Dietikon

Ein Jahr nach dem Überfall: Verkraftet, aber nicht vergessen

Heute können Martina Meier und ihre Mitarbeiter wieder lächeln. Trotzdem beschäftigt der Vorfall noch alle.Florentina Spahr

Heute können Martina Meier und ihre Mitarbeiter wieder lächeln. Trotzdem beschäftigt der Vorfall noch alle.Florentina Spahr

Die Dietiker «Heimat»-Wirtin Martina Meier glaubt, ihr Lokal sei nicht zufällig für den Raubüberfall vor einem Jahr ausgewählt worden.

Ein gutes Jahr nachdem zwei Bewaffnete einen Überfall auf das Restaurant Heimat in Dietikon verübt hatten, wurde dem Haupttäter am Donnerstag der Prozess gemacht. Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte den Bosnier, der sich an seinem vorherigen Wohnort Belgien schon ein stattliches Vorstrafenregister aufgebaut hatte, zu einer dreijährigen bedingten Gefängnisstrafe. Die Räuber, die am 2. September 2014 gegen 22 Uhr ins Restaurant stürmten, schnitten der Serviceangestellten das Portemonnaie direkt vom Gürtel ab und bedrohten eine anwesende Frauenrunde, indem einer der Damen eine Pistole an den Kopf gehalten wurde.

Martina Meier, die Wirtin der «Heimat» war zum Tatzeitpunkt nicht im Restaurant. Ihre Serviceangestellte, sagt sie, sei zum Glück mit dem Schrecken davon gekommen. Bei zwei der bedrohten Frauen habe das Erlebnis psychisch jedoch schlimmere Folgen gehabt. Wie Martina Meier ausführt, hätten diese noch längere Zeit mit einem Trauma zu kämpfen gehabt, was sie im Alltag sehr beeinträchtigte. So konnte die eine der Restaurant-Besucherinnen etwa nach dem Überfall aus Angst nicht mehr unbegleitet in den Keller ihres Hauses gehen.

Nachdem die Täter von der Polizei gefasst worden waren, wurde Martina Meier gestattet, die jungen Männer persönlich zu konfrontieren. «Ich wollte wissen, ob ich die Männer aus dem Restaurantbetrieb kenne», erklärt Meier. Die heute 22 und 24-jährigen Verhafteten entschuldigten sich ausführlich bei ihr und betonten, dass sie nicht recht gewusst hätten, was sie taten.

Entschuldigung überzeugt nicht

«Als ich nach der Urteilsfällung erfuhr, dass der Haupttäter schon einige Vorstrafen hatte, konnte ich nachträglich seinen reuigen Worten keinen Glauben mehr schenken.»

Irritiert hat Meier, dass die unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren aufgrund der in Belgien erlangten Vorstrafen gefällt worden war: «Hätten der Raub und die Bedrohung meiner Gäste und Angestellten mit Waffen also nicht ausgereicht, dass der Täter direkt ins Gefängnis kommt?» Der Passepartout, der alle Schlösser im Restaurant öffnet, wurde der Serviceangestellten beim Raub mitentrissen. Seit dem Raub wird dieser an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Nicht loslassen will Meier die Verbindung des Mittäters zu einer ehemaligen Angestellten. Als sie von der Polizei den Namen des Mannes erfuhr, kam ihr dieser bekannt vor. Bald wusste sie auch, warum. Der Räuber und die Angestellte gehörten wegen gemeinsamer Verwandten zu gegnerischen Streitparteien in einer Erbangelegenheit. Rachegelüste könnten gemäss Meier demnach die Entscheidung des Überfallobjekts beeinflusst haben.

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