Der Durchschnittsitaliener verspeist acht Kilogramm Eis pro Jahr. Im Heimatland des «Gelato» gibt es über 36 000 Gelaterien. Hierzulande hingegen findet man kaum ein Lokal, das Glace wirklich selbst herstellt. Im Limmattal sucht man eine Gelateria sogar vergebens.

Niccolo Binazzi ist sich deshalb sicher, eine Marktlücke entdeckt zu haben. Er wird im September seine Gelateria Schokolato in Schlieren eröffnen. Gerne hätte der gebürtige Italiener die Tore schon früher geöffnet. Doch die Umbauarbeiten in der neuen Überbauung «am Rietpark» dauern länger, als zuerst gedacht. Auch die Baubewilligung konnte er erst im Juli einreichen. Das Hauptgeschäft geht Binazzi somit durch die Lappen. Denn womit könnte man in einem heissen Sommer besser die Kassen klingeln lassen, als mit selbstgemachtem Eis?

Doch Binazzi bleibt positiv. Schliesslich geht das Glace in seiner ersten Filiale in Wallisellen am Laufmeter über die Theke. Hier im neuen Quartier Richti nahe dem Glattzentrum hat Binazzi einen kleinen Laden eröffnet, der ein Stück Italien in die Schweiz bringt. Schon bei Betreten der Gelateria wird man mit einem freundlichen «Buongiorno» begrüsst. Es riecht nach geröstetem Kaffee und frischem Gebäck. Souvenirs aus dem Heimatland zieren die Vitrinen.

Glace wie im 17. Jahrhundert

Das Eis entdeckt man dafür erst auf den zweiten Blick. Es verbirgt sich unter sogenannten «carapine». Die Idee, das Glace mit solchen Deckeln abzudecken, ist aber nicht neu. Im Gegenteil: Als im 17. Jahrhundert die ersten Eiswagen durch Italiens Städte fuhren, verbarg sich das Glace ebenfalls unter den «carapine». Erst in den 60-er Jahren kamen die Vitrinen ins Spiel. Obwohl es schöner aussehe, das Glace so zu präsentieren, bevorzugt Binazzi die herkömmliche Methode. «Es ist viel hygienischer, das Gelato im Dunkeln aufzubewahren», so Binazzi. Die Qualität bleibe so länger erhalten.

So viel Glace zu verdrücken, wie man möchte: Davon träumte Binazzi schon als Kind. Direkt neben einer Gelateria in Italien gross geworden, malte er sich jeweils aus, wie er mitten in der Nacht heimlich ins Lokal einbrechen würde, um sich dort den Bauch vollzuschlagen. Binazzi lacht und klopft mit der Hand auf seinen Bauch. «Wie man sieht, liebe ich Süssigkeiten bis heute», sagt er. Vor allem Schokolade habe es ihm angetan. Nach wie vor sei das seine Lieblingseissorte und auch der Namensgeber für «Schokolato» – Schokolade und Gelato – gewesen.

«Immer, wenn ich in einer Gelateria das Eis teste, probiere ich zuerst die Sorte Schokolade. Anschliessend dann Haselnuss und Pistazie», erklärt Binazzi. Der Genuss dieser drei Sorten würden ihm sofort zeigen, ob die Qualität der Glaces stimme. Leider sei in der Schweiz das Glace nur sehr selten zufriedenstellend. Seine Kunden würden es deshalb schätzen, dass es nun auch in der Nähe von Zürich eine echte Gelateria gibt. Zu hören, dass sein Eis an die Ferien in Italien erinnere, sei für ihn das schönste Kompliment überhaupt, so Binazzi.

In seiner Gelateria hat der Italiener insgesamt 14 verschiedene Sorten im Angebot. Neben den Klassikern bietet Binazzo aber auch spezielle Kreationen mit Chili an. «Ich liebe es, jeder Eissorte eine persönliche Note geben zu können», sagt er. Auch in Schlieren werde dann dasselbe Sortiment an Gelati angeboten. Zusätzlich werde er aber auch Mittagsmenus auftischen und auf Wunsch Torten herstellen. Zudem könne man nach Feierabend auch auf einen Aperitiv vorbeikommen und eine Kleinigkeit dazu essen. Denn auch Binazzi ist bewusst: Die Sommer können in der Schweiz sehr kurz und der Glacekonsum beschränkt sein.