Limmattal
Ein Feierabendbier liegt bei der Milizfeuerwehr wieder drin

Fahrer von Milizfeuerwehren dürfen neu wieder 0,5 Promille Alkohol im Blut haben. Das erleichtert den Feuerwehren der Region die Arbeit.

Flurina Dünki
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Fahrer von Milizfeuerwehren sind ab Januar nicht mehr zur totalen Abstinenz verpflichtet. Für sie gilt wieder der normale Promille-Grenzwert. (Symbolbild)

Fahrer von Milizfeuerwehren sind ab Januar nicht mehr zur totalen Abstinenz verpflichtet. Für sie gilt wieder der normale Promille-Grenzwert. (Symbolbild)

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Nach Feierabend noch auf ein Bierchen oder ein Glas Wein: Diese Freude wurde während der letzten drei Jahre vielen Mitgliedern einer freiwilligen Feuerwehr getrübt. Weil die Verkehrsregelnverordnung 2014 geändert wurde, durften diejenigen Feuerwehrleute, die im Dienst Löschfahrzeuge bedienten, als Fahrer von «schweren Motorwagen» während Einsätzen nicht mehr als 0,1 Promille Alkohol im Blut haben. Seit dem 1. Januar ist die verschärfte Vorschrift nun wieder Geschichte.

Der Grund: In mehreren Gemeinden kam es bei Notfalleinsätzen zu Engpässen, weil der aufgebotene Fahrer kurz zuvor ein Glas Wein oder Bier konsumiert hatte. Auch die Limmattaler Gemeinden verfügen ausschliesslich über Milizfeuerwehren. Nich für alle wurde die neue Regelung jedoch zum Problem. So habe Dietikon als grosse Feuerwehr keine Situationen erlebt, in denen man wegen fahruntauglichen Mitgliedern verspätet ausrücken musste, sagt Stabsoffizier Roger Wiederkehr.

Auf den nächsten Fahrer warten

In kleineren Gemeinden sah es anders aus. In Oberengstringen kam es laut Kommandant Olivier Béguin zwar zu keinen Engpässen. Dass Fahrer nach Feierabend gar nichts trinken durften, habe sich aber emotional negativ ausgewirkt. Auch in Uitikon ist man erleichtert: «Stellen Sie sich vor, Sie werden bei einem Glas Wein zum Einsatz gerufen und merken dann, dass die anderen potenziellen Fahrer ebenfalls Wein getrunken haben», sagt Werner Oetiker, Kommandant der Feuerwehr Uitikon.

Es habe Situationen gegeben, in denen der aufgebotene Fahrer nicht fahrtauglich im Sinne des Gesetzes gewesen sei und auf den nächsten Fahrer habe warten müssen. Es gehe den Feuerwehren aber auf keinen Fall um Alkoholexzesse, betont Oetiker. Mehr als ein Glas werde nicht toleriert. Ähnlich klingt es bei den Feuerwehren von Birmensdorf-Aesch, Urdorf und Schlieren. «Für alle planbaren Einsätze, wie Übungen und Kontrollfahrten, dürfen die Schlieremer Fahrer auch weiterhin gar keinen Alkohol im Blut haben», sagt der Schlieremer Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP).

Pierre Dalcher (SVP)

Pierre Dalcher (SVP)

zvg

Die verschärfte Regelung entstand damals im Rahmen des Bundesprogramms Via Sicura, das die Sicherheit im Strassenverkehr verbessern will. Wegen der Folgen für Milizfeuerwehren reichte der Aargauer BDP-Nationalrat und Milizfeuerwehrmann Bernhard Guhl eine Motion ein. In der neuen Gesetzesfassung sind Fahrten durch Angehörige der Milizfeuerwehr nun explizit vom Alkoholverbot ausgenommen.

Wichtig ist dabei eine gute Planung. «Dank des Turnussystems wissen die Schlieremer Feuerwehrleute, ob ihr Feuerwehrszug beim nächsten Einsatz an der Reihe ist und sie können sich darauf einstellen», sagt Dalcher. Mit der neuen Promillegrenze werde wieder mehr an die Eigenverantwortung appelliert, was Disziplin voraussetze. Dalchers Botschaft an die Feuerwehrleute lautet deshalb:» Verhaltet euch bei der neuen Alkoholvorschrift nicht grundsätzlich anders als bei der alten.»