Weiningen-Geroldswil
Ein Jahr nach Todesfall organisiert Cevi wieder ein Pfingstlager

Vor einem Jahr ist es im Pfingstlager des Cevi Weiningen-Geroldswil zu einem tödlichen Unfall gekommen. Der Unfall ist noch immer nicht geklärt. Cevi Weiningen-Geroldswil organisiert wieder ein Pfingstlager - mit dem Segen von Cevi Schweiz.

Sandro Zimmerli
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Drama im CEVI-Pfingstlager in Oetwil im Jahr 2011.
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Unfall während Pfingstlager in Oetwil an der Limmat
Unfall während Pfingstlager in Oetwil an der Limmat
Unfall während Pfingstlager in Oetwil an der Limmat
Unfall während Pfingstlager in Oetwil an der Limmat
Unfall während Pfingstlager in Oetwil an der Limmat

Drama im CEVI-Pfingstlager in Oetwil im Jahr 2011.

Newspictures

«Es ist der richtige Entscheid», sagt Philipp Döbeli. Der stellvertretende Verantwortliche Marketing und Kommunikation beim Cevi Schweiz, findet es gut, dass der Cevi Weiningen-Geroldswil trotz des tödlichen Unfalls vor einem Jahr wieder ein Pfingstlager durchführt. Auf der Homepage des Cevi ist für nächstes Wochenende ein Lager angekündigt. Wo es durchgeführt wird, ist nicht beschrieben.

«Obwohl es ein tragischer Unfall war, kommt so etwas glücklicherweise sehr selten vor. Es wäre falsch, nun wegen dieses sehr tragischen Unfalls generell auf Lager zu verzichten und so den Mädchen und Knaben die Möglichkeit eines Lagerbesuchs zu nehmen», sagt Döbeli.

Unfall: Untersuchung läuft noch

Auch ein knappes Jahr nach dem tragischen Unfall sind die Untersuchungen zur Ursache noch nicht abgeschlossen. Wie die zuständige Staatsanwältin Ariane Schaeppi von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland auf Anfrage erklärte, sei es noch zu früh, Auskunft über den Unfallhergang zu erteilen. Der Fall liegt mittlerweile in Winterthur, weil Schaeppi von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis dorthin gewechselt ist, den Fall aber weiterhin betreut. (zim)

Beim Cevi Weiningen-Geroldswil wollte man sich aus Respekt für die Familie des verunglückten Mädchens nicht zum bevorstehenden Lager äussern, so die Antwort auf eine Anfrage der az Limmattaler Zeitung.

Parcours im Wald

Vor einem Jahr starb ein 8-jähriges Mädchen aus Unterengstringen am Pfingstsonntag bei einem Unfall an einer selbst gebauten Seilbahn. Der Unglücksort befand sich im Wald oberhalb von Oetwil. Dort hatte der Cevi Weiningen-Geroldswil damals sein Zelt-Lager auf einer Wiese in der Nähe der Hüttikerstrasse aufgeschlagen und im Wald einen Parcours aufgebaut. Ein Posten des Parcours war eine Seilbahn, die Gruppenleiter zwischen Bäumen gespannt hatten. An einem Seil von 100 Meter Länge führte sie rund 30 bis 40 Höhenmeter bergab. Mit einem zweiten Seil gesichert, glitten daran mehrere Kinder und Jugendliche, Teilnehmende des Cevi-Lagers, zunächst kontrolliert herunter. Dann kam es zur Todesfahrt des 8-jährigen Mädchens.

Aus bislang ungeklärten Gründen versagte die Bremsvorrichtung bei dem Mädchen. Ein Lagerleiter, der am unteren Ende der Seilbahn postiert war, hatte versucht, das Mädchen aufzufangen - vergeblich. Es raste nahezu ungebremst gegen den Baum am Seilbahnende. Schwer verletzt wurde es von der Rega ins Spital geflogen, wo es noch am gleichen Abend seinen Verletzungen erlag.

Seilbahnmoratorium bleibt

Kurz nach diesem Unglück legte sich der Cevi Schweiz ein Moratorium für Seilbahnen auf. Es gilt bis heute, wie Döbeli erklärt. «Wir haben damals gesagt, dass das Moratorium so lange gilt, bis wir die Unfallursache kennen und Ergebnisse der Untersuchungsbehörden vorliegen. Bis heute ist der Fall nicht geklärt», so Döbeli (siehe Kontext). Nebst dem Moratorium habe der Cevi Schweiz bisher keine weiteren neuen Richtlinien für die Durchführung von Lagern erlassen. «Wir sind überzeugt, dass unsere Leiter generell gut ausgebildet sind und mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sehr viel Gutes für die Kinder und Jugendlichen in der Schweiz tun», hält er fest. Müsste man nun ganz viel ändern, wäre das ein Zeichen, dass in der Vergangenheit schlechte Arbeit geleistet worden sei. Dem sei aber nicht so. «Natürlich weisen wir nochmals mit Nachdruck darauf hin, dass die Sicherheit aller Teilnehmer zuoberst steht», sagt Döbeli.

Obschon keine neuen Richtlinien zur Durchführung von Lagern erlassen wurden, hat der Unfall Folgen. Auf Sicherheits- und Präventionsaspekte, so Döbeli, habe man auch am nationalen Ortsgruppenleiterkurs hingewiesen. Dieser sei dieses Jahr erstmals im Sinne einer Ergänzung der regionalen Ausbildungskurse durchgeführt worden. Nebst dem Unfall hätten aber verschiedene weitere Gründe dazu geführt, einen solchen Kurs zu veranstalten. «Auf regionaler Ebene gibt es diese Ausbildungskurse schon lange. Wir verfolgen das Ziel, uns als Organisation noch stärker nach aussen zu präsentieren. Deshalb gab es diesen gesamtschweizerischen Kurs», sagt Döbeli. Neu sei hingegen die Kommission Sicherheit, die erst vor kurzem, auch wegen des Unfalls, ins Leben gerufen wurde.