Schauplatz
Ein Morgen in der Weininger Webstube: «Weben macht ein bisschen süchtig»

Beim Besuch in der Weininger Webstube wird klar, dass Weben auch ganz schön anstrengend sein kann. Es braucht Geduld und Zeit, was sich diese Frauen für ihr gemeinsames Hobby gerne nehmen.

Clara dos Santos Buser
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Das neue Tuch wird im Schlössli herumgereicht. Während der Sitzung besprechen die Frauen vollendete Werke und neue Projekte.
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Webstube Weiningen
Natalie Ammann aus Dietikon «Am Tag der offenen Türe habe ich ein gewobenes Badetuch gewonnen. Das hat mich auch motiviert, hier zu weben. Ich mag das Zusammenspiel zwischen Händen, Füssen und Kopf. Es wirkt wie eine Therapie.»
Die Weiningerin Judith Niggli «Um die Tritte gut zu spüren, webt man am besten ohne Schuhe.»
Ursula Heuscher aus Kloten «Weben macht ein bisschen süchtig. Etwas mit den Händen zu kreieren , ist faszinierend.»
«La Grande Dame» der Webstube: Alice Niggli zeigt ein Bild des Tuches, das die Weberinnen in den 70er Jahren dem abtretenden Weininger Gemeindepräsident Heinrich Saxer geschenkt haben. Er rief 1974 die Webstube ins Leben.
Anita Fröhlich «Ich finde es gut, dass wir eine Interessengemeinschaft sind. Wir haben keinen Vorstand, sondern organisieren alles selbstständig.»

Das neue Tuch wird im Schlössli herumgereicht. Während der Sitzung besprechen die Frauen vollendete Werke und neue Projekte.

Clara dos Santos Buser

In der Webstube im Weininger Schlössli werden Gänseaugen auf den Tisch gebracht. Die erfahrene Weberin Alice Niggli hat hellgelbe Handtücher mit diesem Muster hergestellt. Gemeinsam mit zwölf weiteren Frauen aus dem Limmattal, dem Aargau und dem Zürcher Oberland webt sie einige Male im Monat.

«Wir sind kein Verein oder ein Kurs, sondern eine Interessengemeinschaft», sagt Anita Fröhlich. Die Weiningerin schätzt die Zusammenarbeit mit den anderen Frauen. Denn Weben bedeutet Teamarbeit. Die Webstühle werden nach einem Muster eingerichtet, das gemeinsam festgelegt wird. Individuell bestimmen die Hobby-Handwerkerinnen die angewendeten Farben und Materialien.

Die Frauen wechseln sich auf einem Webstuhl ab, bis die Fäden am Ende des Stuhls ganz aufgebraucht werden. Der meterlange Stoff wird schliesslich in die einzelnen Kreationen zerteilt. «Weben braucht Zeit», sagt Fröhlich. Sie habe einen Tischläufer im April gefertigt, der immer noch auf dem Webstuhl sei.

Das Handwerk erfordert Geduld. Umso mehr freuen sich die Frauen, wenn die Kreationen zustande kommen. Eine bewusste Pflege der Tradition ist auch vorhanden. So sagt Ursula Heuscher: «Weben ist ein schweizerisches Kulturgut. Es lohnt sich, dafür Sorge tragen.»