Dietikon

«Ein Formel-E-Rennen im Gebiet Silbern ist eine spannende und prüfenswerte Idee»

Achtung, fertig, los: Das Silbern-Quartier in Dietikon wird als Ort für ein Formel-E-Rennen ins Gespräch gebracht.

Die geplante Rundstrecke im Zürcher Versicherungsviertel gerät in die Kritik. Derweil schlägt ein Dietiker Energieberater eine Verlegung ins Silbernquartier vor: Das Gebiet sei prädestiniert für solch einen Anlass

Das Gesuch für ein Formel-E-Rennen des Vereins «E-Mobil Züri» im Versicherungsviertel der Stadt Zürich schlägt Wellen. Zum einen ruft es die SP der Stadtzürcher Kreise 1 und 2 auf den Plan. Aber nicht nur: Der Dietiker Arnold Locher begrüsst die Idee, ein Rennen mit E-Boliden – der «Zukunft der Mobilität» – zu veranstalten. Aber auch er kritisiert den geplanten Austragungsort des Rennens mitten in der Stadt Zürich.

Einen alternativen Standort für ein E-Rennen hat Locher in dieser Zeitung jüngst in einem Leserbrief skizziert: das Silbernquartier in Dietikon. Locher, der Energieberater ist und Machbarkeitsstudien für den Einsatz alternativer Energien anbietet, ist grundsätzlich begeistert über die Lancierung eines Formel-E-Rennens. Nur sei ein solches Rennen in der Stadt Zürich ein «Quatsch», sagt er. «Die Platzverhältnisse für Besucher und Fahrerlager sind rund um das Seebecken zu beengt. Die Organisation eines solchen Rennens, der Bedarf an Strassensperren und die allfällige Entfernung von Verkehrsinseln stehen in keinem sinnvollen Verhältnis.»

Ihm schwebt für ein Rennen mit E-Boliden eine industrielle Atmosphäre vor: «Das Industriequartier von Dietikon rund um das Coop-Center Silbern bietet hervorragende Bedingungen für ein solches Formel-E-Rennen», sagt Locher. Die Gründe dafür lägen auf der Hand: Weil das Gebiet samstags und sonntags entvölkert ist, müsste man keine grossen Verkehrsumleitungen organisieren. Zudem gäbe es genügend Parkplätze vor Ort und das Industriegebiet sei über die Nordumfahrung aus allen Ecken der Schweiz per Autobahn direkt erreichbar. Ausserdem ermögliche der nahe gelegene Dietiker Bahnhof eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Das neben dem Coop-Center liegende Lagergebäude wäre für Locher der ideale Ort, um ein Fahrerlager einzurichten.

Vor allem aber sei die Strecke für einen Formel-E-Wettkampf prädestiniert. «Start und Ziel könnte man beim Coop-Center Silbern einrichten. Auf der mehrere hundert Meter langen und geraden Silbernstrasse könnten die E-Boliden beschleunigen und zeigen, wie solche elektronischen Fahrzeuge funktionieren», sagt Locher. Zudem seien die Strassen im Industriequartier von Dietikon genügend breit, sodass diese auch mit Besuchertribünen ausgestattet werden könnten. Auch der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) sähe ein solches Rennen gerne im Limmattal: «Elektromobilität ist Zukunft. Ein Formel-E-Rennen im Gebiet Silbern ist eine spannende und prüfenswerte Idee.»

Die Rennstrecke des Zürcher ePrix?

So könnte die Rennstrecke des Zürcher ePrix aussehen:

Die Formel-E-Strecke von Zürich: Start und Ziel der möglichen Rennstrecke liegen vor dem Hafen Enge mit Kulissen des linken Seeufers. Die Boxenstrasse ist im Parkgelände des Hafen Enge angelegt, worauf auch von der Hauptbühne aus eine perfekte Sicht geboten wird. Die Strecke ist 3,029 km lang und bietet Möglichkeiten für spannende Manöver und Zweikämpfe.

Innenstadtkurse als Favoriten

Kein Gehör für den Vorschlag aus dem Limmattal hat hingegen Roger Tognella, Präsident des Vereins «E-Mobil Züri» und Stadtzürcher FDP-Gemeinderat: «Die Rennserie Formel E sucht bewusst Innenstadtkurse in attraktiven Zentren und verbindet damit die Bevölkerung mit dem Rennsport, aber auch den Werten rund um die Entwicklung der Elektromobilität.»
Laut Tognella wäre eine Rennstrecke in der Silbern «aus der Sicht der Formel E wohl kein geeigneter Standort». Der Verein «E-Mobil Züri» habe sich mit der Festlegung der Rundstrecke intensiv beschäftigt, sagt er: «In der Stadt Zürich selber prüften wir insgesamt fünf verschiedene Standorte. Der technisch beste und sicherste ist die Rennstrecke am See im Versicherungsviertel.»

Der Verein hat erst kürzlich ein Gesuch für das im Sommer 2018 geplante Rennen bei der Stadt Zürich eingereicht. Start und Ziel der Rennstrecke ist beim Hafen Enge. Weiter sollen die E-Boliden über die Stocker- zur Dreikönigsstrasse und dann via Alfred-Escher-Strasse zurück zum Hafen fahren. Dort habe man die notwendige Strassenbreite und würde nur eine Tramlinie kreuzen, so Tognella. Da es in diesem Perimeter im Vergleich zu anderen Orten in der Stadt wenige Wohnungen habe, seien auch nur wenige Personen direkt vom Rennen betroffen.

Formel E in Zürich: Im März 2015 wurde die Idee vom potentiellen Sponsor Julius Bär aufgeworfen. Sogar Bastien Girod war damals schon begeistert.

Formel E in Zürich: Im März 2015 wurde die Idee vom potentiellen Sponsor Julius Bär aufgeworfen. Sogar Bastien Girod war damals schon begeistert.

Formel E in Zürich: Die Bank Julius Bär möchte 2017 ein Formel-E-Rennen in der Limmatstadt durchführen. Der Grüne Bastian Girod ist begeistert - bei der Stadt Zürich bleibt die Euphorie jedoch aus.

Belastung für Bevölkerung prüfen

Dennoch kritisiert nun die SP der Stadtzürcher Kreise 1 und 2, dass den betroffenen Anwohnern und dem Gewerbe keine detaillierten Informationen zur Verfügung stünden. «Der Verein soll sein Projekt transparent darlegen, damit sich die betroffene Bevölkerung über die zu erwartenden Einschränkungen während des Aufbaus, des Rennens selber und des Abbaus ein Bild machen kann», sagt Felix Stocker, Co-Präsident der SP 1 und 2 der Stadt Zürich.

Nur dann könnten auch Anpassungen gefordert werden. Stocker betont aber auch: «Wir stellen uns nicht grundsätzlich gegen die Veranstaltung, lehnen aber das Vorgehen ab.» Roger Tognella sagt dazu: «Wir haben schon früh die beiden Quartiervereine Zürich Enge und Wollishofen begrüsst und über das Projekt informiert. Es ist uns ein Anliegen, den Anlass stadtverträglich zu gestalten.»

Robert Soós, Sprecher des Sicherheitsdepartements der Stadt Zürich, das mit der Prüfung des Gesuches betraut ist, sagt: «Selbstverständlich werden die mutmassliche Belastung für die Bevölkerung und deren Bedürfnisse in die Überlegungen einfliessen, ob ein solcher Anlass bewilligt werden soll oder nicht.» Jedoch können gegen bestimmte Aspekte einer allfälligen Bewilligung Einsprache erhoben werden. Beispielsweise sei dabei an die angeordneten Verkehrsbeschränkungen, die für die Durchführung des Rennens notwendig wären und öffentlich publiziert würden, zu denken.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1