Unterengstringen

Ein Jahr Einheitsgemeinde: «Der Betrieb ist effizienter, schlanker und einfacher»

Politisieren seit rund einem Jahr gemeinsam im Gemeinderat von Unterengstringen: Schulpräsident Beat Fries (links) und Gemeindepräsident Simon Wirth.

Politisieren seit rund einem Jahr gemeinsam im Gemeinderat von Unterengstringen: Schulpräsident Beat Fries (links) und Gemeindepräsident Simon Wirth.

Nach einem Jahr Einheitsgemeinde in Unterengstringen ziehen die Behörden eine positive Bilanz.

Kinderkrankheiten, wie vereinzelte Informationspannen, waren zu Beginn nicht zu verhindern. Als die Einladungen für das gemeinsame Jahres-Schlussessen der Verwaltung verschickt wurden, gingen die Mitglieder der Schule zunächst vergessen.

«Natürlich mussten wir uns an verschiedene Sachen gewöhnen, aber im Endeffekt ist der Übergang gut gelaufen», resümiert der Unterengstringer Gemeindepräsiden Simon Wirth (FDP). Er ist überzeugt vom Systemwechsel: «Der Betrieb ist effizienter, schlanker und einfacher geworden. Wir arbeiten direkter und haben einen besseren Kontakt zueinander, weil der Schulpräsident in den Gemeinderat eingebunden ist.» Und nicht zuletzt seien die Gemeindeversammlungen kürzer geworden, weil nicht zwei Behörden getrennt auftreten. Seit gut einem Jahr wird das Dorf mittlerweile als Einheitsgemeinde geführt, zum Jahresstart 2018 fusionierten die politische Gemeinde und die Schulgemeinde.

Einen wesentlichen Grund für den guten Übergang sieht Wirth darin, dass beide Seiten emotionslos an die Aufgabe herangegangen seien: «Wir haben uns sachlich ausgetauscht, Lösungsvorschläge auf den Tisch gebracht und dann entschieden.» Überhaupt sei die Trennung von Schule und politischer Gemeinde ein Auslaufmodell, findet Wirth.

Auch die Schule zieht ein positives Fazit. Es fällt aber weniger enthusiastisch aus als das von der politischen Gemeinde. «Zwei verschiedene Kulturen sind aufeinandergetroffen», sagt Schulpräsident Beat Fries (parteilos). Nur schon beim Rhythmus sei ein Umdenken nötig gewesen: Während die politische Gemeinde im Jahresrhythmus arbeitet, ist für die Schule das Schuljahr massgebend für die Planung. Die Wichtigkeit der Schule sei mit der Einheitsgemeinde nicht zurückgestuft worden, aber «für unsere Entscheide wurde eine zusätzliche Stufe eingebaut, das ist ein Nachteil», sagt Fries. Denn wesentliche Entscheide der Schulpflege müssen auch vom Gemeinderat abgesegnet werden.

Aber auch Fries sieht konkrete Vorteile für die Schule. «In verschiedenen Fragen sind Gemeinderäte entscheidungsfreudiger», sagt er. So seien die Abläufe beim Bau speditiver geworden, seit der Bauvorstand enger mit einbezogen wird. Dies sei angesichts des Millionenausbaus des Schulhauses Büel A sicher ein Vorteil. «Das Projekt ist jetzt noch breiter abgestützt.» Zudem sei die Koordination mit anderen Projekten wie dem Ausbau der Fernwärme einfacher geworden, sagt Wirth.

Wegen dem Hauswart der Schule

Im Februar 2017 sprachen sich 82,8 Prozent der Stimmbürger für den behördlichen Zusammenschluss aus. Auch die Schulpflege empfahl im Vorfeld ein Ja, wenn auch mit wenig Begeisterung. «Wir sind zwar nicht gerade begeistert von der Einheitsgemeinde, aber sehen keine Chance, mit einer Nein-Parole die Abstimmung zu gewinnen», sagte Fries damals.

Die Abstimmung geht zurück auf eine Einzelinitiative, die der damalige Schulhauswart Francesco Maggi im Mai 2014 einreichte. «Eine Gegenkampagne wäre Aufwand für nichts gewesen. Dann wäre es vielleicht mit 75 Prozent angenommen worden», sagt Fries. Die im September 2016 in Urdorf mit 53 Prozent abgelehnte Einheitsgemeinde sei kein Vorbild gewesen. Dort habe die Schulpflege sich von Beginn weg komplett gegen die Fusion gestellt und einen gigantischen Aufwand betrieben.

Nach dem Ja an der Urne arbeiteten ab Sommer 2017 sechs Arbeitsgruppen an dem aufwendigen Zusammenschluss. Eine Kontrollgruppe führte alle Fäden zusammen und koordinierte die Arbeit. Der externe Experte, der den Zusammenschluss begleitete, habe ihnen attestiert, noch nie eine so reibungslose Fusion erlebt zu haben.

Der achte Gemeinderat

2018 begann dann eine untypische Übergangszeit: Der Gemeinderat, seit je aus sieben Personen bestehend, wuchs dank Neumitglied und Schulpräsident Beat Fries vorübergehend auf acht Mitglieder an. Nach den Wahlen im Frühling setzte sich der Gemeinderat im August neu zusammen und schrumpfte wieder auf sieben. Denn das Sozial- und das Gesundheitsdepartement wurden zusammengelegt. «Vom Verständnis für die Anliegen der Schule war es vorteilhaft, dass zwei Gemeinderäte vorher in der Schulpflege waren», sagt Wirth, der wie Marcel Balmer (SVP) vor seiner Gemeinderatszeit für die Schulfinanzen zuständig war. Auch deshalb funktioniere die Zusammenarbeit sehr gut.

Fries hat sich gefunden in seiner neuen und deutlich zeitaufwendigeren Rolle als Gemeinderat. Geht es um die Zukunft der Schule, bleibt ihm aber ein kleiner Wermutstropfen. Mit der Einheitsgemeinde ist eine Fusion der einzelnen Primarschulgemeinden nicht mehr möglich. Angesichts der nahenden Tagesschule, die für Unterengstringen alleine «finanziell völlig untragbar» sei, hätte die Schulpflege diese Option bevorzugt, sagt er. «Jetzt müssen die Gemeinden zusammenspannen, weil die Schulen es nicht selbstständig vorantreiben können.»

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