Unter der Kälte leiden dieses Jahr nicht nur die Trauben, sondern auch die Obstbäume. Im Limmattal sind in den Frostnächten der vergangenen Woche ein Grossteil der Apfel-, Birnen- und Zwetschgenblüten abgefroren. Ebenso sind viele der noch kleinen, aber schon ausgebildeten Kirschen den tiefen Temperaturen zum Opfer gefallen. An ihnen sind die Schäden von aussen gut sichtbar. Viele Früchte haben braune Flecken und Streifen und werden in den kommenden Wochen abfallen. Bei den Äpfeln hingegen sind die Schäden vorerst nur im Innern zu sehen. Der Kelch, der die Blüte zusammenhält, ist bei vielen Blüten verdorrt. Die noch intakten Knospen, die erst zu blühen beginnen, sind klar in der Unterzahl.

Obstbauer Kurt Bräm aus Dietikon schätzt den Ausfall bei der Apfelernte auf rund 70 Prozent. «Der Schaden ist gross, weil die Kälte die Apfelbäume in voller Blüte erreichte», sagt er. So ein Ereignis habe auch sein 83-jähriger Vater noch nie erlebt.

Wenig einheimisches Obst

Um die empfindlichen Kirschbäume vor der Kälte zu schützen, hat Bräm das Plastikdach der Anlage zugezogen, das die Kirschen vor dem Regen schützen sollte. Zusätzlich hat er künstliche Feuer entfacht. Diese Massnahmen hätten nur beschränkt gewirkt. Zwar tragen jene Bäume, die nicht unter dem Plastikdach stehen, beinahe keine unversehrten Kirschen, doch auch bei den abgedeckten Bäumen haben viele Früchte nicht überlebt. «Das Problem war die hohe Feuchtigkeit an den Bäumen und der Wind, der die Wärme der kleinen Feuer konstant weggeblasen hat», sagt Bräm. Die Temperatur lag so trotz aller Massnahmen unter dem Gefrierpunkt.

Im Gegensatz zu den Reben können Obstanlagen derzeit nicht gegen Frost versichert werden. Der finanzielle Schaden ist deshalb bei vielen Landwirten gross. Dennoch hat die Anlage auch in diesem Sommer Pflege nötig, weil sonst im kommenden Jahr Folgeschäden wie etwa Schorf auftreten können. «Es wird mir keine Freude machen, wenn ich beim Bewirtschaften diesen Sommer mit dem Traktor durch die Anlage fahren werde», sagt Bräm.

Im Herbst werden auch die Konsumenten vom Ausfall betroffen sein. «Dieses Jahr können wir uns nicht wie beispielsweise bei Hagelschäden üblich gegenseitig aushelfen, weil in der Schweiz viele Anlagen von Frostschäden betroffen sind», sagt Bräm. Trotzdem werde er versuchen seinen Kunden einheimisches Obst anzubieten. Ausserdem würden jene Äpfel, die die Bäume produzieren werden, wegen ihrer Grösse Mangelerscheinungen aufweisen. Diese Äpfel können nicht lange aufbewahrt werden und werden deshalb zu Most verarbeitet.

Der Fondli-Hof in Dietikon verzeichnet ebenfalls grosse Schäden, wie Mitarbeiterin Tina Siegenthaler sagt: «Bei den Kirschen werden wir einen grossen Ausfall haben, bei den Äpfeln sieht es nicht besser aus.» Da für die kommenden Tage wieder kalte Temperaturen vorhergesagt sind, ist es möglich, dass auch die noch intakten Blüten Schaden nehmen.