Oberengstringen
Ein Mann, ein Boot und seine 7400 Kilometer lange Segeltour

Profi-Segler Simon Koster sticht im Herbst in einem Einmann-Segelboot in See. Nach Jahren der Vorbereitung ist Simon Koster in jeder Hinsicht bereit. Am Mittwoch informiert er in der katholischen Kirche Oberengstringen über die bevorstehende Tour.

Daniel Diriwächter
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Simon Koster aus Oberengstringen sticht mit seiner «Mini» in See. Diesen Herbst will er bei einer Regatta den Atlantik überqueren. Pierre Bouras

Simon Koster aus Oberengstringen sticht mit seiner «Mini» in See. Diesen Herbst will er bei einer Regatta den Atlantik überqueren. Pierre Bouras

Simon Koster hat einen Traum: Der 24-jährige Profi-Segler aus Oberengstringen will den Atlantik überqueren. Seine bislang wichtigste Regatta startet diesen September an der französischen Atlantikküste. Die sogenannte «Mini Transat Race 2013», die alle zwei Jahre stattfindet, soll Koster bis nach Guadeloupe führen, mit einem Zwischenstopp auf den Kanarischen Inseln. 7400 Kilometer für nur einen Mann, ein Boot und ein abenteuerliches Ziel. Am Mittwoch informierte Koster in der katholischen Kirche Oberengstringen über die bevorstehende Segeltour.

Nach Jahren der Vorbereitung ist Simon Koster in jeder Hinsicht bereit. Die Liebe zum Segeln wurde ihm in die Wiege gelegt. Beeindruckt vom Hobby der Eltern, war Koster schon als 13-Jähriger auf den Schweizer Seen unterwegs. Damals noch mit einer «Optimist», einem Segelboot für Kinder. Obwohl er später den Beruf eines Elektrikers erlernte, blieb das Wasser für Simon Koster spannender.

Einzelkämpfer auf hoher See

Mit den Jahren wurden seine Boote grösser und Jachten waren das Ziel. Also absolvierte Koster in England eine Skipper-Ausbildung und bei den darauffolgenden Segeltörns schlug er sich wacker. «Die eigentliche Herausforderung waren meist die Gäste, nicht das Segeln», erzählt er amüsiert. Seine Emanzipation in der Nautik erfuhr er in diversen Regatten der Offshore-Segelklasse. Wettkämpfe wie die «Tour de France à la Voile» bestimmten seinen Alltag und flugs war er im französischen wie im englischen Atlantik fast so bekannt wie der Fliegende Holländer am Kap der Guten Hoffnung.

Koster ist ein Einzelkämpfer. Sein erstes Mal im Einhandsegeln prägte ihn: «Obwohl es unglaublich anstrengend war, wusste ich sofort: Das ist es!» Zum Kapitän gehört selbstverständlich auch ein eigenes Boot – seine «Mini 819». Rund 95 000 Franken musste er dafür aufbringen, finanziert auch durch Sponsoren und Gönner. «Vergleichsweise günstig», erklärt der Segler. Er baute das Boot selbst aus neuen Einzelteilen in Zürich zusammen.

Verzögert durch Kollision mit Wal

Mit seiner «Mini», die übrigens eine Länge von 6,5 Metern hat, schlug sich Koster bei der Qualifikation für die «Mini Transat»-Regatta wacker. Auf den geforderten Hunderten von Seemeilen erreichte er Spitzenplätze – obwohl die Kollision mit einem Wal eine achtstündige Reparatur auf hoher See nach sich zog.

Das Leben an Bord gestalte sich dabei als erstaunlich normal, abgesehen davon, dass die Toilette eine bessere Nachtpfanne ist oder die Spaghetti Bolognese als Trockennahrung auf den Teller kommen. Dafür, dass der Schlaf an Bord, eingequetscht in der winzigen Koje, auch ein kurzer bleibt, sorgt ein Wecker mit geradezu unmenschlichen 120 Dezibel.

Der nicht minder leise Startschuss für Kosters Traum fällt am 13. September in Douarnenez. Jener Küstenstadt, die auch für ihre alten Schiffswracks bekannt ist. Die Flut trieb die gesunkenen Kähne vor Jahren an Land. Ein unheilvolles Vorzeichen? Seemannsgarn, denkt sich Koster. «An der Küste der Bretagne liegen überall Wracks, das ist normal», lächelt er. Ein moderner Herr der sieben Meere sticht eben unerschrocken in See.

Informationen und Tagebucheinträge unter www.simonkoster.ch