bezeichnet. In dem Jahr wurden auch grosse Bereiche der alten Beleuchtung auf sparsame LED-Leuchten umgestellt. «Wir sind auf einem hohen technischen Niveau», sagt Meier.

Jürg Meier, Präsident der Genossenschaft Stadthalle.

Jürg Meier, Präsident der Genossenschaft Stadthalle.

Die Neuerungen hat er an der Generalversammlung diese Woche den Mitgliedern der Genossenschaft präsentiert — zusammen mit einem positiven Geschäftsergebnis für das Betriebsjahr 2014/2015: 3000 Franken Ertragsüberschuss hat die Halle erwirtschaftet. «Das ist nicht viel. Aber wir haben auch einiges wieder investiert», sagt Meier. Angesichts der schnellen technologischen Entwicklung sei dies für den Veranstaltungsort unausweichlich. «Man darf als Veranstaltungsort nicht stehenbleiben.» Die Stadthalle habe aufgrund ihrer Grösse und Konzipierung als Mehrzweckgebäude zwar kaum Konkurrenz im Limmattal. «Und Veranstaltungsorte in der Stadt Zürich spielen oft in einer höheren Liga.» Trotzdem müsse die Stadthalle den Mietern einen gewissen Standard bieten.

Dieser reicht manchmal trotzdem nicht, um eine Veranstaltung in die Stadthalle zu bringen: So scheitert die Vermietung hin und wieder an der feuerpolizeilichen Bewilligung, mit der höchstens 1050 Besucher in die Halle und 300 auf die Tribüne dürfen. «Diese maximale Belegung schränkt uns ein», sagt Meier. Für einzelne grössere Veranstaltungen möchte die Genossenschaft deshalb die Maximalbelegung um ein paar Hundert Besucher erhöhen. «Der Antrag dafür liegt zurzeit bei der Feuerpolizei», so Meier.

Auch Schwingeten finden in der Dietiker Stadthalle statt.

Auch Schwingeten finden in der Dietiker Stadthalle statt.

Mehr KMU-Anlässe akquirieren

Neben grösseren Veranstaltungen möchte Meier künftig auch mehr Geschäftsanlässe des lokalen Gewerbes in der Halle unterbringen. «Dafür werden wir Anfang nächstes Jahr auf die KMU aus der Region zugehen», sagt Meier. An einem Info-Anlass soll den Firmen die Halle als Veranstaltungsort schmackhaft gemacht werden. Denn auch wenn Meier die Auslastung der Halle im letzen Betriebsjahr als «positiv» bezeichnet, ist sie im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken: von 103 auf 99 Anlässe und Veranstaltungen. Der Genossenschaftspräsident führt diese Entwicklung auf die schwierige Wirtschaftslage zurück. «Ist der Geschäftserfolg kleiner, verzichten Unternehmen eher auf grosse Firmenanlässe», sagt Meier.

Dass die Erhöhung der Mieten im letzten Jahr zum Rückgang der Anlässe beigetragen hat, glaubt Meier nicht. Die Mieten seien nur moderat und bloss für auswärtige Erstmieter angepasst worden. «Bei regelmässigen Veranstaltungen sind wir mit dem Preis nicht nach oben. Und die lokalen Vereine profitieren nach wie vor von vergünstigten Konditionen.»

Auch Hochzeitsgesellschaften buchen die Stadthalle.

Auch Hochzeitsgesellschaften buchen die Stadthalle.

Behörden helfen bei Beurteilung

Die gelegentlich geäusserte Kritik, die Halle sei für lokale Organisationen zu teuer, lässt Meier deshalb nicht gelten. «In der Stadthalle darf jeder Mieter selber wirten. Gesamthaft gesehen liegen wir deshalb im unteren Preissegment.» Ebenso wehrt sich der Präsident gegen Kritik an der Vermietpraxis. Diese äusserte etwa FDP-Gemeinderat Martin Romer vergangenes Jahr in einem Postulat — mit Blick auf die 2012 und 2014 in der Halle durchgeführte Hanfmesse Cannatrade oder die Massenschlägerei an einem Eritreer-Fest im Jahr 2013.

«Mit dem Wirtschaftspodium oder dem Swiss Cake Festival finden in der Halle qualitativ hochwertige Veranstaltungen statt», entgegnet Meier. Für Anlässe, die nicht dem Standard entsprechen, werde die Halle nicht vermietet. «Bei der Beurteilung der potenziellen Mieter stehen wir im ständigen Austausch mit den Behörden.» Deren Erfahrung helfe zu erkennen, ob eine Veranstaltung zu Problemen führen könnte. Die Qualität einer Veranstaltung liegt für Meier in vielen Fällen aber ohnehin im Auge des Betrachters. Etwa bei Konzerten mit in der Schweiz unbekannten, ausländischen Künstlern. «Eine Party mit einem solchen Sänger mag für manche minderwertig sein.» Doch oft sei der Musiker in seinem Heimatland ein Star, für den in der Schweiz lebende Fans «sogar von Genf nach Dietikon fahren, um ihn zu hören».

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