Zum Ende des Religionsunterricht-Jahres hat die reformierte Pfarrei Schlieren zu einem Sommerfest geladen; sie stellte rund um das Gelände der Kirche einen farbenfrohen Postenlauf auf.

Vor dem Haupteingang sitzen zwei kleine Kinder am Boden und malen die einzelnen Ziegel des Kopfsteinpflasters mit verschiedenen Kreidestiften an. Beobachtet werden sie dabei vom grossen, schwarzen Hund der Katechetin Erika Auerswald, der an der Leine daneben sitzt. Alle stöhnen über die hohen Temperaturen dieses Tages, der Hund liegt auf dem Rücken, die Kinder bleiben nicht lange bei der Sache. Mit farbigem Hosenboden machen sie sich auf zum nächsten Posten.

Kartonwände anmalen und sich schminken lassen ist bei den nächsten Stationen das Thema. Noch aufregender wird es auf dem Weg zum «Bunker». Das kleine, steinerne Häuschen auf dem Kirchengelände wurde zum Farb-Erlebnis-Raum umfunktioniert.

Pfarrerin Claudia Schulz führt jeweils drei bis vier Kinder in den dunklen Raum. Der einzige Lichtstrahl fällt durch ein kleines, rechteckiges Fensterchen auf hübsch aufgereihte Glasflaschen, die mit Flüssigkeiten gefüllt sind, die draussen im Sonnenschein rot, blau und grün leuchten würden, hier nur unterschiedlich schimmern.

Die Farben fühlen

«Seht ihr die Farben in den Flaschen noch?», fragt die Pfarrerin. «Jaaa», tönt es einstimmig aus den Kindermündern. Claudia Schulz hält einen Karton vor das Fenster. Im Raum ist es fast komplett finster. «Und jetzt?» – «Nein, jetzt nicht mehr», antworten die Kinder etwas verunsichert.

Es gebe Menschen, die sähen Farben nur so, erklärt Schulz. Neben der Farbenblindheit möchte sie den Kindern auch das Erleben von Blinden näher bringen. Jeder bekommt eine Frucht in die Hand. «Menschen, die nicht sehen können, können aber immer noch fühlen und schmecken», sagt die Pfarrerin. «Könnt ihr fühlen oder schmecken, welche Farbe euer Gegenstand hat?» Zwei Jungs im Raum haben es schnell erkannt; sie fühlen die Form der Banane, ertasten das Rund der Orange. Das kleine Mädchen improvisiert derweil, es hält den Gegenstand gegen die geschlossene Tür, durch die immer noch etwas Licht dringt. So findet auch sie heraus, dass in ihrer Hand ein Apfel liegt. Und draussen warten schon die Nächsten ungeduldig auf den Einlass in die Dunkelheit.

Links von der Pfarrei finden weitere kreative Disziplinen unter freiem Himmel statt. Zum Beispiel, wie man aus Naturmaterialien selbst Farben herstellen kann oder wie mit Randen oder Schwarztee Tücher eingefärbt werden können. Das Programm für die Erwachsenen findet ab acht Uhr statt. Das Oktett «Octafun» lädt zur Sommerserenade ein. Die Stühle dafür stehen schon schön aufgereiht vor der Wiese hinter der Pfarrei, ein Buffet mit Apfelschnitzen und Fruchtsalat wartet noch abgedeckt auf die ersten Gäste.