Aesch

Ein Macher tritt in Aesch zurück — Grund für den Rücktritt von Gemeinderat dient der Gemeinschaft

Holliger hat bewirkt, dass das Restaurant Rössli im Dorfkern nach der kürzlich fertiggestellten denkmalpflegerischer Renovation zu 100 Prozent von der Holzschnitzelheizung der Gemeinde beheizt wird.

Holliger hat bewirkt, dass das Restaurant Rössli im Dorfkern nach der kürzlich fertiggestellten denkmalpflegerischer Renovation zu 100 Prozent von der Holzschnitzelheizung der Gemeinde beheizt wird.

Anfang Monat gab Hochbau- und Liegenschaftsvorstand Max Holliger (FDP) seinen Wunsch bekannt, vorzeitig als Aescher Gemeinderat zurückzutreten. Mit diesem Entscheid, dem der Bezirksrat voraussichtlich Ende Januar zustimmt, tritt ein Macher zurück, wie sich beim Gespräch über sein langjähriges politisches Wirken und seine Zukunftspläne bestätigt.

Auch während dem Gespräch zu seinem Rücktritt sprudelt Holliger nur so von neuen Ideen. Schnell wird klar: Holliger denkt in die Zukunft, hat Visionen und freut sich darauf, wenn in der Gegenwart Bewegung aufkommt und Herausforderungen durch die kommenden Innovationen der Zukunft gelöst werden. Er blickt nach vorne, bleibt seiner politischen Linie treu und ist gespannt, wie sich Aesch weiterentwickeln wird. Nur ein Haus direkt am Meer könne ihn dazu bewegen, diesen Ort zu verlassen, sagt er.

Warum also, kann man sich fragen, möchte er politisch zurücktreten? Es sei Zeit für ihn zu gehen, weil ein Rücktritt eines Gemeinderates immer bedeute, dass sehr viel Wissen verloren gehe. «Am Ende der Amtsperiode werden gleich vier Gemeinderäte zurücktreten, deshalb sehe ich mich in der Pflicht, meinen Platz schon früher zu räumen», sagt er. Wenn mehrere Gemeinderäte auf einmal gehen, dann sei dies für die zukünftigen Projekte nicht gut. Zudem solle der Nachfolgerin oder dem Nachfolger auch Zeit für eine richtige Einarbeitung gegeben werden. «Ich bin ja nicht von heute auf morgen weg, sondern bleibe sicher bis Mai und werde das neue Mitglied einarbeiten können», führt Holliger aus. Hinzugekommen sei, dass er sich mehr für grosse Veränderungen interessiere: «Es wird immer wie mehr auf Kleinthemen fokussiert und mich reizen die grossen strategischen Themen», sagt er.

Seine Inputs sorgen für ein klimafreundlicheres Aesch

Es sind Grossprojekte, die seine Arbeit in den letzten Jahren ausgemacht haben. Zuerst amtete Holliger 2010 in der Rechnungsprüfungskommission. Seit 2011 ist er Gemeinderat. Bis auf weiteres bleibt er das auch. Wann die Nachfolge gewählt wird, ist noch offen. 
Mehrere seiner Inputs wurden in den letzten Jahren umgesetzt. So erstaunt es nicht, dass die Gemeinde in ihrer Mitteilung zu seinem Rücktritt das sehr grosse Engagement betonte.

Holliger hat darauf hingewirkt, dass das Restaurant Rössli im Dorfkern nach der kürzlich fertiggestellten denkmalpflegerischen Renovation zu 100 Prozent von der Holzschnitzelheizung der Gemeinde beheizt wird. Der Holzheizungsverbund vom Werkgebäude soll auch auf das neue Mehrzweckgebäude mit der Doppelturnhalle erweitert werden. Weiter war es ihm auch ein Anliegen, Strassenlampen durch LED-Lampen zu ersetzen, die automatisch je nach Gebrauch die Helligkeit dämmen oder stärker aufleuchten. Dieses Projekt nahm er gemeinsam mit Tiefbauvorstand Roland Helfenberger (SVP) in Angriff. Für mehr Gegenwind sorgte das Vorhaben, das gesamte Dorf gemeinsam mit der Swisscom als Partner mit einem Glasfasernetz auszustatten. Besonders die Anschlusspflicht für alle Liegenschaften erhitzte 2017 die Gemüter. Mit grosser Mehrheit stimmte die Gemeindeversammlung dem Antrag damals aber zu. «Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen und hat sich verzögert, sodass bis Ende 2021 mit der Versorgung in allen fünf Teilgebieten im Dorf gerechnet werden kann», sagt Holliger.

Nur einen Höhepunkt in seiner Amtszeit könne er gar nicht nennen, weil es viele gab, sagt Holliger. 
Auch die vielen schönen Anlässe 
im Dorf erachtet er als wichtig. Sei 
das zum Beispiel der Austausch, der sich jeweils am Dorffäscht ergibt, 
oder auch eine Energieausstellung im Gemeindehaus, bei der LED-Lampen präsentiert wurden.

Der Schutz der Umwelt liegt Holliger am Herzen: «Mir gefällt die aktuelle Jugendbewegung, die gegen den Klimawandel agiert und mit Drang aktiv etwas zu ändern versucht, auch wenn unsere Generation an den Pranger gestellt wird.» Eine solche Bewegung in der Gesellschaft liege lange zurück, sagt er. Er erwarte auch weiterhin, dass sich Politiker aktiv dem Klimaproblem stellen und Massnahmen entwickeln. Zudem sind Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit und das Fördern von Heimarbeit und Kindertagesstätten für ihn von Bedeutung. Holliger engagiert sich zudem im Verein «Vaterschaftsurlaub jetzt!».
In der Gemeinde Aesch steht seit drei Jahren sein Projekt an, eine Photovoltaikanlage auf dem Werkgebäude anzubringen. Zudem möchte er für Elektrofahrzeuge eine Ladestation im Dorf und ein kleines Paradies für Wildbienen beim Werkhof verwirklichen. «Gerade bei solchen Projekte kann mit Vereinen zusammengearbeitet werden», sagt er. Aesch zeichne sich durch ein hervorragendes Netz engagierter Vereine aus.

Trotz Widerständen sei es eine gute Zusammenarbeit gewesen

Auf Aesch warten Herausforderungen. «Zum Beispiel die Tatsache, dass sich in den letzten zwei Jahren die Anzahl der Kinder im Dorf verdoppelt hat», sagt er. Den Weg in die Politik würde er wieder wählen. Erst als er 2005 nach Aesch gekommen sei und dieses schöne Dorf kennenlernte, wollte er in die Politik. «Natürlich konnte ich mich aufregen, besonders in Momenten, in denen man von einer Sache überzeugt ist und dann auf Widerstand aus den anderen Reihen stösst», sagt er. Alles in allem seien die Jahre aber von einer sehr guten Zusammenarbeit geprägt gewesen. Nicht nur dem Gemeindepräsidenten Johann Jahn (Forum), sondern auch Susanne Burla, ehemalige Gemeinderätin (parteilos), und den Gemeindemitarbeitern gelte deshalb sein besonderer Dank. «Es ist nicht so, dass alles von mir kam, es sind auch Inputs von anderen, die den Anstoss für ein nächstes Projekt gaben.»

Auch die Bibliothek machte in seiner Amtszeit einen Umzug durch und wurde vom Türmlihaus an der Dorfstrasse in die Scheune an der Haldenstrasse verlegt. Max Holligers Frau Brigitt Holliger ist die Bibliotheksleiterin: «Auch ihr gilt ein Dank für die Jahre, in denen sie mich unterstützte und so einiges mitmachen musste. Ich bin nun 65 Jahre alt, habe zehn Enkelkinder und möchte mich neu ausrichten. Es wird mir die Zeit und Energie fehlen, deshalb ist der Rücktritt gut so», sagt er. Er werde mehr Zeit finden, die er seiner Tätigkeit als Erwachsenen-Ausbildner und der Lehrlingsausbildung in Programmiersprachen widmen kann. Zudem sei er weiterhin als Systemprogrammierer tätig. Auch seine Hobbys, dem Zeichnen und Fotografieren, möchte er nachgehen. «Ich werde mehr reisen und Französisch lernen. Denn neben dem Charme, den Aesch sehr wohl hat, liegt mir auch das französische Lebensgefühl am Herzen.»

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Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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