Schlieren
Ein «Like» auf Instagram oder Facebook führt zum begehrten Kleidungsstück

Das Start-up «Fashwell» hat eine App entwickelt, die soziale Medien mit Onlineshopping verbindet

Esther Laurencikova
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Wer online ein Kleidungsstück sieht, das ihm gefällt, kann mithilfe von «Fashwell» bald erfahren, wo es dieses zu kaufen gibt. Keystone

Wer online ein Kleidungsstück sieht, das ihm gefällt, kann mithilfe von «Fashwell» bald erfahren, wo es dieses zu kaufen gibt. Keystone

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Modische Inspiration holt man sich heutzutage nicht mehr nur aus Kleiderkatalogen oder Magazinen – wer wissen will, was «in» ist, findet Antworten in der digitalen Welt der sozialen Medien. Das weiss auch Matthias Dantone, leidenschaftlicher Sammler von Turnschuhen und Gründer der Firma «Fashwell». «Oft sieht man auf sozialen Kanälen wie Instagram oder Facebook Bilder von Leuten, die Kleidungsstücke tragen, die einem gefallen. Dann aber herauszufinden, wo man diese kaufen kann, ist schwierig», sagt Dantone. Eine App, die aufgrund einer Bildanalyse den Nutzer informiert, bei welchem Onlineshop das gleiche oder ein ähnliches Wunschobjekt erhältlich ist, schien ihm die Lösung für das Problem.

Das sind die drei Gründer von «Fashwell»: Lukas Bossard, Matthias Dantone, Michael Emmersberger.

Das sind die drei Gründer von «Fashwell»: Lukas Bossard, Matthias Dantone, Michael Emmersberger.

LTA

Dantone doktorierte noch an der ETH in Informatik und Elektrotechnik, als er zusammen mit zwei anderen Doktoranden, Lukas Bossard und Michael Emmensberger, beschloss, das Start-up «Fashwell» zu gründen und eine gleichnamige App zu entwickeln. Dabei konnte er auf Hilfe aus dem Limmattal zählen. Das Institut für Jungunternehmen (IJF) in Schlieren sei für Geschäftsideen, die an der ETH entstehen, oft die erste Anlaufstelle. Mit ihrer Unterstützung stand der Gründung des Start-ups im August 2014 nichts mehr im Weg. Die «Fashwell»-App soll voraussichtlich diesen Herbst auf den Markt kommen.

Algorithmus schlägt Kauf vor

«Die App ermöglicht einem, in der Onlinewelt zu ‹lädele›», sagt Dantone. Sticht einem beim Surfen auf Instagram oder Facebook zufällig ein Kleidungsstück oder ein Accessoire ins Auge, muss man das Bild nur «liken». Sogleich beginnt die App mit ihrer Analyse und liefert den Kaufhinweis für das Produkt. Der Algorithmus der App bildet dabei das Kernstück von «Fashwell». «Wir haben dem Computer beigebracht, was Mode ist», so Dantone. So erkennt der Algorithmus nicht nur genau das gleiche Fashion-Item, sondern ist auch in der Lage, ähnliche Produkte als Kaufoption vorzuschlagen. Der Algorithmus sei also auch etwas wie ein kleiner Modeexperte – aber das musste er zuerst lernen. «Wir haben dem Computer beispielsweise Bilder von gleichen oder ähnlichen Handtaschen gezeigt. Eigentlich war es ein ähnlicher Lernprozess wie bei einem Kind», sagt Dantone.

Die Daten, die «Fashwell» zur Analyse braucht, stammen aus zwei separaten Datenbanken. «Jeden Tag erhalten wir die Produktkataloge verschiedener Onlineshops, die wir dann einspeisen», sagt er. Zalando verfüge zum Beispiel insgesamt über rund 400 000 Produkte, täglich kommen 5000 Produkte hinzu oder werden erneuert. Die zweite Datenbank generiert sich aus den öffentlich zugänglichen Bildern auf Instagram oder Facebook. «Die Leistung von ‹Fashwell› ist dann vereinfacht gesagt die Verlinkung zwischen den beiden Datenmengen», so Dantone. Dieser Automatismus sei bei anderen Apps, die «Fashwell» ähneln, in der Form nicht vorhanden. «Unser Ziel ist es, den Inhalt jedes Fotos der Welt käuflich zu machen», sagt Dantone.

Es stehen bereits Ideen im Raum, um das Konzept von «Fashwell» zu erweitern. Der Fokus liegt dabei auf Partnerschaften mit Onlineshops, Modemarken und Fashionblogs. Eine Idee sei, dass auf den Produktdetailseiten der Onlineshops auch Social-Media-Fotos von verschiedenen Bloggern gezeigt werden, die das gewünschte Produkt tragen. Diese würden von «Fashwell» bereitgestellt werden. «Oft werden die Produkte von Models getragen, so können wir zeigen, wie das Kleidungsstück an verschiedenen Körpern aussieht», so Dantone.

Bald könnte eine Reise ins Silicon Valley anstehen. «Fashwell» hat sich nämlich bei der diesjährigen ‹Swisscom StartUp Challenge› gegen 208 andere Jungfirmen durchgesetzt. Im August werden dann unter den zehn Finalisten fünf ausgewählt und ins Silicon Valley geschickt. «Das wäre natürlich super. So können wir uns noch mehr vernetzen und ins Gespräch mit Investoren kommen», sagt Dantone.