Weiningen
Ein Konsens im Streit um den A1-Deckel muss gesucht werden

Weiningens Gemeindepräsident Hanspeter Haug stapelt am Telefon tief. Gerade hat der Nationalrat entschieden, dass das Bundesamt für Strassen (Astra) nochmals mit dem Kanton Zürich und der Gemeinde Weiningen verhandeln muss.

Jürg Krebs
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Konkret geht es um die Forderung von Weiningen, die A1 vor dem Gubrist-Tunnelportal aus Lärmschutzgründen auf einer Länge von 270 Metern zu überdecken. «Für uns ist dies ein guter Tag», meldet Haug aus Bern.

Das ist untertrieben. Der gestrige Tag ist ein Meilenstein in den Bemühungen des Limmattaler Weindorfes um Schutz vor dem Verkehrslärm, der mit dem Ausbau des Gubristtunnels um eine dritte Röhre zunehmen wird. Die Ausgangslage im Nationalrat war eher schwierig. Zwar hatte die Verkehrskommission mittels Motion eine neue Verhandlungsrunde und damit den Weg des Konsenses verlangt, der Bundesrat lehnte dies jedoch ab.

Neue Ideen nicht laufend berücksichtigen

Drei Argumente führte Verkehrsministerin Doris Leuthard in der Debatte gegen die Weininger Forderung ins Feld. Das erste Argument: Die Idee einer Überdeckung sei nachträglich eingereicht worden. Ein Projekt könne nicht laufend neuen Ideen berücksichtigen, welche die Realisierung verzögerten.

Das zweite Argument: Die heutigen Verflechtungs- und Einspurstrecken seien sehr knapp bemessen und würden durch die Überdeckung weiter verkürzt. Das gefährde die Sicherheit auf diesem Autobahnabschnitt.

Das dritte Argument: Der Nationalrat könne den Bundesrat nicht beständig zum Sparen auffordern und gleichzeitig neue und teure Projekte verlangen, so Leuthard.

Für die Weininger legte sich Ulrich Giezendanner, Nationalrat (SVP, Aargau) und Sprecher der Verkehrskommission, ins Zeug. Die Überdachung der A1 sei für Weiningen und die Region Zürich von grösster Bedeutung. Der Verkehr durch den Gubrist habe ganz andere Dimensionen angenommen als erwartet. Die natürliche Verkehrszunahme Ost-West und der geplante Containerterminal Gateway Limmattal würden die Belastung erhöhen.

Projektänderung oder Zusatzprojekt

Giezendanner verwies auf die Einhausung Schwamendingen, wo ein Wildübergang für Tiere erstellt wird. «Was für das Wild richtig ist, muss für den Menschen wohl die Norm sein», so Giezendanner. Er verwies auch auf den Kantonalzürcher Richtplan Verkehr, der 2007 festgesetzt und 2008 durch den Bundesrat genehmigt worden sei – darin enthalten sei eine Überdeckung der Autobahn beim Gubrist. Dies habe jedoch nicht Eingang ins Projekt gefunden. Nicht zu vergessen sei, dass eine Petition für einen A1-Deckel mit rund 800 Unterschriften aus dem Limmattal eingereicht worden sei.

Die Motion biete nun die Chance, einen Konsens zu finden und die Überdeckung ins Tunnelprojekt zu integrieren oder separat zu behandeln. Dieser Argumentation folgte der Nationalrat mit 119 gegen 36 Stimmen.

Nationalrat Ernst Schibli (SVP, Zürich) hatte mit seiner Motion, welche konkret eine A1-Überdeckung forderte, keinen Erfolg, sie wurde mit 59 gegen 110 Stimmen abgelehnt. Dennoch trug sie zum Erfolg der Verkehrskommission bei.

Gegen Mittag stand gestern also fest: Das Astra muss mit dem Kanton Zürich und Weiningen eine Lösung suchen. Derweil geht die Arbeit für Hanspeter Haug weiter. Er wird ab kommender Woche nun in der Verkehrskommission des Ständerats lobbyieren, und zwar mit «der gleichen Energie» wie beim Nationalrat, wie Haug erklärt. Denn obwohl die Motion der nationalrätlichen Verkehrskommission durch ihren Konsenscharakter mehrheitsfähig ist, wird eine Debatte in der kleinen Kammer «kein Spaziergang», schätzt der Weininger Gemeindepräsident.