Limmattal
Ein Limmat-Abschnitt soll offiziell nationale Bedeutung erhalten

Das Flussgebiet zwischen Dietikon und Geroldswil soll nationales Schutzgebiet werden. Der definitive Entscheid fällt Ende Jahr.

Lina Giusto
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Die Natur des Auengebiets
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Auengebiet Dietikkon-Geroldswil
Die Natur des Auengebiets
Die Natur des Auengebiets

Die Natur des Auengebiets

Anja Mosbeck

Das Gebiet «Dietikon-Geroldswil» soll neu ins Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen werden. Es umfasst eine Fläche von 75 Hektaren, was mehr als hundert Fussballfeldern entspricht. Das Bundesamt hat die Liste in die Vernehmlassung geschickt; die Anhörung dauert bis 6. November.

Der Bund ist verpflichtet, Lebensräume bedrohter Tiere und Pflanzen zu schützen. Er führt dazu sechs verschiedene Bundesinventare, welche die geschützten Lebensräume «Auen», «Trockenwiesen», «Hochmoore», «Flachmoore», «Amphibienlaichgebiete» sowie «Moorlandschaften» definieren. Die entsprechenden Inventare und Verordnungen muss das Bundesamt für Umwelt periodisch nachführen, ergänzen und anpassen.

Das neu in der Liste vorgesehene Auengebiet entlang der Limmat zeichnet sich durch ein vielfältiges Lebensraummosaik aus: Neben dem Hauptfluss, der Limmat, gibt es eine Reihe von Flussseitenarmen, Altarmen und Weihern. Die Vegetation im Limmattaler Auengebiet umfasst viele Flachmoorbereiche mit Schilfbeständen, Seggenriedern, aber auch Waldteile wie Weidengebüsche, Silberweiden, Grauerlen- und Eschenwälder. Durch die teilweise Revitalisierung der Limmat kann der Fluss in Teilabschnitten sein Bett freier gestalten.

Gebiet massiv aufgewertet

Durch gelegentliches Überschwemmen von Flächen oder der Änderung des Flusslaufes zerstört die Limmat Lebensräume und lässt gleichzeitig neue entstehen. Diese Auendynamik erzeugt eine aussergewöhnliche Vielfalt von Arten und Lebensräumen. Zudem spielt die Limmataue eine wichtige Rolle im regionalen Wasserhaushalt.

Laut Thomas Burger, Forstingenieur und Geschäftsführer von Burger & Liechti GmbH, sind nun die «vier bisherigen Flachmoorgebietsteile von nationaler Bedeutung im Dietiker Schachen und Werd sowie die Geroldswiler Auen zusammengefasst worden.» Bei Letzterem handle es sich um ein Naturschutzgebiet von überkommunaler Bedeutung. Die Massnahmen dazu sind in der kantonalen Verordnung vom 21. Juli 2005 festgehalten.

«Zusätzlich ist auch das Gebiet Binzerliweiher, ein für die naturnahe Erholung aufgewertetes Gebiet, und die gesamte Dietiker Limmatuferseite unterhalb des EKZ-Werkareals bis zum Teischlibach aufgenommen worden», erklärt Burger. Durch die umfangreichen ökologischen Ausgleichsmassnahmen im Rahmen der Konzessionserneuerung des Kraftwerkes Wettingen vor zehn Jahren sei das Gebiet massiv aufgewertet worden.

Mit der Aufnahme des Limmattaler Auengebietes in die Liste der schützenswerten Lebensräume würde man der grossen ökologischen Bedeutung des Landschaftsstreifens mitten in der Agglomeration gerecht, sagt Burger.

Dies bestätigt das Bundesamt für Umwelt: «Das Gebiet ist für die Naherholung sehr wichtig, muss aber auch vor Überbeanspruchung durch den Erholungsbetrieb geschützt werden», sagt Stephan Lussi von der Abteilung Arten, Ökosysteme, Landschaften des Bundesamtes.

Laut Alexandra Deplazes, stellvertretende Gemeindeschreiberin von Geroldswil, ändert sich mit der vorgesehenen Revision wenig. «Das Gebiet auf Geroldswiler Boden, das zur Aufnahme in die Liste national schützenswerter Lebensräume vorgeschlagen wird, ist bereits in der überkommunalen Verordnung zum Schutz der Auen enthalten», sagt Deplazes. «Fragwürdig ist einzig, dass ein Teilstück der Nationalstrasse A1 dem Naturschutzgebiet zugewiesen wird», sagt Deplazes.

Keine neuen Aufgaben

Das Auengebiet an der Limmat umfasst bereits kantonale und nationale Schutzgebiete. Für das rechte Limmattal existiert bereits eine Verordnung, für die linke Seite ist eine in Erarbeitung. «Die Gemeinden würden keine neuen Aufgaben erhalten. Die Aufnahme ins nationale Inventar wäre demnach eine Auszeichnung und Anerkennung für die Biodiversität und naturbezogene Naherholung und würde künftig seinen Auencharakter betonen», heisst es bei der Baudirektion des Kantons Zürich.

Seit 1850 sind landesweit rund 70 Prozent der Auen zerstört worden. Laut dem Bundesamt für Umwelt ist der Erhalt der Auen von grosser Bedeutung, um die Artenvielfalt in der Schweiz erhalten zu können. So sind zehn Prozent der einheimischen Tierarten auf die Auen angewiesen; 84 Prozent aller einheimischen Arten können in diesem Ökosystem vorkommen. Der Bund führt deshalb seit 1992 die Liste der wertvollen Auengebiete, für deren Schutz die Kantone in der Pflicht stehen.